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Olivia's p.o.v.


Es dauerte eine ganze Weile, bis ich mich beruhigt hatte, aber danach fühlte ich mich besser. Ich fühlte mich befreit; um Tonnen leichter. Als wäre mir eine Last abgenommen worden, ohne die ich mich wieder frei bewegen konnte.
Es tat gut zu wissen, dass Chris die Wahrheit jetzt kannte. Ich brauchte nichts zu sagen, dass ich mich in ihn verliebt hätte, denn das wäre eine Lüge gewesen. Ich war nicht verliebt in ihn. Ich liebe ihn auch nicht. Ich hatte mich nicht mal wirklich in ihn verguckt, denn dazu kannte ich ihn zu wenig.
Zu dem Zeitpunkt wusste ich nur, dass Chris mein Vertrauen hatte, und das zu Recht. Ich wusste nur, dass er mir mehr bedeutete, als jeder andere Junge, den ich kannte. Ich wusste nur, dass da etwas war, das mich zu ihm hinzog. Es war kein Verlangen, kein rosaroter Schleier, der mir die Sicht vernebelte. Es war nur ein Gefühl, das sich langsam an mir hochzog und mich an ihn kettete.
Ich weiß, das klingt sehr danach, als wäre ich über beide Ohren verliebt. Aber das war es wirklich nicht.
Ich hatte mich etwas von Chris weggedrückt und sah ihm nun durch meine geröteten Augen in die seinen. Er erwiderte meinen Blick lächelnd und legte dann seine Hände an meine Wangen, um mit den Daumen meine Tränen wegzuwischen, mich kurz an sich zu ziehen und die Lippen vorsichtig auf meine Stirn zu drücken – etwas länger als benötigt.
„Wir schaffen das, oder?“, fragte ich leise, aus Angst, meine Stimme könnte brechen, würde ich zu laut reden, und Chris nickte leicht.
Ich meinte nicht die Ehekrise meiner Eltern, oder mein immer noch gebrochenes Herz, das ich seit der Trennung von Jonas nie wirklich flicken konnte, obwohl ich schon längst über ihn hinweg war. Ich meinte auch nicht die ganzen Menschen, die mich verlassen hatten. Oder Noahs Blutkrebs.
Ich hatte mich Chris endlich geöffnet, und das sollte der erste Schritt für eine besondere Vertrauensbasis sein. Es sollte ihm alle nötigen Tore öffnen so tief in mein Herz vorzudringen, dass er es auch nie wieder hinaus schaffen würde.
Ich hatte Chris in den letzten Wochen kennen gelernt und gemerkt, dass er nicht die Art Mensch war, die er vorgab zu sein. Er hatte ebensolche Probleme Vertrauen zu fassen, wie ich sie hatte und trotzdem gab er sich mehr Mühe mich an sich heran zu lassen, als ich es zu Anfang tat. Zumindest kam es bei mir so an.
Chris war kein Mensch, der sofort erzählte, wie er sich fühlte. Er war wie ich jemand, dem man entweder ansehen konnte, was schief lief, oder er würde das Geheimnis so lange in sich tragen, bis es zu spät war.
Er wollte nicht viele Freunde oder Bekannte. Ein paar waren genug, so lange es enge Freunde waren. Menschen, denen er vertrauen konnte. Denen er sich öffnen konnte.
Ich wünschte mir einer dieser Menschen zu sein, denn auch, wenn ich mir sicher war, dass er es nicht zugeben würde: er spielte tagtäglich eine Rolle, in die kaum jemand Einblick gewann.
Es waren die Kleinigkeiten, die mir den Hinweis darauf gaben, dass er in der Öffentlichkeit jemand anderes war, als bei mir. Die Kleinigkeiten, die mich hellhörig werden ließen. Ein Blick, ein Lächeln. Es genügte um stutzig zu werden. Ein Wort, das dem widersprach, was er vertrat. Dinge, die kaum jemandem auffielen.
Richie hatte mir gegenüber schon einmal kurz seine Zweifel geäußert. Vermutungen angestellt, dass Chris die Band verlassen wollte. Dass es ihm nicht gut ging. Er sich nicht mehr wohl fühlte.
Ich wollte es damals nicht sagen, aber ich konnte mir Chris, nachdem ich ihn kennen gelernt hatte, sowieso nicht mehr auf der Bühne vorstellen. Er hatte nicht dieselbe Stärke wie sie zum Beispiel Jay sie hatte. Er hatte eine emotionale Stärke, die aber auch gleichzeitig seine größte Schwäche war.
„Natürlich schaffen wir das!“, sagte er genauso leise wie ich, aber sein Lächeln veränderte sich. Kaum merklich, perfekt für einen Profi. Aber ich zog die Augenbrauen zusammen. Dieses Lächeln kannte ich. Ich hatte mir im Internet auf diversen Seiten mehr als nur ein Foto von ihm angeguckt – unter anderem mit seinen Fans. Und mit ihnen lächelte er genau dieses Lächeln. Dieses Lächeln, das sich nicht bis zu seinen Augen zog, sondern irgendwo inmitten von Nichts verschwand.
Ich atmete tief ein, bevor ich den Kopf schief legte und wieder ein Stück näher an ihn rückte.
„Hab' ich was Falsches gesagt?“, wollte ich dann wissen und ich glaube, er fühlte sich ertappt, denn er warf seinen Blick aus dem Fenster und seufzte dann leise.
„Nein, das ist es nicht!“, setzte er mir entgegen und sah mir dann wieder in die immer noch roten Augen.
Ich fragte ihn nicht danach mir zu erzählen, was ihm auf dem Herzen lag. Ich sah ihn nur bittend an. Ich wollte ihn nicht dazu drängen mir etwas zu erzählen, zu dem er nicht bereit war. Ich wollte nicht, dass er sich mir öffnete und mir vertraute, wenn es nicht das war, was er wollte.
Als er dann nach meiner Hand griff, atmete er laut aus.
„Vielleicht ist es besser, wenn ich die Band verlasse!“, sprach er dann und ich sah ihn leicht schockiert an. Ich hätte nicht damit gerechnet, dass sich meine Hirngespinste in die Realität umsetzen würden.
„Ich- wollte vorhin nicht andeuten, dass du die Band verlassen sollst, um mehr Zeit für mich zu haben!“, fügte ich schnell ein. Ich hatte ein schlechtes Gewissen, denn was ich ihm zuvor aufgetischt hatte, hatte vielleicht genau das angedeutet.
Der Blonde drückte sanft meine Hand und lächelte kaum merklich.
„Du bist nicht daran Schuld, keine Angst, Ella... ich... überlege schon länger, ob die Band wirklich das ist, was ich will. Sie war Anfangs mein Traum. Wer will nicht berühmt sein und auf der Bühne stehen, von hunderten von Mädchen bejubelt werden?“, mit der freien Hand strich er sich kurz durch die Haare, dann legte er den Kopf auf der Couchlehne ab. „Aber in letzter Zeit... wird es einfach zu viel. Ich hätte vielleicht schon gehen sollen, als Mikel ging... aber ich dachte, die Band würde auseinander brechen... das haben die anderen nicht verdient.“
„Und wenn du jetzt gehst?“, fragte ich behutsam. Es sollte nicht klingen wie ein Vorwurf.
„Sie werden es auch zu viert schaffen. Oder sich eben wieder jemanden dazu holen... aber... ich weiß einfach nicht, ob ich die Kraft habe weiter zu machen.“, ich atmete flach und leise, als hätte ich Angst davor seine Worte nicht mitzukriegen, würde ich zu laut atmen.
„Du bist stark, Chris, das ist sicherlich nur eine...“, fing ich an, doch er schüttelte nur mit dem Kopf.
„Es ist keine Phase. Ich fühle mich einfach ausgelaugt. Ich fühle mich leer. Ich habe keine Zeit für meine Freunde und schon gar nicht für mich. Ich habe nicht mal Zeit wirklich zu schlafen. Bald kommt das neue Album raus- wir wollen nach Amerika... es ist so viel geplant, dass es mir Angst macht an morgen zu denken, wenn wir schon wieder von Termin zu Termin rennen müssen. Ich fühle mich wie abgeschottet von der Welt, durch diesen Beruf.“
Ich drehte kurz den Kopf von ihm weg, um mir sein Gesagtes durch den Kopf gehen zu lassen.
„Es war ein Traum, den ich lebe... aber heute ist es die Hölle. Außer den Jungs gibt es fast niemanden mehr. Sie sind sozusagen meine einzige Familie. Die Fans sind meine Familie, aber das will ich nicht mehr. Ich fühle mich wie eine Maschine, die nur noch tut, was sie muss; ohne eigenen Willen. Als würde ich nur noch funktionieren, und das ist es nie gewesen, was ich wollte.“, es entstand eine kurze Pause zwischen uns, in der ich in das eingedämmte Licht der Lampe in der hinteren Ecke des Zimmers sah. Die einzige Lichtquelle, die das Zimmer etwas erhellte. „Ich will einfach normal sein können. Und MEIN Leben leben...“
Ich nickte leicht. Ich versuchte zu verstehen, was er mir da sagte und was es bedeutete, aber ich fühlte mich, als würde mein Kopf dank der neuen Informationen zerplatzen. Es riss mich in Stücke zu hören, dass es ihm so schlecht ging.
„Bitte sag es niemandem. Auch nicht Lynn. Ich weiß ja noch gar nicht... verstehst du?“, wieder brachte er seinen Satz nicht zu Ende und ich nickte nur immer und immer wieder. Dieses Geheimnis würde ich für mich behalten, egal wie schwer es mir fallen würde und egal wie sauer Lynn und Richie und all die anderen schlussendlich auf mich wären.
„Wir... schaffen das zusammen!“, sagte er dann und im Endeffekt musste ich doch lächeln. Die Worte waren wie ein Versprechen für mich. Ein Versprechen, dass er, auch wenn er gehen würde, blieb. Dass er diese Beziehung nicht aufs Spiel setzte.
Als Chris auf die Uhr sah und schmunzelte, folgte ich seinem Blick und seufzte leise. Es war fast halb fünf.
„Musst du nachher nicht in die Schule?“, fragte er mich dann und ich schüttelte resigniert den Kopf.
„Ich schwänze... musst du nicht zur Arbeit?“, setzte ich dann meine Gegenfrage und er war an der Reihe den Kopf zu schütteln.
„Erst am Abend...“, er strich mit dem Daumen sanft über meinen Handrücken. „Soll ich dich heim fahren?“
„Das brauchst du nicht...“, ich wollte mich gerade aufrichten, da löste er seine Finger von meinen und drückte mich wieder zurück.
„Aber ich lass dich nicht alleine hier rum laufen. Schon gar nicht um die Zeit.“, seine Stimme klang fest und überzeugt, aber ich ließ mich nicht einschüchtern, obwohl ich mich daran zurück erinnerte, wie froh ich war, dass Richie mich bis zur Tür gebracht hatte.
„Ich schaffe das schon, ich bin...“, wollte ich mich stark reden, aber Chris tippte sich nur an die Stirn.
„Du gehst keinen Meter vor diese Tür ohne meine Begleitung oder jemanden, der dich abholt! Dann bleibst du eben hier, dass ist mir auch recht!“, damit war für ihn die Diskussion beendet, bevor sie richtig angefangen hatte und ich seufzte nur und gab die Hoffnung auf.
Und da war das erste Mal dieses Gefühl, das mich so verwirrte. Ich wollte überhaupt nicht nach Hause. Ich wollte nicht die Starke spielen. Ich war froh, dass er mich beschützte, dass er alles Schlechte von mir abzuwenden versuchte.
Meine Mauer war gefallen.