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Madelyn's p.o.v.


Wie viele Herzschläge waren vergangen?
Völlig betäubt lag ich von den muskulösen Armen des Amerikaners umschlungen, neben ihm und versuchte die vergangen Stunden in meinem Kopf zu rekonstruieren.

Ich stand vor seiner Tür. Nur ein einziges Klopfen trennte mich mehr von ihm- von all dem, was ich im Moment wollte. Vorsichtig trafen meine kalten Hände auf das dunkle Holz der Tür und glitten langsam wieder an meinen Körper zurück. Innerhalb weniger Sekunden öffnete sich die Tür und eine zierliche Frau, noch kleiner als ich, lugte zwischen Türrahmen und Türe zu mir hindurch.
„Ist Ryan da?“, fragte ich leise. Mir war nicht bewusst, wie ich die Situation deuten sollte, also versuchte ich so vernünftig zu sein, wie ich es in diesem Moment nur sein konnte.
„Wer ist da an der Tür Honey?“, hörte ich seine samtene Stimme durchdringen und widerstand einer langen Sekunde lang dem Drang einfach in seine Arme zu rennen.
„Ich weiß nicht.“, antwortete die Frau mir gegenüber und musterte mich von oben bis unten.
„Ryan?“, sprach ich mit all der Kraft, die ich im Moment in meiner Stimme aufbringen konnte.
Ein Schritt, Zwei Schritte, Drei Schritte, Vier Schritte, Fünf Schritte, Sechs Schritte. Sechs gottverdammte Schritte, bis ich einen klitzekleinen Blick auf den Blonden erhaschen konnte, der mein verletztes Herz in einer schönen Art und Weise wieder zum Beben brachte.
„Madelyn!“, sprach er und griff über die Frau, um die Tür aufzureißen. Wütend blickte sie ihn an und zog sich das Handtuch, das sie eng um ihren Körper geschlungen hatte, noch fester um. Sein Oberkörper war nur von einem dünnen Wasserfilm umgeben- um die Taille hatte er ein weißes Handtuch und sein Haar war nass. Ihre Blicke trafen sich für eine Sekunde.
Es bedarf nicht vielen Kenntnissen, um die Situation richtig zu deuten. Ich ließ meinen Blick schmerzlich über Ryan und der Frau vor ihm gleiten und biss mir auf die Lippen. Mein Magen zog sich zusammen und ich hatte das Gefühl mich übergeben zu müssen.
„Oh! Ich wollte nicht stören.“, flüsterte ich und drehte sofort um, um aus dem Flur nach draußen zu stürzen.
Es war zu spät. Ich kam zu spät. Das Schicksal hätte es besser mit mir meinen können. Schützend legte ich mir die Arme um die Brust, während ich mit schnellen Schritten die Treppen hinunter lief. Das Loch in mir drohte in wenigen Sekunden wieder aufzuklaffen und ein Ausmaß an Schmerzen auszuüben, an das ich nicht einmal in meinen schlimmsten Träumen denken wollte.
„Maddie!“, schrie mir seine wunderbare Stimme hinterher. Wie konnte etwas so trügerisch und gleichzeitig so wunderschön sein?
Ich riss die Tür auf und rannte weiter. Rannte so schnell ich nur rennen konnte. Doch selbst jetzt war ich nicht schnell genug, dem Leid zu entkommen.
Die Tränen sammelten sich in meinen Augen. Ich wollte nicht weinen. Ich konnte es nicht.
Erst, als sich ein paar nackte kaltnasse Arme um meinen Körper legten und mich an seinen Körper zogen, fing mein Kopf wieder an zu arbeiten und an anderes zu denken, als nur die Tränen aufhalten zu müssen.
„Ryan, bitte lass mich!“, sagte ich ohne ihn anzusehen und versuchte mich wieder von ihm loszureißen. Doch sein Griff wurde nur härter und stärker.
„Ich lass dich nicht mehr gehen.“, sprach er mir in mein Ohr und küsste dieses beruhigend. Mit all meiner Kraft riss ich mich aus seinen Armen und sah ihn erschüttert an.
„Du sagst du kommst her wegen mir! Bringst mein ganzes Leben wieder durcheinander, obwohl ich so gottverdammt kurz davor war, wieder in die richtige Bahn zu kommen. Und jetzt das?“
Alle Dämme brachen. Die Vernunft, die ich mit so viel Kraft aufrechterhielt glitt einfach so dahin.
Er griff mit beiden Händen nach mir, doch ich entwich ihm und sah ihn mit tränengefüllten Augen an.
„Wer ist sie, he? Hast du mit ihr dieselbe Scheiße gemacht wie mit mir? Ryan, verdammt ich war bereit wieder zu dir zu kommen. Genau wie du’s von mir verlangt hast! Und alles, was ich finde bist du halbnackt mit irgend so einer anderen Tussi?“, meine Worten kamen jetzt barscher denn je über meine Lippen. Ich war überrascht über die Härte, die mit ihnen mitklang, doch ich ließ es mir nicht anmerken.
Sein Blick blieb fest auf meinem Gesicht, seine Brust bebte in kurzen Abständen, als er mit einer schnellen Bewegung nach meiner Hand griff und mich wieder fest an seinen Körper zog. Ich war zu schwach, um ihm zu entkommen.
„Atmen, Chrissie!“, sprach er mir dringlich ins Ohr und krallte sich mit seiner Hand in mein Haar.
Ich war mir nicht mehr sicher, ob er es war oder der Schmerz, der aus meiner Brust kam, der mich so sehr betäubte.
„Komm, wir gehen rein.“, murmelte er und zog mich sanft vor sich her, wieder zurück in die Wohnung.
„Ich will nicht!“, sprach ich und drehte mich um, sodass ich meinen Kopf wieder an seine Brust lehnen konnte.
„Ich schick sie weg. Wir setzen uns hin und reden.“, flüsterte er mir gegen mein Haar und verfestigte seine Umarmung. Ich schloss meine Augen und presste mein Gesicht so fest es nur ging gegen seine Schulter. Ich hätte ihn schlagen wollen. Ich hätte ihn beißen und kratzen wollen. Ich hätte ihm die schlimmsten Beleidigungen gegen den Kopf werfen wollen. Doch alles, was ich konnte war es, ihn so fest zu umarmen wie ich nur konnte und seinen Duft so gut wie möglich in meine Lungen zu atmen.
Ich hatte nicht mitbekommen, wie er sie weggeschickt hatte. Ich hatte ihn in keiner Sekunde losgelassen, hatte keinen einzigen Gedanken an das, was um mich herum war verschwendet.
Sanft zog er mich auf eine weiche Matratze und legte sanft seine Arme um meinen Körper. Ich erwiderte seine Umarmung und sah ihm fest in die Augen. Er strich mir mit einer Hand über die tränenüberströmten Wangen und legte die andere beruhigend an meine Hüfte.
„Du weißt gar nicht, wie sehr ich mich nach diesem Moment gesehnt hatte.“, hauchte er leise.
„Ryan, ich versteh das hier alles nicht.“, sprach ich, wobei meine Stimme am Ende des Satzes abbrach.
„Schh, nur einen kleinen Moment.“, flüsterte er und legte mir seinen Zeigefinger über die Lippen.
Seine blauen Augen drangen zu mir hindurch und ich suchte nach seiner Hand, um seine Finger mit meinen zu verschränken. Seine Haut war noch viel weicher und glatter, als ich sie in Erinnerung hatte. Er legte seine Stirn an meine und schloss die Augen.
„Ich bin fast gestorben ohne dich.“, hauchte er und schlug die Augen wieder auf. Ich biss mir auf die Unterlippe und schüttelte den Kopf.
„Ryan ich versteh das hier alles nicht mehr.“, wiederholte ich meine Worte und drückte seine Hand.
Der Blonde seufzte leicht und schien nach den richtigen Worten zu suchen.
„Ich bin zurückgekommen, weil ich gemerkt hab, dass ich den größten Fehler gemacht habe, als ich in die Staaten abgehauen bin. Ash und ich- das war wirklich die größte Schnappsidee, die mir jemals in den Sinn gekommen ist. Ich war zu dumm, um zu verstehen, was ich kaputtgemacht habe, als ich gegangen bin. Madelyn, du musst mir glauben, wenn ich dir schwöre, dass keine Sekunde vergangen ist, in der ich nicht an dich gedacht habe. Ash ist völlig ausgerastet, als sie gesehen hat, dass ich ein Bild von dir immer bei mir trage“, er griff hinter sich auf den Boden und zog aus seiner Hose sein Portemonnaie. Aus diesem holte er ein kleines Bild, das mich und ihn zeigte- glücklich- und zeigte es mir. „Wir haben uns die ganze Nacht gestritten, bis ich meine Sachen gepackt hab und zu Granny gefahren bin. Vor dort aus hab ich meinen Flug gebucht und bin wieder hergekommen. Du kannst dir gar nicht vorstellen, was für ein Akt das war, dich zu finden. Gott, Ella und dein Bruder haben alles getan, dich so zu verplanen, dass du mich auf keinen Fall siehst. Irgendwann ist mir dieses Dach eingefallen, auf dem du und Ella euch immer getroffen habt. Den Rest kennst du ja…“
Ich schluckte und sah ihm tief in die Augen.
„Als ich dich mit diesem Kerl gesehen habe, dachte ich alles wäre zu spät. Aber als du mir dann in die Augen gesehen hast und ich für einen klitzekleinen Moment meine kleine Chrissie gesehen habe, wusste ich, dass es noch einen Weg gibt.“
Ich schüttelte bei dem Gedanken an diesen Horrortag mit dem Kopf.
Richie.
Nein, die Sache hatte ich zu vergessen.
„Und was hatte diese Frau dann hier verloren?“, fragte ich und atmete tief ein. Es roch noch immer penetrant nach einem fremden Damenparfum.
„Verena… Nichts Nennenswertes.“, sprach er kopfschüttelnd.
Ich kannte diesen Ton. Den samtweichen beruhigenden Ton, mit dem er mich nur all zu oft versucht hatte zu beschwichtigen.
Doch es sollte mich nicht wundern, dass ich keinen Schmerz bei dieser Tatsache empfand. Seine Anwesenheit brachte mich sowieso dazu keinen Schmerz mehr empfinden zu können. Ich war wie betäubt.

Schweigend lag ich in seinen Armen. Wie viel Zeit war vergangen?
Die Nacht war schon lange angebrochen, als ich seinen gleichmäßigen Atem wahrgenommen hatte.
Starr sah ich auf die Decke und versuchte mich von meinen Gedanken zu befreien. War es überhaupt möglich frei zu denken in seiner Gegenwart?
Eine warme Hand streichelte mir sanft über den Handrücken. Ich blickte auf diese und seufzte leicht. Das schwache Mondlicht, das durch das Fenster fiel war gerade hell genug, um mir die kleine helle Stelle auf Ryans Ringfinger erkenntlich zu machen.
Er trug für gewöhnlich ihren Freundschaftsring an diesem Finger. Doch er hatte ihn nicht mehr an. Hatte er ihn bei ihr gelassen, um mit mir noch einmal neu anzufangen? Ich kniff die Augen zu und erwartete den stechenden Schmerz in meiner Brust. Er erreichte mich nicht. Ich war wie betäubt.
Ich atmete die schwere Luft ein und erhob mich langsam, sodass ich ihn nicht aufwachen würde.
Ohne einen weiteren Blick auf ihn zu werfen, verließ ich die Wohnung.
Ich war immer noch zu betäubt, um irgendeine Emotion wahrnehmen zu können. Nichts drang zu mir hindurch. Nichts als die Geräusche der befahrenen Straße.

Der nächste Bus sollte erst in drei Stunden kommen.
Langsam setzte ich mich auf die freie Bank und starrte in die Ferne. Ich musste zu müde und zu erschöpft sein, um zu verstehen, was gerade in meinem Leben passiert war. Wie konnte ich mich von ihm gelöst haben?
Wieso empfand ich nichts? Rein gar nichts? Noch nicht einmal das Verlangen zu ihm zurück zu müssen? Wieso war es nicht mehr so schwer an ihn zu denken? Wieso traf mich der Schmerz in keiner Sekunde seiner Abwesenheit?
Und wieso hatte ich das Gefühl so erleichtert zu sein?

Ich holte mein Handy aus meiner Hosentasche und suchte nach Bens Nummer in meinem Telefonbuch.
„Lynn?“, sprach er und klang leicht besorgt.
„Kannst du mich bitte abholen kommen? Ich bin in Neukölln.“, sprach ich und warf einen Blick auf den Namen der Haltestelle. „Baumschulenstraße.“, fügte ich hinzu.
„Ist was passiert?“, fragte er und ich hörte, wie er von der Couch aufsprang und sich den Schlüssel vom Tisch nahm.
„Nein. Alles bestens. Der nächste Bus kommt nur erst in drei Stunden.“
„Ich bin sofort da.“, sprach er und legte auf.
Das kleine Handy glitt zurück in meine Hosentasche und ich zog die Knie an meinen Körper, um meinen Kopf auf ihnen abstützen zu können.
Ich betrachtete die Sterne am Himmel und erkannte seit langem wieder ihre Schönheit. Ich musste in den letzten Monaten durch einen dicken Schleier geguckt haben. Wie konnte ich nicht gesehen haben, wie schön diese funkelnden Sterne waren?
Ich schüttelte mit dem Kopf und sah wieder auf die Straße.
Ryan hatte Ashley mit all dem, was sie für ihn war hinter sich gelassen- die helle Stelle auf seiner Haut, auf der sonst der silberne Ring war, war Beweis genug dafür.
Und ich? Es war ein absurder Gedanke, Ryan hinter mir gelassen zu haben. War er absurd, weil er falsch war, oder weil ich einfach nur nie daran geglaubt hatte?

Er war absurd, weil ich es endlich geschafft hatte. Er war absurd, weil Ryan tot war für mich- sein Kapitel endgültig abgeschlossen und für immer verriegelt.

Das Auto meines Bruders hielt genau vor mir und er öffnete die Tür.
Ich sah in sein vertrautes Gesicht und musste lächeln.
„Es ist so schön dich zu sehen!“, sagte ich und nahm ihn in den Arm, als ich in den Wagen stieg und die Tür hinter mir verschloss.