Gratis bloggen bei
myblog.de

Mini Twitter



follow Zwei_Sommer at http://twitter.com


Affiliates



become?


Icon Of The Month

Wettbewerb


Where you can reach us




To say

It's time for you
to see yourself



Madelyn's p.o.v.


Nachdem Jay sich breitschlagen ließ die Rechnung zu zahlen (wir argumentierten gekonnt damit, dass es sein Wille war, dieses Restaurant aufzusuchen und wir ja gar keine andere Wahl hatten), fuhren wir in das Hotel der Jungs, vor dem wie gewohnt die Fans warteten, um einen kleinen Blick auf ihre tollen Ach-so-tollen-Stars zu erhaschen und im Bestfall sogar ein Foto mit ihnen zu ergattern. Jan, der nach unserem Essen wieder wie aus dem Nichts aufgetaucht war und Chris, der ihm mit seinem eigenen Auto hinterherfuhr, fuhren ohne zu zögern in die Tiefgarage und hängten dabei gekonnt zwei Fans ab, die den Autos bis dahin hinterhergerannt waren.
„Ich komm mir vor wie in irgend so einem schlechten Actionfilm.“, murmelte ich, als der große Mann den Wagen zum Stehen brachte und noch einen Blick in den Rückspiegel warf. Das Geschrei, der beiden Mädchen war verklungen und sich seiner Sache sicher, nickte er Jay zu, der die Tür zur Seite zog, sodass wir aussteigen konnten. Chris, der seinen Wagen neben dem Van geparkt hatte, reagierte auf Jay und stieg auch aus.
„Mittags sind’s meistens so um die 3, die uns hinterherrennen. An schönen Tagen an die 5.“, erklärte Izzy und fügte zwinkernd ein „Meine Güte. Ja, verdammt, wir sind Actionsstars“ hinzu.
Wir fuhren allesamt, immer noch in Begleitung des großen Mannes, dessen Anwesenheit mich weniger beruhigte, als nervös machte, in die Etage, in der die Zimmer der Jungs lagen.
„Richie hat die meisten Filme. Beschlossene Sache!“, grinste Chris breit. Auf halber Strecke jedoch blieb der eben Angesprochene stehen, verschränkte die Arme vor der Brust und schüttelte den Kopf.
„Vergiss es! Beim letzten Mal lagst du total besoffen auf Vince, der gerade so noch die Toilette getroffen hat, anstatt mir die Bude vollzukotzen!“, er sah ihn mit einem Blick an, der Chris wohl zeigen sollte, dass er die Sache immer noch nicht vergessen hatte. Chris funkelte Richie böse an, doch bevor er es verhindern konnte, drehte sich Ella vor ihn, sah ihn zuerst mit großen Rehaugen an, um dann laut loszulachen.
„Du vergehst dich an kleinen Kindern.“, grinste sie, griff in ihre Tasche und kramte aus dieser ein weiteres Bonbon, dass sie Vince an den Kopf schmiss.
Jay verschränkte die Arme über dem Kopf, schloss kurz die Augen, um uns dann kopfschüttelnd wieder anzusehen.
„Du bist so richtig blöde, weißt du das?!“, funkelte Vince Ella an, ehe er auf dem Absatz kehrt machte und direkt auf ein Zimmer auf dem Gang zusteuerte.
„Ihr seid furchtbar!“, murmelte Jay, der es dem Bandjüngsten gleichtat und sein eigenes Zimmer aufsuchte.
Izzys Blick schweifte erst zwischen Ella und Chris und dann zwischen Richie und mir hin und her.
„Da bleibt wohl nichts für mich übrig.“, schulterzuckend entwich ihm ein hämisches Lächeln, bevor er Richie und Chris dann übertrieben ein Augenzwinkern zuwarf und in Richtung Treppenhaus ging.
„Toll. Jetzt habt ihr sie alle verscheucht.“, stellte ich ernüchternd fest, bevor ich mich zwischen Chris und Richie stellte, die sich immer noch im „Böse- Blicke- zuwerfen“ duellierten.
„Diplomatisch wie ich bin, spreche ich jetzt das Machtwort!“
„Sehr diplomatisch.“, grinste Ella mich an, doch verstummte wieder.
„Kein Alkohol, dafür in Richies Zimmer. Ihr braucht mir nicht danken. Ich weiß, ihr liebt mich!“, säuselte ich, griff nach Richies Hand und zog ihn zu dem Zimmer, damit er die Tür aufschließen konnte, aber hauptsächlich damit er Chris für einen kurzen Moment außer Acht ließ und bemerkte, wie kindisch seine Tat war. Schnaubend griff er in seine Gesäßtasche, holte den kleinen Schlüssel mit dem grünen Anhänger aus dieser und schloss auf.
Ich folgte ihm und wartete darauf, dass Ella, die Chris immer noch lachend zu erklären versuchte, wie lustig sie die Tatsache fand, dass er besoffen auf seinem 15 Jährigen Bandkollegen gelegen hatte, die Tür hinter sich verschloss.
Seufzend ließ ich mich neben Ella auf dem großen, megaweichen Bett, das mit blütenweißer Wäsche gerade frischbezogen war, fallen. Richie öffnete derweil den Schrank, holte aus diesem eine große schwarze Tasche und schmiss sie zu uns auf das Bett.
„Sucht euch einen aus. Chris und ich müssen nochmal was klären!“, sprach er dem Größeren der beiden blondhaarigen Jungs zu, der ihm bereitwillig aus der Türe folgte.
„Aber schlagt euch nicht die Köpfe ein! Das hatten wir letztens erst!“, schrie Ella ihnen kichernd hinterher, doch ihr Kichern verstummte wieder, sobald sie meine weniger begeisterte Miene sah und fügte ein leises, kaum hörbares „Tschuldigung“ hinzu, ehe sie den Reißverschluss der Tasche aufzog und alle DVD’s auf der Decke des Bettes verteilte.
Wir stellten ernüchternd fest, dass seine Sammlung erhebliche Lücken aufwies. Die Abteilung Disneyfilme und die Abteilung Mädchenfilme waren nur sehr spärlich vorhanden. Dafür war er im Besitz von allen möglichen abartigen Horrorfilmen, dessen Cover reichten, um mir den Appetit für die nächsten zwei Wochen zu verschlagen. Ich hasse Horrorfilme. Ben hatte mich schon in meiner Kindheit damit aufgezogen, dass ich keine Horrorfilme angucken konnte, ohne mich hinter seinem Rücken, in den entscheidenden Szenen, zu verstecken. Ich erinnerte mich noch sehr genau daran, wie er mich an einem seiner Kindergeburtstage dazu genötigt hatte, mit ihm und seinen Freunden „Chucky die Mörderpuppe“ zu gucken- heute war mir klar, dass er das gemacht hatte, damit sie alle etwas zu lachen hatten. Ich verdrehte die Augen bei diesen Gedanken und schob die ekligen Cover beiseite, um die brauchbaren zu inspizieren.
„Guck mal, was wir hier haben!“, lachte Ella und hielt eine DVD Hülle in die Luft, die einen gelben Hintergrund hatte. Auf dem Vordergrund waren Bilder der 5 Jungs abgebildet und die Wörter „HERE WE GO TOUR 2006- LIVE IN CONCERT!“, prangten in schwarzroten Buchstaben darauf.
Ich nahm ihr grinsend die DVD ab und sah mir das Cover genauer an.
„Ich glaub wir sind fündig geworden.“
Unachtsam schob Ella die restlichen Hüllen wieder in die Tasche und ging an den großen Flachbildfernseher, unter dem der DVD Player stand. Sie legte die CD ein, schaltete den Fernseher an und ließ sich dann wieder zu mir auf das Bett fallen. Die Anfangsmusik reichte, um uns einen Geschmack auf die vielversprechend klingenden Kapitel zu geben. Wir wählten das Konzert und machten es uns grinsend auf dem großen Bett gemütlich. Es dauerte nicht lange, bis fünf in weißen Oberteilen und dunklen Jeans gekleideten Jungs auf der Empore der großen Bühne standen und mit einem eingeübt coolen Blick in die kreischende Menge sahen. Ich musste sofort an die Mädchen, die vor dem Hotel warteten denken und stellte ernüchternd fest, dass sie wirklich nichts im Gegensatz zu denen waren, die die große Halle füllten.
Spätestens als ein Mädchen eingeblendet wurde, die sich die Augen rotgeheult hatte und auf deren Wangen die Überreste der Namen von allen Jungs, die sie mit Eyeliner aufgetragen hatte, nur noch wie schwarze Schlieren prangten, konnte Ella sich nicht mehr halten vor Lachen.
Auch mir wurde die skurrile Inszenierung des übertriebenen Entrance der Gruppe zu viel und ich konnte mir ein Lachen nicht verkneifen.
„Und was ist jetzt hier so witzig?“, die Tür wurde von Chris aufgestoßen, hinter dem sich Richie in das Zimmer durchdrückte und auf den großen Fernseher starrte.
„Nein…“, murmelte dieser nur und steuerte geradewegs auf den Fernseher zu, um auf diesem den Ausschaltknopf zu betätigen.
„Vergiss es!“, sprach ich und sprang von meinem Platz auf, um ihn daran zu hindern. Ich zog seine Hände wieder nach unten und legte meine Finger mit einem sanften Druck um sein Gelenk.
„Das ist übertrieben peinlich! Chris sag sofort was!“, sagte er und blickte hilfesuchend zu Chris, der ihm heftig nickend zustimmte.
„Wir wollen das jetzt aber gucken! Steht zu eurer tollen Performance und den vielen Kreischies!“, forderte Ella und zog Chris an seinem Hosenbein auf das Bett. Dieser verschränkte die Arme vor der Brust und schob die Unterlippe vor, sodass er wie ein kleines bockiges Kind aussah, das alles darauf ansetzte zu bekommen, was es wollte.
Ich legte meine linke Hand an sein Kinn und zog damit sanft seine Aufmerksamkeit wieder auf mich. Während Ella auf Chris einredete, rief ich mir wieder ins Gedächtnis, was Ellas Mutter, Ella und mir vor nicht all zu langer Zeit einmal beigebracht hatte: „Wenn ihr einen Kerl um den Finger wickeln wollt, dann haucht ihm leise ein ‚Bitte‘ zu und versucht dabei verrucht und gleichzeitig hilflos auszusehen. Zieht immer!“
„Bitte“, hauchte ich ihm also leise zu und schlug die Augenlider nieder, um ihn dann mit einem verrucht hilflosen Blick anzusehen. Er seufzte laut auf und gab sich damit geschlagen. Ich war erstaunt darüber, wie gut das eben Vorgenommene geklappt hatte und nahm mir vor, dasselbe bei meinem Chef zu probieren, wenn mal wieder eine Gehaltserhöhung nötig war. Böse- sehr sehr böse Lynn!
„Mach mal Platz!“, rief er Chris zu, der ihn erschüttert ansah.
„Du lässt dich immer viel zu schnell weichkochen und…“, Ella legte ihm beide Hände über den Mund und grinste mich breit an.
„Das wird lustig!“, sprach sie munter und kicherte hämisch.
In den folgenden anderthalbstunden sprangen Ella und ich, vergnügt über die sich immer wieder wiederholenden Schritte und die oftmals einfallslosen Songtexte, über das Bett und imitierten das Gesehene. Während Chris sich dazu überwinden konnte das ein oder andere Mal mit uns zu lachen, versteckte Richie sein Gesicht hinter seinen Händen und murmelte vor sich hin, dass er dazu genötigt wurde und ihm das alles sowieso unheimlich peinlich sei.
„Wir waren jung und brauchten das Geld!“, verteidigte Chris sich, als die DVD ihr Ende fand und hob entschuldigend die Hände.
„Egal wie viel Geld mir jemand bietet, ich würde mich niemals auf so eine Bühne stellen und so schreckliche Musik machen!“, lachte Ella und hob ihre rechte Hand in die Luft, um sie dann übertrieben nach rechts und links zu schmeißen. Diese Bewegung hatten sie und ich während des Guckens nämlich zu der Lieblingsbewegung des grausamen Choreographens erkoren.
„Hätte mir damals einer gesagt, dass ich so bescheuert dabei aussehe, hätte ich das auch sicher nicht gemacht!“, sprach der Blauäugige neben mir und verschränkte die Arme vor der Brust. In seinen Unterton schwang jedoch etwas mit, das mir zeigte, dass er nicht so unglücklich darüber war, wie er jetzt vorgab zu sein. Ich war mir mittlerweile sehr sicher, dass er sich darüber bewusst war, was dieser Beruf von ihm abverlangte und wie er ihn aussehen ließ. Er musste es lieben auf der Bühne zu stehen und andere Menschen, Menschen die diese Inszenierung genießen konnten, mit seiner Präsens zum Lächeln zu bringen.
„So schlimm hast du gar nicht ausgesehen.“, säuselte ich und lächelte ihn ein wenig an.
„Keine Zeit, um sentimental zu werden und so Schlimmes schön zu reden! Du musst heute noch Nachtschicht arbeiten und ich hab morgen Schule!“, sagte Ella und krabbelte aus dem Bett. Sie suchte ihre Sachen in dem Zimmer zusammen und warf mir noch einen kleinen Blick zu, ehe sie mit Chris an der Hand aus dem Zimmer verschwand.
„Soll ich dich zum Sender fahren?“, fragte er und tastete langsam mit seiner Hand nach meiner. Ein leichter Schauer lief mir bei dieser Berührung über den Rücken und ich musste lächeln.
„Mach dir keinen Stress. Du musst heute wegen mir nicht mehr Versteckspiel, mit denen da draußen spielen. Ich komm auch alleine hin.“, er nickte und schenkte mir eines meiner heißgeliebten schiefen Lächeln.
„Ich hör dir heute Nacht zu.“, lächelte er und nahm mich in den Arm.
„Heute Nacht schläfst du! Und morgen melde ich mich bei dir!“, erklärte ich und lehnte meine Wange an seine, um nur für einen kurzen Moment die Augen schließen zu können. Achtsam löste ich mich wieder aus dieser Umarmung und stand auf.
„Bis heute Nacht.“, grinste er breit.
„Du schläfst!“, schimpfte ich gespielt mit erhobenem Finger und legte mir meine Jacke über die Schultern.
„Niemals!“, hauchte er. Ich sah noch ein letztes Mal an diesem Abend in sein wunderschönes Gesicht und verschwand dann aus dem Zimmer, ehe es mir wieder zu schwer fallen würde, von ihm abzulassen.
Auf dem Gang war keine Spur mehr von Ella und Chris. Ich schlenderte verträumt durch den langen Gang, den ein dunkelroter Teppich durchzog, dessen Farbe das gedämmte Licht der Lampen an den Wänden, unterstützte und ließ den heutigen Tag in Gedanken Revue passieren.