Gratis bloggen bei
myblog.de

Mini Twitter



follow Zwei_Sommer at http://twitter.com


Affiliates



become?


Icon Of The Month

Wettbewerb


Where you can reach us




To say

It's time for you
to see yourself



Olivia's p.o.v.


Kaum nachdem wir von der Tankstelle wieder losgefahren waren, hatte ich auch schon den Sitz ein Stück weiter nach hinten gestellt und die Augen geschlossen. Ich hatte Nachts nicht unbedingt viel geschlafen und dann den ganzen Sonntagmorgen gearbeitet und eigentlich kam es mir da ganz recht, dass wir wahrscheinlich noch eine gute Stunde in dem Wagen verbringen mussten.
„Ich muss noch einmal ins Studio!“, sagte der junge Mann neben mir, als ich schon am Dösen war und ich seufzte leise, als ich mich zwang die Augen wieder zu öffnen.
„Okay...“, presste ich nur heraus und gähnte kurz.
„Kommst du mit?“, fragte Richie weiter und ich richtete mich wieder richtig in meinem Sitz auf, als ich den Kopf zu ihm drehte.
„Doofe Frage. Klar komm ich mit. Die schlechte Laune von allen lass ich mir doch nicht entgehen!“, ich zwinkerte ihm zu und das halbe Grinsen auf seinen Lippen verriet, dass seine schlechte Laune sich zumindest für den Moment wieder gebessert hatte.
Das Radio spielte leise vor sich hin und alles, was nebenbei noch zu hören war, war unser leises Atmen und das Vorbeizischen von anderen Autos und etwas Wind. Ich dachte, diesmal meine Chance nutzen zu können, und schloss erneut die Augen. Und wieder fing Chris in dem Moment an zu sprechen, in dem ich gerade am Einschlafen war.
„Und was mache ich jetzt mit Lynn?“, er klang etwas gequält und ich griff mit einer Hand nach seinem Oberarm um gespielt mitleidig daran herumzutätscheln.
„Ohhhh, armes Chris-Baby weiß nicht, was es tun soll!“, nuschelte ich und er verdrehte die Augen, als er die nächste Ausfahrt nahm. „Lass ihr Zeit und wenn du denkst, sie hat sich beruhigt, dann entschuldige dich und alles ist wieder gut.“
„Denkst du wirklich, dass es so einfach ist?“
Fast schon beleidigt rutschte ich etwas nach vorne und verschränkte die Arme vor der Brust.
„Na hör mal. Lynn ist meine beste Freundin. Was denkst du wie oft wir uns schon gestritten haben? Das zählt einmal die Woche zum Ablauf! Und ICH entschuldige mich so gut wie nie. Aber um ehrlich zu sein: Hätte ich ihr sowas vor den Kopf geworfen, würde sogar ich mich zu einer Entschuldigung durchringen...“
Richie sah nicht unbedingt glücklich mit meinen Worten aus, aber irgendjemand musste ja mal die Wahrheit sagen und nicht alles schön reden, wenn es nichts Schönes gab. „Glaub mir einfach. Madelyn muss sich etwas beruhigen und dann wird sie deine Entschuldigung schon annehmen. Warum sollte sie auch nicht?! Überleg' doch mal wie romantisch das ist. Euer erster großer Streit!“, ich lachte leise und Richie zog verständnislos die Augenbrauen zusammen.
„Was ist daran denn bitte romantisch?“, fragte er und zog tief die Luft zwischen den Zähnen ein.
„Na komm. Streit gehört doch in jede Beziehung! Aber ich sage dir gleich: Wenn du dann mal mit Lynn zusammen bist, müsst ihr mich auch einplanen. Wer mit Lynn zusammen ist, ist auch mit mir zusammen!“
„Na super. Ich freue mich jetzt schon auf unsere gemeinsamen Nächte!“, er schüttelte lachend den Kopf.
„Das kann ich mir vorstellen, wer würde mich auch NICHT haben wollen?“, etwas eingebildet warf ich meine blonden Haare über die Schulter und hob die Nase etwas an.
Wir lachten noch, als Richie den Motor abstellte, nachdem er den Wagen vorm Arionwerk abgestellt hatte und wir ausstiegen.
„Ich will überhaupt nicht genau wissen, was mich erwarten würde, wenn es wirklich soweit kommen würde!“, kicherte Richie und ich folgte ihm durch die automatische Schiebetür, ebenfalls noch kichernd.
In der Sitzecke fanden wir Jay, Izzy und Vince vor, deren Mienen mehr als nur Deutlich zeigten, wie traurig und sauer sie waren. Aber nur Jay zeigte auch etwas Verwunderung über unsere gute Laune.
„Was ist den mit euch los?“, fragte er etwas bitter und wieder kicherte ich.
„Wenn er Lynn heiratet, heiratet er mich auch! Dann haben wir tollen Sex zu dritt. Eifersüchtig?“, fragte ich und ließ mich neben ihn auf die Couch plumpsen.
Als er nicht antwortete und auch die anderen keine Miene verzogen, wurden Richie und ich doch etwas stutzig.
„Was ist?“, fragte der blonde Amerikaner in die Runde und setzte sich neben Vince.
„Vor einer halben Stunde kam ein Fax...“, fing Jay an und ich zog eine Augenbraue hoch. „Hast du ihr überhaupt erzähl was passiert ist?“
Richie nickte stumm und der große Engländer erzählte weiter.
„Das Fax war von Chris' Rechtsanwalt. Er ist offiziell draußen, wir brauchen überhaupt nicht mehr hoffen, dass er zurück kommt. Und nebenbei möchte er keinen Kontakt mehr zu uns. Zu keinem von uns. Zumindest vorerst.“, mein Herz rutschte mir in die Hose und schien bei jedem weiteren Wort noch weiter zu rutschen. Wenige Sekunden zuvor war die Sache noch klar für mich. Chris brauchte eine kurze Auszeit. Okay. Vielleicht würde er auch nicht mehr zu US5 zurückkehren. Aber keinen Kontakt mehr zu... uns allen? War ich eingeschlossen?
Mein Mund stand ein klein Wenig offen, aus Schock und gleichzeitig, um nicht zu vergessen, dass ich atmen musste.
Vince und Izzy verzogen bei Jays Worten weiterhin keine Miene, nur Richie schnappte nach Luft und dahin war unsere gute Laune.
„Was heißt... zu keinem von uns...?“, fragte ich schließlich und hoffte inständig, dass damit nur die Band gemeint war und nicht ich.
„Das heißt zu uns vier und zu allen, die mit uns weiterhin Kontakt haben, also schätze ich, zählen Lynn und du auch darunter.“, antwortete Jay und schmiss mir das weiße Papier zu. Schwarz auf weiß stand es da vor meinen Augen.
„Das... das ist doch absurd. Hätte ich das gewusst, dann... dann hätte ich doch was gesagt. Wieso...“, verwirrt redete ich eher mit mir selbst als mit den vier jungen Männern und mich herum, aber während Richie mir das Blatt aus den Fingern riss und ich mir dabei damit in den Finger schnitt, sodass mich der brennende Schmerz wieder in die Realität holte, musterte mich Vince neugierig.
„Was hättest du dann gesagt?“, fragte er und mein Blick glitt zwischen den übrigen Bandmitgliedern umher, bis er hilfesuchend auf Richie kleben blieb.
„Jetzt kannst du es doch sagen. Er ist weg, du brichst kein Versprechen mehr!“, er nickte aufmunternd und ich schloss die Augen, um dann den Kopf in den Händen zu verbergen und die Ellbogen auf den Knien abzustützen.
„Er hat vor ein paar Wochen mal kurz erwähnt, dass er überlegt die Band zu verlassen. Aber ich musste versprechen euch nichts zu sagen. Außerdem habe ich gedacht er würde sich noch einmal umentscheiden. Er klang nicht wirklich überzeugt und...“
„OLIVIA!“, Izzys donnernde Stimme ließ mich ein wenig tiefer in die Couch rutschen und den Kopf noch mehr senken.
„Hör auf sie so anzuschreien. Sie hat es ihm versprochen und wenn sie ein Versprechen hält, dann ist das vollkommen in Ordnung. Außerdem habe ich sie dafür schon genug zur Sau gemacht!“, verteidigte Richie mich.
„Das ist mir so egal. Wegen ihr ist hier vielleicht das Ende von US5!“
„Ach, hör doch auf, sie kann doch nichts dafür, dass Chris uns verlassen hat. Und auch wenn sie es uns gesagt hätte, was hättest du tun wollen? Ihn an uns anketten? Ihm Handschellen anlegen, damit er bleibt? Oder kannst du zaubern? Verdammt Izzy, hieran ist NIEMAND Schuld!“
„Wir hätten mit ihm reden können!“, die beiden Amerikaner wurden immer lauter, als sie sich anschrien und einen Moment schien es um mich herum dunkel zu werden, bis Jay sich wieder einmischte.
„Ella ist sicher nicht schuld daran, dass Chris gegangen ist. Wenn, dann sind wir das. Wir hätten viel früher merken sollen, dass mit ihm etwas nicht stimmt. Im Internet zerreißen sich die Fans schon seit Monaten das Maul darüber, ob er nun mehr oder weniger lächelt als früher. Hätten wir die Augen früher aufgemacht, dann hätten wir mit ihm reden können...“, er seufzte leise, als er aufstand. „Warten wir ab, was Mark und Mike jetzt weiteres vorhaben. Richie, Du musst deinen Text für das Booklet noch schreiben!“, sein Gesicht schien völlig reglos, als er an uns vorbei zu der Glastür lief, sie aufzog und dahinter im dunklen Gang verschwand.


Zwei lange Wochen, in denen Richie und Lynn kein Wort miteinander wechselten zogen ins Haus. Während Richie mich ständig mit ins Studio schleppte und mir vorheulte, dass er sich endlich bei Lynn entschuldigen wollte, erwähnte diese den blonden Amerikaner mit keinem Wort. Auch von Ryan erzählte sie nichts und ich wunderte mich, ob sie nun über beide hinweg war und die Krankheit BAMBA nun überwunden hatte, oder ob sie einfach angepisst von beiden war. Als ich ihr von Chris' Ausstieg erzählt hatte, war sie etwas geschockt, fragte aber nicht, wie es mit der Band weiterging. Dann hätte sie ja über Richie reden müssen.
Sonst passierte nicht viel. Ich schwänzte ein paar einzelne Schulstunden, weil ich besseres zu tun hatte, als in Kunst oder Englisch zu sitzen. Lynn machte freiwillig Überstunden und arbeitete teilweise 14 Stunden am Stück. Mein Geburtstag rückte immer näher, aber ich hatte gar keine richtige Feierstimmung. Bis zum Ende des Jahre standen noch so viele Partys an, dass mir fast das Kotzen kam. Chris hatte sich kein einziges Mal gemeldet, stattdessen kamen ein paar Artikel in der BRAVO. Abgeschorene Haare und eine LIDL-Tüte standen ihm ja wirklich unglaublich gut, und der Arsch hatte sich tatsächlich auch noch zurück nach Berlin getraut. Zu seinem Glück war ich zu stolz um ihn aufzusuchen und zu Kleinholz zu verarbeiten und auch sonst hatte keiner Interesse daran wieder den Kontakt zu ihm zu suchen. Wir hatten inzwischen aufgegeben ihn ständig anzurufen und auf seine Mailbox zu sprechen, auch die Nummer von seinem Festnetztelefon wurde geändert und schlussendlich waren wir alle einfach nur noch sauer.
Ich glaube, ich hatte Grund dazu am meisten sauer zu sein, schließlich wollte ich gerade zulassen, eine Bindung zu ihm einzugehen, die alles vorangegangene übertraf, und er verschwand einfach aus meinem Leben, ohne sich zu verabschieden, aber andererseits war ich nicht besser gewesen und wollte auch zweimal den Kontakt zu ihm abbrechen... aber immerhin war ich noch zu erreichen gewesen. Blöder Arsch.

Es war Anfang September, als ich anstatt in meinem Englisch-Leistungskurs im Studio saß und das erste vorgedruckte Booklet des neuen Albums in der Hand hielt. Die vier jungen Männer um mich herum musterten mich erwartend und ich zog eine Augenbraue hoch.
„Naja- wenn ihr die Kiddies von zwölf bis sechzehn ansprechen wollt, dann... ist es gut genug!“, mit einer wegwerfenden Handbewegung öffnete ich es und überflog den Inhalt. Die Songtexte klangen so wie das Albumcover versprach. Aber gut, das war eben ihre Zielspanne. „Ähm... Jungs... nur eine Frage, aber wieso heißt der erste Track „Around the World“ wenn im Text ungefähr einhundert Mal „Don't let me go“ steht, aber kein einziges Mal „Around the World“... also... wisst ihr was ich meine?“, ich hielt Jay das Booklet unter die Nase und deutete direkt auf den ersten Songtext.
„Scheiße man!“, seufzte er und blätterte weiter, dann murrte er erneut: „Scheiße man! Die Texte von „Around the World“ und „Don't let me go!“ sind vertauscht. Die Booklets sind schon im Druck. Wie peinlich.“, er warf mir das kleine Heft wieder zu. „Moment!“, dann verschwand er aus dem kleinen Raum.
„Ehrlich?“, fragte Richie und ich nickte.
„Sieht so aus, ja...“, auch ich blätterte etwas weiter und überflog die Danksagungen der Jungs, bis ich bei Richies stutzig wurde.
„Ähm... kann ich mir das mal kurz ausleihen?“, fragte ich und stand schnell von dem Stuhl auf, auf dem ich gesessen hatte.
„Ähm... klar...“, Izzy nickte und ich grinste Richie etwas unschuldig an.
„Kannst du mir deinen Wagen kurz leihen?“