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Madelyn's p.o.v.


Ich setzte das Telefon wieder auf seine Station und wollte mich umdrehen, um zurück in die Küche zu gehen, doch der Blonde war mir zuvorgekommen und stand sanft lächelnd im Türrahmen.
„Ella?“, fragte er und ich nickte nur leicht um ihm zu antworten. Er trat einen weiteren Schritt in das Zimmer ein und musterte meine Einrichtung von oben bis unten. Er fuhr vorsichtig mit den Fingern über einen Bilderrahmen, in dem ein Bild meiner gesamten Familie hing.
„Du siehst aus wie deine Mutter.“, stellte er fest und drehte sich wieder mir zu. Ich nickte nur leicht und stand auf.
Richie ging weitere Schritte auf mich zu, bis uns kaum mehr ein halber Meter voneinander trennte. Sachte legte er seine rechte Hand an mein Gesicht und zog mit der freien Hand meine Linke an seine Hüfte. Sein warmer Atem traf auf meine Wangen und brachte sie leicht zum Erröten. Tief sah er mir in meine Augen und ein leichtes Lächeln zierte seine Lippen. Vorsichtig legte ich auch meine rechte Hand um seine Hüften. Die Wärme seines Körpers erfüllte auch mich und ich musste lächeln.
„Es ist schön, dass…“, doch der Blonde unterbrach mich mitten im Satz, indem er von meiner Wange an meine Lippen fuhr und diese sachte mit seinen Fingern verschloss.
„Schh…“, hauchte er leise, kaum hörbar und neigte sein Gesicht vor. Seine Finger glitten von meinen Lippen an meinen Nacken. Sein Blick lag in jeder Sekunde dieses Moments auf meinem Gesicht. Mein Herz machte einen Satz und das merkte auch er, denn mit meinen Fingern krallte ich mich fest in den Stoff seines Shirts.
Leicht stupste er meine Nase mit seiner an, schloss seine Augen und näherte sich weiter meinem Gesicht. Nur ein schwacher Atemzug trennte meine Lippen von seinen.
Vorsichtig liebkoste er meine Lippen. Sein sachter Kuss erwachte wunderschöne Erinnerungen in mir und ich genoss jedes Detail dieses Moments in vollen Zügen.
Noch immer sah ich dem jungen Mann auf seine langen Wimpern. Der Moment erschien mir so unreal- so unerhofft schön. Ich schaffte es nicht meine Augen zu schließen. Etwas in mir sprach dagegen endlich loszulassen, mich einfach nur ihm hinzugeben. Die Angst brachte mein Blut dazu, wie wild gegen meine Schläfen zu pochen und in kurzen Abständen schnappte ich nach Luft.
Der Moment erschien mir falsch. Alles in mir sträubte sich gegen das, was er tat- gegen ihn. Mit meinen Fingern stieß ich mich leicht von ihm ab und sah ihn entschuldigend an.
„Ich kann das nicht.“, hauchte ich und schüttelte leicht mit dem Kopf.
Entgegen meiner Erwartungen sah er mich nicht sauer an. Es lag noch nicht mal ein Hauch der Verwirrung in seinem Blick. Viel mehr Enttäuschung oder unerwiderte Hoffnung spiegelte sich in seinen blauen Augen wider.
Ich sah zu Boden. Es gefiel mir nicht ihm in dieser Situation in die Augen zu sehen.
„Weißt du was? Du hast Recht!“, sprach er und der Ton seiner sonst so harmonischen Stimme wurde schärfer.
„Du hängst noch viel zu sehr an diesem Idioten! Ich kann’s dir nicht ausreden und wenn ich ehrlich bin, bin ich es Leid dir hinterherzurennen Madelyn Christine!“
Erschrocken und absolut überrascht von seinen Worten sah ich dem jungen Mann nun wieder in den Augen. Es war nicht mehr die zerschmetterte Hoffnung, die mir so zu schaffen machte, jetzt war es viel mehr die Wut, die langsam sein ganzes Gesicht erreichte. Es erschien mir, als spannte sich jeder seiner Muskeln an- sein ganzer Körper schien schier unter Strom zu stehen. Durch die zu Fäusten geballten Hände traten die Knöchel seiner Finger weiß durch seine Haut am Handrücken hindurch.
Es machte mir Angst. Noch nie hatte ich den blonden Jungen so erlebt.
„Ryan geht dich nichts an!“, zischte ich durch meine Zähne und versuchte so meine Angst zu überspielen.
„Es geht mich aber was an, wenn du wochenlang ein Spiel mit mir spielst, nur um dich von dem Kerl abzulenken und irgendwann festzustellen, dass du dabei die Gefühle deiner Mitmenschen verdammt nochmal gar nicht achtest!“
„Niemand hat dich hierzu gezwungen! Ich hab dir von Anfang an reinen Wein eingeschenkt, aber du musstest es ja unbedingt provozieren!“, schrie ich ihm entgegen und sah ihn wütend an.
„Wahrscheinlich hast du Recht! Wahrscheinlich war ich einfach nur zu dumm, um zu erkennen, dass ich nichts weiter als eine scheiß Ablenkung für dich war!“, schrie er zurück. Es lag nicht an der Lautstärke, nur an seinem Unterton, der verletzend unterschwellig mitschwang und mich in Kombination mit seinen Worten zur Weißglut trieb.
„Dann verpiss dich doch einfach!“, zischte ich und sah ihn angewidert an.
Ohne ein weiteres Wort zu sagen, lief er mit schnellen großen Schritten raus aus meinem Zimmer, zog die Jacke vom Haken im Flur und knallte die Haustüre so feste hinter sich zu, dass ich den Schall aus dem Treppenhaus noch in meinem Zimmer hören konnte.
Ich griff mir mit meiner rechten Hand in das offene Haar und krallte mich am Haaransatz fest. Mit geschlossenen Augen ließ ich mich auf mein Bett fallen und stampfte wütend gegen den Boden.
„Gottverdammtes Arschloch! Lasst mich in Ruhe! Beide!“, schrie ich in die Leere des Raumes und drehte mich auf meinen Bauch, um in mein Kissen zu schreien.
Die unvermeidbaren Tränen liefen mir über das ganze Gesicht, als ich zum Atmen das Kissen zur Seite legte. Es war mehr ein Hecheln und vergebliches nach Luft ringen. Es war für mich unerklärlich, total paradox und unnötig, wie so ein für mich positiver Tag so ein grausames Ende nehmen musste.
Hatte ich mich nicht immerzu klar ausgedrückt? Wie oft hatte ich um Zeit gebeten?
Ja, mir war bewusst, dass ich unzählige Fehler dabei gemacht hatte, mir diese Zeit auch zu nehmen. Ich hatte ihn so oft versetzt, nur weil ich es nicht geschafft hatte ihm meinen Standpunkt klarzumachen. Aber im Endeffekt war es für mich der einzig richtige Weg um objektiv darüber zu entscheiden, was für mich persönlich das Richtige war.
Er mochte Recht haben- ich hing an Ryan. Ja zum Teufel, ich hatte es selbst nach so einer langen Zeit der Trennung noch nicht geschafft, mich zu 100 % von ihm zu lösen. Aber durch Richies ewige Geduld und seine einfühlsame Art hatte er mich sehr wohl dazu gebracht auch wieder an anderes zu denken. Ich konnte mir sogar eingestehen, dass ich mehr für den jungen Mann empfand. Es war nur einfach zu früh mit ihm darüber zu reden und nach seinem Auftritt bestätigte sich meine Befürchtung.
Wieso konnte er das alles nicht einfach verstehen? In meinen Kopf schauen und einsehen, dass ich mehr Zeit brauchte als all die anderen zuvor?
Es wäre sinnfrei gewesen ihm hinterherzurennen und um Vergebung zu bitten. Viel zu tief saß der Ärger in mir im Moment. Er hatte es trotz meiner ewig lästigen Emotionen schlicht weg zu weit getrieben. Ich wollte ihm nicht in die Augen sehen. Ich wollte niemanden sehen.
Mein Blick fiel auf den kleinen IPod auf meinem Nachttisch. Ich stellte das Gerät an und suchte gezielt nach dem einen Lied. Ich wusste, es würde mich zum Zerbrechen bringen. Aber wie lange hatte ich mich dazu gezwungen nicht an ihn zu denken? Und selbst als er wieder da war, war ich stark genug, um im Nachhinein wieder darüber hinwegzusehen.

You're the matador and I'm the bull.
You're the brass keyhole I fit into.
You're the wind and I am the weathervane.
You're the strawberry blonde and I'm the gray.
You're the light and I am the firefly.
You're the star and I am black as sky.

Tell me, yeah, sing your song for my lonely soul!
Tell me (tell me) you sing your song for my lonely soul!

If we find the light and turn into, ourselves,
they will hunt us down like animals.
In the morning clouds will cover you,
oh well.
In the afternoon the sun is yours.
Find a lie deep inside your heart.

Tell me, yeah, sing your song for my lonely soul!
Tell me (tell me) you sing your song for my lonely soul!
Stroke by stroke, you fill my empty soul with kind.
Tell me, yeah, sing your song for my lonely soul!
Tell me (tell me) you sing your song for my lonely soul!
Tell me (tell me) sing your song for my lonely soul, my lonely soul!
Tell me (tell me) you sing your song for my lonely soul, my lonely soul!

You're the wind and I am the weathervane.
You're the strawberry blonde and I'm the gray, the gray.”

[Strawberry Blonde- The Subways]

Wieso hatte ich nicht um ihn gekämpft? Wieso hatte ich von ihm losgelassen?
Die Tränen liefen in Strömen über mein Gesicht. Jede einzelne brannte so sehr auf meiner Haut, dass ich den Eindruck hatte in loderndem Feuer zu liegen. Langsam griff ich mit meiner freien linken Hand an meinen Nachttisch und zog das kleine schwarze Handy zu mir.
Es war ein Fehler.
Aber wie sollte ich diesen einsehen, wenn alles in mir nach ihm verlangte? Meine Seele war meinem Verstand doch schon so lange überlegen- war es im Endeffekt nicht einfach eine Frage der Zeit, wann ich schwach werden würde?
Hatte er das hier alles geplant? War er gekommen, weil er wusste, dass ich dem Druck seiner unmittelbaren Präsens nicht lange stand halten konnte?
Selbst wenn sich meine abstrusen Vermutungen bewahrheiten sollten, ich hätte niemals stark genug sein können, um diesem essenziellen Verlangen zu widerstehen.
Ich hielt mir das kalte Metall an die Wangen, um meinen Kopf soweit in den Griff zu bekommen, dass ich wenigstens die Tränen ersticken konnte und suchte in meinem Telefonbuch nach seiner Nummer.
Mein Zeigefinger verharrte den Bruchteil einer Sekunde auf dem grünen Knopf der Tastatur und malte unsichtbare Kreise darauf. Kennst du das Gefühl, wenn du dir etwas sehnlicher wünschst als alles andere auf der Welt, obwohl du genau weißt, dass du daran zerbrechen wirst und wenn du so kurz davor stehst es zu bekommen, zerreißt es dich bald in tausend kleine Stücke? Multipliziere es mit 10 und du bekommst eine kleine Ahnung davon, wie es in mir aussah.
Ich sog meine Lungen noch einmal mit Luft voll, ehe ich den überlebenswichtigen Knopf drückte und das Gerät an mein Ohr hielt.
Es tutete fünf unendliche Male, bis sich seine samtene Stimme am anderen Ende meldete.
„Hey hier ist Ryan. Leider bin ich gerade anderweitig beschäftigt, aber ihr könnt mir ja auf den AB labern und ich schau dann mal, dass ich mich schnell melde.“
Schnell zog ich das Handy in meine Hände und beendete das Gespräch. Wie sollte ich ihm jetzt auf den Anrufbeantworter sprechen?
„Hallo Ryan, hier ist Madelyn. Sorry nochmal, dass dich mein Bruder, Ella und diese komischen Typen da vermöbelt haben… aber du weißt ja wie die drauf sind! Also… ehm können wir uns bitte treffen, weil ich sonst sterbe vor Sehnsucht?“ Nein- soweit konnte diese ganze Sache einfach nicht kommen.
Ich suchte in meinem Handy nach der Nummer von Ryans bestem Freund in Berlin. Ich wusste, dass sie sich irgendwann mal noch bezahlt machen würde. Ich konnte jetzt nicht einfach aufbrechen und ganz Berlin nach Ryan absuchen- wenn ich wüsste, wo er sich aufhielt, würde das mir vollkommen ausreichen.
„Ja?“, meldete sich die genervte Stimme. Im Hintergrund lief der Fernseher- es hörte sich stark nach Sportsendung an.
„Rob? Hier ist Madelyn.“, erklärte ich hastig und wartete ungeduldig darauf, dass er nach dem Grund meines unerwarteten Anrufen fragen würde.
„Hey, ich hätte ja nicht gedacht, dass du dich jemals wieder melden würdest… Was gibt’s Kleines?“, sprach er jetzt schon freundlicher gesinnt und schaltete den Fernseher leiser.
„Rob, du weißt doch sicher, wo Ryan sich aufhält, oder? Also zumindest solange er in Berlin ist? Er ist doch noch hier, oder?“, sprach ich panisch. Daran hatte ich noch gar nicht gedacht- was sollte sein, wenn er schon längst wieder in den Staaten oder sonst war?
„Nein, nein- er ist noch hier. Im Moment wohnt er in der Wohnung von seinen Eltern. Die steht frei, weil sich bis jetzt noch kein Nachmieter gefunden hat.“, erklärte er. „Du hast vor in zu besuchen?“, fuhr er fort und ich war mir todsicher, dass er soeben seine linke Augenbraue hochgezogen hatte.
„Lange Geschichte… wie auch immer- ich danke dir!“, sprach ich und sprang noch im selben Moment von meinem Bett auf, um in den Flur zu rennen und dort meine Tasche vom Haken zu reißen.
„Kein Ding. Aber Madelyn?“, fuhr er fort und ich stoppte einen kurzen Moment in meiner Bewegung, als ich den Unterton, der in seiner Stimme mitschwang, wiederhörte.
„Mh?“, fragte ich und zog mir die Jacke unachtsam über die Arme.
„Tu jetzt nichts Unüberlegtes. Ich glaub Ryan geht es nach der ganzen Geschichte nicht sonderlich und ich halte das nicht noch eine Nacht aus.“
„Was hältst du nicht noch eine Nacht aus?“, hakte ich nach, während ich die Tür hinter mir zuzog und das Treppenhaus hinunterlief.
„Ryan geht’s dreckig… richtig scheiße.“, murmelte er.
„Keine Angst- ich werde nichts tun, was seinem Zustand auch nur in geringster Weise verschlechtert!“, sprach ich.
„Mach’s gut Madelyn.“, murmelte er leise in den Hörer.
„Du auch, Rob.“, hauchte ich und hechtete dem Bus hinterher, der gerade vor meiner Nase die nächste Haltestelle anfuhr.