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Olivia's p.o.v.


Ich weiß nicht was genau mich an dem Abend geritten hat. Ob es nun Jay war, der auf mich eingeredet hatte, oder Clemens' liebevolle Worte, oder einfach die Tatsache, dass es Richie war, der plötzlich auftauchte, und nicht Chris. Irgendetwas – vielleicht auch ein anderer Faktor – zumindest, hat es mich dazu gebracht die Kontrolle über mich zu verlieren und in Tränen auszubrechen.
Das ist normal nicht meine Art. Ich hasse es in der Öffentlichkeit zu weinen. Obwohl ich ein ziemlich emotionaler Mensch bin und eigentlich relativ oft weine, passiert es doch selten, dass ich vor anderen Leuten weine. Dass ich Schwäche zeige.
Natürlich gilt das nicht für meinen Bruder, oder für Lynn, oder meine Eltern. Und wenn ich heute darüber nachdenke, dann ist es erstaunlich, dass ich damals auf dem Dach in Tränen ausgebrochen bin, denn das passt einfach nicht zu mir.
Ich kann auch nicht verstehen, wieso ich an dem Abend einfach drauf los marschiert bin, um zu Chris nach Hause zu gehen, denn ich hatte keine Ahnung, wo seine Wohnung überhaupt war, und Berlin war nicht unbedingt die kleinste Stadt.
Ich war einfach total durch den Wind, etwas verwirrt und konnte keinen klaren Gedanken fassen.
Es kam mir gerade Recht, das Richie mir anbot mich zu Chris zu fahren, obwohl ich auch das erst realisierte, als sein Auto direkt vor uns hielt.
Ich stieg absichtlich hinten ein und hoffte, dass Lynn nicht aus Freundlichkeit zu mir auch hinten einsteigen würde. Anscheinend verstand sie den Wink mit dem Zaunpfahl, denn sie setzte sich brav auf den Beifahrersitz.
Die ganze Fahrt über klebten meine Augen an Lynn. Normal sah ich beim Autofahren mit Leuten, mit denen ich vorher noch nicht gefahren bin immer aus der Frontscheibe, um mich zu vergewissern, dass ich auch lebend wieder aus diesem Auto aussteigen konnte. Dass ich dadurch einen Unfall auch nicht verhindern konnte, war mir klar, aber es gab mir eine gewisse Sicherheit. Lynn hatte diese Angewohnheit auch. Sie achtete immer darauf, was der Fahrer tat, was auf der Straße passierte. Aber bei Richie tat sie es nicht. Stattdessen schloss sie die Augen und brachte mich damit etwas zum Lächeln. Das war ein bisschen so, als würde sie ihm ihr Leben anvertrauen.
Die Fahrt dauerte vielleicht fünfzehn Minuten und verdeutlichte mir, wieso Chris die Hauptzeit ihres Aufenthalts in Berlin mit den anderen im Hotel verbrachte: Sie lag zu weit weg. Um schnell von einem Termin zum nächsten zu huschen, war sie einfach nicht nah genug am Hotel. Wenn er jeden Tag noch einmal fünfzehn Minuten zu den anderen fahren musste, wäre das Risiko zu spät zu einem Termin zu kommen zu hoch.
Als Richie anhielt und ich fragte, wo ich überhaupt hin musste, stieg er wortlos aus und öffnete mir dann die Tür.
Sein Ton und der dazu passende Blick brachte mich dazu, nur kurz zu nicken und auszusteigen.
Die Gegend war nicht unbedingt die Feinste und somit wollte ich auch nicht unbedingt alleine bis zum Haus laufen. Es war mitten in der Nacht, stockdunkel, und ich nicht unbedingt die Stärkste.
Richie hatte die Tür des Autos hinter sich kräftig zugeschmissen und lief dann ein Stück hinter mir her, ehe er mich sanft am Arm packte und um die Ecke zog.
„Warum hat er sich ausgerechnet HIER eine Wohnung genommen?“, fragte ich leise und war froh zu spüren, dass Richie bei mir war. In Gedanken machte ich mich heimlich etwas lustig über Chris, indem ich „Mein Block“ immer und immer wieder wiederholte. Währenddessen ließ ich meinen Blick umher wandern.
Es war stockdunkel, der Himmel war von Wolken überzogen, sodass weder die Sterne, noch der Mond ihr Licht auf die Erde niederlassen konnten. Nur ein paar Straßenlaternen erleuchteten den Weg zu den großen Reihenhäusern, aber auch davon funktionierten nicht alle. Ein paar große Maschendrahtzäune umspielten die Gegend, hier und da lungerten noch ein paar Menschen auf Parkbänken oder an Wände gelehnt. Ein Einkaufswagen stand an einer Eingangstür.
Ich schauderte kurz und griff instinktiv nach Richies Hand, nur um zu wissen, dass ich nicht alleine war.
„Er hatte gehofft, dass die Fans es nicht herausfinden würden. Welcher vernünftige Mensch würde auch auf die Idee kommen, dass jemand, der relativ gut verdient sich eine Wohnung hier nehmen würde? Nicht mal du verstehst es, und du kennst Chris persönlich!“
Ich ließ meinen Blick kurz zu Richie wandern, der geradewegs auf eines der Gebäude zu lief. Ich denke, es war dunkelgelb, aber genau konnte ich es nicht erkennen.
„Er hat es gehofft?“, fragte ich dann und Richie nickte.
„Natürlich haben sie es trotzdem heraus gefunden. Manchmal frage ich mich, wieso unsere Fans besser über uns Bescheid wissen, als wir es manchmal tun.“, er schmunzelte kurz und brachte auch mich somit dazu die Lippen kurz zu stützen.
„Hier ist es!“, riss der Blonde mich dann aus meinen Gedanken und ich nickte leicht, als er auf die Klingel drückte.
Verunsichert warf ich einen Blick zurück auf den Wagen, den ich nur noch halb sehen konnte. Lynn starrte mich förmlich an.
Chris Stimme meldete sich surrend aus dem Lautsprecher und als Richie ihm antwortete, surrte auch die Tür auf und gab damit das Zeichen, dass sie geöffnet war.
„Danke...“, flüsterte ich und senkte kurz den Blick, während ich gegen die Tür drückte und sie klackend auf ging.
„Kein Problem. Es ist mir lieber, dass ich dich hier her bringe, als dass du um die Uhrzeit alleine durch die Gegend läufst.“, erklärte er und lächelte mir aufmunternd entgegen.
„Ich wusste ehrlich gesagt überhaupt nicht, wo ich hin sollte.“, antwortete ich ihm ehrlich und Richie lachte leise auf.
„Um so besser, dass du mich kennst! Chris wohnt im dritten Stock, ich denke die Tür wird offen sein, wenn du oben ankommst. Ansonsten ist es die Tür an der rechten Seite.“, aufmunternd rieb er seine Hand kurz über meinen Oberarm und ich blieb etwas unschlüssig stehen. Ich rang mit mir selbst. Eigentlich hatte er sich eine Umarmung verdient. Es war nicht selbstverständlich mich um diese Zeit einfach hier her zu fahren.
Irgendwie schaffte ich es über meinen Schatten zu springen und umarmte Richie noch einmal kurz, ehe ich einen Schritt in das Haus setzte.
Der blonde Amerikaner war schon wenige Schritte gelaufen, als ich noch einmal nach ihm rief.
„Was denn?“, fragte er nach und drehte sich noch einmal zu mir um.
„Pass auf Lynn auf!“, dann schloss ich die Tür hinter mir.
Das Licht im Treppenhaus war angesprungen, als ich die Tür geöffnet hatte und ich überlegte, ob ich den Fahrstuhl benutzen sollte, aber ich hasste es alleine zu fahren und das Haus- die ganze Gegend schien mir nicht besonders sicher, also entschied ich mich die Treppe zu nehmen. Am Schluss würde ich mit meinem Glück noch im Fahrstuhl stecken bleiben.
Ich rannte die Treppe förmlich hoch und als ich im dritten Stock angekommen war, stand die Tür tatsächlich einen Spalt breit offen.
Ich klopfte vorsichtig, hörte dann Chris, der etwas verwirrt ein „Komm endlich rein!“, rief und trat schließlich in den Flur, um die Tür hinter mir zu schließen.
Es verwunderte mich etwas, dass es hier drin so ganz anders aussah als der Rest des Hauses vermuten ließ. Natürlich hätte ich mir denken können, dass Chris nicht in der letzten Absteige wohnte – trotzdem überraschte es mich, dass es hier tagsüber wahrscheinlich sogar relativ hell war. Die Wand im Flur war limettengrün angestrichen, eine weiße Garderobe hing an der Wand, daneben ein großer Spiegel. Die Deckenleuchte erhellte den Flur in weißem Licht.
Ich schlüpfte aus den schwarzen High-Heels, die ich trug, rückte sie mit dem Fuß an die Wand und tapste dann zu der einzig geöffneten Tür, durch die sanftes Licht fiel. Wie ich es vermutet hatte, war der Raum nur spärlich erleuchtet und der Fernseher lief. Chris saß auf der dunkelbraunen Couch.
„Was willst du, Chris?“, fragte er ohne zu mir zu sehen und ich strich mir die blonden Haare hinter die Ohren, ehe ich Luft holte.
„Ich bin's. Ella...“, sagte ich leise und meine Tasche rutschte meinen Arm runter, ehe ich sie mit der Hand auffing und dann etwas schüchtern vor meinen Beinen baumeln ließ.
Wie von der Tarantel gestochen drehte Chris den Kopf ruckartig in meine Richtung und sprang dann von der Couch, um mit eiligen Schritten auf mich zu zu laufen.
Direkt vor mir blieb er stehen, sah mir in die Augen – aber bewegte sich nicht mehr weiter. Wahrscheinlich wusste er auch nicht, was er jetzt tun sollte.
Ich konnte seinem Blick nicht lange standhalten und sah dann auf meine Füße nieder. Kurz musterte ich den hellen Laminatboden, dann seufzte ich.
„Tut mir Leid, dass ich... letzte Woche nicht angerufen habe!“, sagte ich dann kleinlaut und fing an auf meiner Unterlippe zu kauen.
Chris' Hand griff kurz in meine Richtung, sank dann zurück und ergriff schließlich doch meine Hand, sodass mir vor Schreck die Tasche aus der Hand fiel und raschelnd auf dem Boden landete. Aber er sagte nichts.
„Ich glaube, wir müssen reden!"
Chris zog mich sanft an sich und schlang die Arme um meinen Körper. Mir wurde in dem Moment erst klar, wie viel größer er eigentlich war. Mein Blick lag direkt auf seiner Brust, wenn ich so ohne Schuhe vor ihm stand.
Wie von selbst legten sich meine Hände an seine Brust, rechts und links von meinem Kopf.
Chris drückte mich einen Moment nur fest an sich, als wolle er mich nie wieder gehen lassen, und ich schloss meine Augen und genoss den kurzen Augenblick.
„Alles Gute nachträglich!“, wisperte ich schließlich und ich könnte schwören, dass auch seinen Lippen endlich ein Lächeln erschien, als er seinen Kopf auf meinem ablegte. „Tut mir Leid, dass ich kein Geschenk dabei habe... das hier war...“, ehe ich weiter reden konnte, drückte er mich ein Stück von sich weg und schüttelte den Kopf.
„Ist schon gut. Du brauchst mir nichts schenken, wirklich, Ella!“, sagte er dann. Mir war die Bedeutung seiner Worte in dem Moment völlig egal, ich war einfach nur froh, dass er endlich überhaupt etwas sagte.

Chris hatte mir etwa zu Trinken angeboten und schlussendlich saß ich auf der Couch, das Wasserglas mit beiden Händen umklammert. Chris hatte den Fernseher ausgeschaltet und sich neben mich gesetzt. Sein Blick musterte mich kurz.
„Über was möchtest du reden?“, fragte er dann und ich merkte, dass es endlich an der Zeit war die Karten offen auf den Tisch zu legen. Ich wusste nicht, ob ich dazu bereit war, mich Chris völlig zu öffnen, denn dieses Gespräch würde nicht nur eine Weile dauern, sondern auch an meinen Nerven zerren.
Um den Moment etwas hinaus zu zögern, sah ich mich im Raum um. Er war relativ groß, die Wände waren strahlend weiß.
Die dunkelbraune Eckcouch, auf der wir saßen, nahm einen großen Teil des Raumes ein, ihr gegenüber ein ebenso dunkelbraunes Regal, auf dem der schwarze Fernseher stand. Auf dem Glastisch dazwischen lag eine Fernsehzeitschrift und die Fernbedienung, in der Ecke eine schwarze Lampe. Der Teppich war rot.
Ein paar Bilder hingen an der Wand, aber ich konnte nicht genau sagen, was darauf zu sehen war. Wahrscheinlich sein Familie. Seine Freunde. Die restlichen Jungs. Irgendwer eben. Ansonsten stand nur ein kleiner Schreibtisch in der anderen Ecke neben der Tür, auf dem der geschlossene Laptop lag, daneben eine Kamera.
Im Raum gab es nur die eine Tür, die wieder nach draußen in den Flur führte. Dafür waren die Fenster groß und ebenso rote Gardinen, wie es der Teppich war, hingen davor.
„Na sag schon, Ella!“, fing Chris dann an und rückte ein Stück näher an mich, ehe er nach meiner einen Hand griff und seine Finger die meinen umschlossen.
Ich schloss kurz die Augen, dann starrte ich wieder das Wasserglas an, ehe ich es auf den Tisch stellte.
„Jay hat mir erzählt, dass...“, wollte ich anfangen aber Chris sank in der Couch zurück und grummelte etwas von „Dieser verdammte Arsch“, vor sich her, was mich augenblicklich verstummen ließ. „Ich... ich weiß, dass ich nicht unbedingt der einfachste Mensch bin...“, sagte ich dann und versuchte ruhig zu bleiben, aber meine Stimme zitterte und Chris richtete sich wieder auf. „Vielleicht bin ich sogar ziemlich... schwierig. Es tut mir Leid, wenn du dir die Zähne daran ausbeisst, zu mir vorzudringen... aber...“, ich atmete schwer aus und schluckte, als er meine Hand sanft drückte. „... neue Bindungen machen mir einfach Angst. Man geht damit immer ein Risiko ein!“
„Ich weiß, was du meinst!“, murmelte der Größere dann und ich nickte leicht.
„Es ist nicht so, dass ich dich nicht mag oder so, wirklich, Chris. Ich mag dich sogar sehr. Eigentlich mochte ich dich von Anfang an schon viel zu sehr. Du hast es mir vom ersten Moment an schwer gemacht mich von dir fern zu halten. Emotional gesehen, meine ich. Das macht mir nochmal keine Probleme. Ich lerne Menschen kennen, und ich denke nicht einmal daran, sie näher an mich heran zu lassen, Ich gehe mit Absicht nur oberflächliche Beziehungen zu anderen Menschen ein, weil sie mir so nicht weh tun können. Aber du machst es mir praktisch unmöglich!“, ich hob den Blick an, um Chris' Reaktion zu sehen, und wunderte mich, dass er lächelte. „Wir- ich habe einfach gedacht, es wäre besser für uns beide, wenn wir keinen Kontakt mehr zueinander haben würden.“, meine Stimme zitterte immer ärger, also atmete ich noch einmal tief durch und senkte den Blick wieder. „Ich denke nicht, dass du mir absichtlich weh tun willst oder so, um Gottes Willen. Aber auch längere Zeit gesehen, ist es praktisch unmöglich.“, Chris Finger ließen meine Hand los. Stattdessen schlossen sie sich vorsichtig um mein Kinn und zogen meinen Kopf etwas hoch, sodass ich gezwungen war ihn anzusehen.
„Wieso soll das unmöglich sein?“, fragte er leise und mir lief es kalt den Rücken runter.
„Du bist so viel unterwegs... ich... wenn ich doch jemanden an mich ran lassen sollte, dann kann ich sehr anhänglich sein. Ich brauche die Menschen, die mir etwas bedeuten einfach in meiner Nähe. Ich würde nicht damit zurecht kommen, dich eben einfach mal zwei oder drei Wochen – oder Monate nicht zu sehen. Das würde mich fertig machen. Ehrlich gesagt fällt es mir jetzt schon schwer, auch nur ein paar Tage nichts von dir zu hören. Ich würde total verrückt werden, wenn ich nicht wüsste, dass...“, ich brach kurz ab und schloss die Augen, weil ich den Satz nicht zu ende brachte, während ich ihn ansah. „... dass du bei mir sein könntest, wenn ich dich brauche.“, hinter meinen Augenlidern bildeten sich Tränen, meine Stimme war zu einem Flüstern geworden, und schließlich drehte ich meinen Kopf von ihm weg.
Chris' Hand sank von meinem Gesicht in seinen Schoß und er seufzte leise auf.
„Ich könnte da sein!“, warf er dann leise ein, aber ich schüttelte den Kopf.
„Wie willst du zu mir kommen, wenn du gerade in einem anderen Land, oder sogar auf einem anderen Kontinent bist? Nimm mir das nicht übel, Chris, ich meine es nicht böse... es ist einfach... eine Tatsache, mit der ich nicht leben könnte.“
Seine Hände umgriffen meine fest, eine kurze Stille entstand zwischen uns, ehe er die Frage stellte, vor der ich mich am meisten gefürchtet hatte.
„Warum hast du so eine Angst davor?“
Als ich meine Augen wieder öffnete, sah ich im ersten Moment nur verschwommen die Umrisse vor mir. Ich blinzelte leicht.
„Es... gibt einfach viele Faktoren, die sich mit der Zeit angesammelt haben. Es klingt vielleicht dumm, aber... in der ersten Klasse zog meine damals beste Freundin Sarah in die Nähe von München. Das war der Anfang von einer Kette. Sie war mir so wichtig gewesen und plötzlich war sie weg. Natürlich, ich habe heute Lynn. Und dafür bin ich mehr als dankbar, ich könnte mir niemanden besseren als sie vorstellen. Trotzdem brach es mir damals das Herz, als Sarah einfach verschwand. Kurz darauf starb meine Großmutter, danach mein Opa. Inzwischen sind auch die beiden anderen gestorben. Zu meinem Opa hatte ich eine ziemlich tiefe Bindung. Er war- wie mein bester Freund. Mein Onkel starb bei einem schweren Autounfall...
Dazu kommt, dass meine Eltern sich in den letzten Jahren fast nur noch streiten. Wäre mein Vater nicht schon so alt, würde ich meine Hand dafür ins Feuer legen, dass er meine Mutter betrügt. Und die andere dafür, dass sie sich in nächster Zeit irgendwann scheiden lassen. So kann ich froh sein, wenn er zu meiner Hochzeit noch lebt. Und dann... war da noch Jonas.“, ich seufzte leise. „Ich hätte mich nie auf ihn einlassen sollen. Ich wusste von Anfang an, dass er nicht gut für mich sein würde, und trotzdem... Ich glaube einfach, die Beziehung mit ihm hat mir die rosarote Brille von den Augen gerissen.“ Das alles lag mir schwer auf dem Herzen, aber war noch lange nicht der Auslöser für mein heutiges Verhalten.
„Das tut... mir Leid.“, Chris' Daumen strich sanft über meinen Handrücken. „Aber- du verschweigst mir doch was...“
„Hat Richie es dir nicht erzählt?“, fragte ich leise und sah Chris wieder an, der etwas erschrocken wirkte, als er die Tränen in meinen Augen sah und den Kopf schüttelte.
Ich lächelte leicht. Zu dem Zeitpunkt hätte ich es nicht von Richie erwartet, dass er für mich seinem anscheinend besten Freund nichts weitererzählte.
„Mein Bruder hat Blutkrebs. Und... ich habe keine Hoffnung, dass er es überlebt!“, sagte ich dann kaum hörbar und schloss die Augen wieder, um nicht doch in Tränen auszubrechen.
Im nächsten Moment spürte ich nur, wie Chris meine Hand los ließ und ich hatte kurz das Gefühl auseinander zu fallen, bis er seine Arme um mich schlang und mich an sich zog.
Da war es um mich geschehen. Ich konnte es nicht glauben, aber innerhalb von wenigen Wochen, hatte dieser junge Mann es geschafft, dass ich in seiner Gegenwart schon zum zweiten Mal weinte. Und er konnte nie etwas dazu. Trotzdem tröstete er mich. Trotzdem schien es ihn zu berühren. Trotzdem schien es ihn zu interessieren. Ich schien ihn zu interessieren.
Mein Körper erzitterte unter meinem Schluchzen und die Finger des Blonden strichen beruhigend durch meine Haare, während er dicht an meinem Ohr immer wieder leise „schhhhh“ summte und mich hin und her wog – so wie er es auf dem Dach schon getan hatte. Aber ich beruhigte mich nicht. Es war, als würde mir ein Stein vom Herzen fallen. Ein ganzer Berg Steine. Endlich war da jemand, dem ich mich öffnen konnte. Jemand, der mich verstehen wollte.
Natürlich, da war Lynn, die die ganze Geschichte auch kannte, und natürlich konnte ich mich auch bei ihr lösen, aber das Gefühl war ein anderes.
Und natürlich hatte ich auch Richie und Jay anvertraut, was mit meinem Bruder los war – was mit mir los war. Aber das war etwas völlig anderes.
I never needed you to be strong,
I never needed you for pointing out my wrongs,
I never needed pain,
I never needed strain,
My love for you was strong enough you should have known,
I never needed you for judgements,
I never needed you to question what I spend,
I never asked for help,
I take care of myself,
I don't know why you think you've got a hold on me

And it's a little late for conversations,
There isn't anything for you to say,
And my eyes hurt, hands shiver,
So look at me, and listen to me..*
”, ertönte plötzlich seine Stimme sanft direkt neben meinem Ohr und brachte meinen Körper sofort wieder dazu zu erzittern. Ich kannte den Song sehr gut. Und eigentlich passte er überhaupt nicht zu der Beziehung zwischen Chris und mir. Aber die Strophe, die er sang passte wie aufs Wort auf mich. Ich wollte immer alles alleine schaffen, ohne Hilfe. Ich wollte die Starke sein, auf mich selbst aufpassen. Und ich scheiterte kläglich.
Seine Arme schlangen sich noch fester um mich, seine freie Hand strich mir mit leichtem Druck über den Rücken. Und da wurde mir bewusst, dass es schon viel zu spät war um wegzurennen. Er hatte mich von Anfang an in seinen Bann gezogen. Von Anfang an mein Vertrauen gewonnen. Und es brachte mir überhaupt nichts zu versuchen die sowieso schon eingefallene Mauer aufrecht zu erhalten.

* Pussycat Dolls – Hush Hush