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Olivia's p.o.v.


Wahrscheinlich könnt ihr euch denken, dass ich von der ganzen Aktion weniger begeistert war. Ich fand es weder gut, dass Jay uns ganz offensichtlich nach spioniert hatte, noch, dass er uns anscheinend schon relativ gut einschätzen konnte. Ich mochte es nicht, so durchschaubar zu sein, und es sah ganz danach aus, als wäre ich das für Jay.
Ich kaute nervös auf meiner Unterlippe herum, die Beine überschlagen, die Arme vor dem Bauch verkreuzt, und ich glaube, nicht nur meine Körperhaltung, sondern auch mein Gesichtsausdruck sprachen Bände.
Lynn saß neben mir, die Beine locker übereinander geschlagen und den Ellbogen auf ihrem Knie abgestützt, während sie den Kopf in die Hand legte. Im Gegensatz zu mir sah sie gerade ziemlich geschäftlich aus, so als würde sie mit Jay jetzt irgendetwas aushandeln.
Lena hatte ihre Finger mit Jays verkreuzt und musterte mich einen ganzen Augenblick lang auffällig, ehe ich die Augenbrauen hoch zog und schon den Mund aufmachte, um etwas zu sagen.
In dem Moment kreuzte Jays Blick meinen und ich seufzte theatralisch auf.
„Kommen wir zum Punkt, ich bin nicht hier, um mich mit dir zu unterhalten!“, sagte ich dann ehrlich und beugte mich ein Stück nach vorne.
„Wie geht’s euch so?“, fragte er als erstes und ich glaubte meinen Ohren nicht zu trauen.
„Ist das dein Ernst?“, fragte ich also und sah kurz zu Lynn, die die Augenbrauen zusammen zog.
„Natürlich ist das mein Ernst, sonst würde ich ja nicht fragen!“, antwortete Jay gelassen und ich war kurz davor die Augen zu verdrehen. Musste er um den heißen Brei herum reden, bevor er zum Punkt kommen konnte?
„Mir ging es bis gerade eben noch ganz gut! Ich war auf dem besten Weg mir die Kante zu geben und mit dem nächstbesten Typen rumzumachen!“, wieder seufzte ich. „Wenn du endlich zum Punkt kommen könntest, könnte ich das auch in die Tat umsetzen!“
„Als würdest du mit irgemdwem rummachen, den du nicht kennst!“, der junge Mann vor mir lachte und ich beugte mich noch ein Stück zu ihm vor.
„Hör mir mal zu, Schätzchen. Ich bin fast 20 Jahre alt und erwachsen genug um selbst zu entscheiden, was ich tue und was nicht. Mal ganz abgesehen davon, dass ich nicht glaube, dass du mich gut genug kennst, um zu beurteilen, was ich machen würde und was nicht. Und noch mehr davon abgesehen, dass es dich sowieso nichts angehen würde!“, auch, wenn ich ihm die Sätze nur so entgegen hauchte, merkte er wahrscheinlich, dass ich von Sekunde zu Sekunde gereizter wurde. Trotzdem lächelte er weiter.
„Ella-“, fing er an, und Lynn unterbrach ihn schnell, denn sie sah den Streit schon auf sich zu rollen.
„Mir geht’s ganz gut!“, warf sie also ein und lächelte leicht.
Ich musterte meine beste Freundin nur kurz, ehe ich mich wieder nach hinten sinken lies, die Arme weiterhin vorm Bauch verschränkt.
„Also... was wolltet ihr mit uns bereden?“, fragte Lynn dann erneut und Jay gab anscheinend auf und kam dahin, worauf er hinaus wollte.
„Ich weiß, dass Chris und Richie sich manchmal wie die letzten Idioten benehmen...“, fing er an und ich schnaubte auf. Ehrlich gesagt, fand ich überhaupt nicht, dass die beiden sich auch nur irgendwie daneben benommen hatten.
Jay ließ sich nicht dazwischen funken und erzählte weiter. „... aber vor allem ist mit den beiden nichts mehr anzufangen, seit sie euch kennen gelernt haben!“
„Das ist ja wohl nicht unsere Schuld!“, warf ich ein und sah kurz zu Clemens an die Bar, aber der war schwer beschäftigt.
„Ich wollte dich auch damit nicht persönlich angreifen, Olivia.“, verteidigte sich der dunkelhaarige Mann. Es wunderte mich, dass Lena die ganze Zeit über so still blieb. „Es ist nur sehr offensichtlich, dass den beiden... sagen wir – viel an euch liegt!“
„Die zwei sind eben sensible Blondies!“, warf nun die blonde junge Frau ein.
„Soll das ein Verkupplungsversuch werden?“, begriff ich nun langsam. Meine Arme sanken an meinen Seiten herunter und meine Finger krallten sich leicht in die weiße Ledercouch.
Als niemand antwortete, war mir die Antwort bekannt und ich war versucht aufzustehen, aber Lynn griff nach meiner Hand, um mich zu beruhigen.
„So einfach geht das nicht!“, sagte sie dann nur. „Es ist besser für uns alle, wenn wir uns nicht mehr sehen. Ella und ich haben andere Sorgen mit denen wir fertig werden müssen und Chris und Richie... du sagst ja selbst, mit ihnen ist nichts mehr anzufangen!“, Lynn zuckte mit den Schultern und ich tippte mit dem Fuß auf den Boden.
„Aber mit ihnen wäre etwas anzufangen, wenn ihr zwei euch zusammen reißen würdet.“, ich wollte etwas erwidern, aber Jay hob die Hand beschwichtigend. „Ich kann mir schon vorstellen, dass du nicht auf mich hören willst, Ella. Ich hab mich auf dem Dach wie ein Idiot benommen...“
„Tzz- wenigstens siehst du es ein!“, grummelte ich, und wieder ging Jay nicht darauf ein.
„... und das tut mir auch Leid!“, er wand sich kurz an Lynn und musterte ihre Stirn. „Wie geht es eigentlich deinem Kopf?“
Lynn sah Jay etwas verwirrt an, bis sie verstand.
„Achso- dem geht es wieder ganz gut... war nur eine kleine Platzwunde!“
Lena sah etwas verwirrt aus, aber ich war nicht in der Stimmung ihr zu erzählen, dass ihr feiner Freund die Schuld daran trug.
„Ich sehe das Problem nicht. Ihr mögt die beiden doch auch! Ich verstehe nicht, wieso du Chris nicht mal zum Geburtstag angerufen hast.“, kopfschüttelnd sah mich der junge Mann an und ich seufzte ergeben. Es hatte doch keinen Sinn sich gegen dieses Gespräch zu wehren, Jay würde schon einen Weg finden mich zu zwingen mit der Wahrheit rauszurücken.
„Ich hab überlegt, ob ich mich melden soll, aber ich finde einfach, dass es besser ist, wenn wir keinen Kontakt mehr haben. Für ihn und auch für mich.“, während ich sprach, sah ich auf meine Finger, die sich ineinander verschlangen und wieder lösten. „Es gab für ihn nur Probleme, seit wir uns auf dem Dach kennen gelernt haben. Ihr habt schon genug Stress mit der Band und auch privat, soweit ich das einschätzen kann, da will ich nicht noch ein Faktor sein, der euch allen das Leben zu Hölle macht, und ich glaube, so geht es auch Lynn. Und dann noch die Sache mit Ryan und überhaupt die Probleme, dir wir noch privat haben.“, ich seufzte leise. Es fiel mir nicht einfach, darüber zu sprechen. „Mein Bruder hat Leukämie und er wird es wahrscheinlich nicht überleben. Mein Vater ist schon alt- wenn er irgendwann meine Hochzeit mitbekommt, dann kann ich mich glücklich schätzen... Ich hab schon so viele Menschen verloren... und ich weiß ich bin nicht unbedingt einfach, aber es fällt mir eben nicht leicht Vertrauen zu fassen und ich weiß auch, dass ich andere Menschen sehr austeste, bevor ich ihnen auch nur ein wenig Vertrauen schenke – aber so war ich schon immer. Jede Enttäuschung lässt einen eben vorsichtiger werden.“, ich hielt kurz inne, als ich merkte, woraufhin ich hier hinauslief. Ich gab gerade auch vor mir selbst zu, dass ich in Chris vielleicht mehr sehen könnte, als einfach nur – Chris.
„Chris würde dir...“, fing Jay an aber ich schüttelte nur den Kopf.
„Das mag ja sein... aber wir garantiert mir das? Wer garantiert mir, dass ich nicht irgendwann wieder alleine da stehe? Verstehst du...“, ich schluckte und sah kurz zu Lynn, die mich mit einer Mischung aus Verständnis, Mitgefühl aber auch Überraschung ansah. Sie wusste das alles schon vorher. Sie kannte mich wahrscheinlich besser, als ich mich selbst. Aber sie hätte nie gedacht, dass ich irgendwann so offen darüber reden würde. „vielleicht... hab ich einfach nur Angst davor... meine Mauer schützt mich bis jetzt ziemlich gut, aber wenn ich sie fallen lasse... wer sagt mir, dass ich sie nicht genau in dem Moment am Meisten brauche?“, als ich merkte, dass die Emotionen auf mich übergriffen, winkte ich ab und schüttelte den Kopf. Das war schon zu viel. Und ich würde sicher nicht in der Öffentlichkeit weinen. Das wäre ja noch schöner. „Wie dem auch sei, ich denke einfach es ist besser, wenn wir den Kontakt einfach abbrechen. Was nicht ist kann nicht werden und was nicht wird geht nicht kaputt.“
Jay sah etwas verzweifelt aus, als Lynn zustimmend nickte und warf einen Blick zu Lena.
„Manchmal muss man etwas riskieren um glücklich zu sein und etwas verlieren um zu sehen, wie sehr man es braucht!“, sagte sie dann leise. „Wisst ihr, Jay und ich sind auch nicht unbedingt Menschen, die schnell Vertrauen fassen und wir sind auch keine hoffnungslosen Romantiker oder auch nur etwas in der Art und ich sag euch ganz ehrlich: Es ist mir am Anfang auch schwer gefallen mich fallen zu lassen... aber es geht, wenn man sich traut! Und ich hätte nichts Besseres machen können!“
„Das ist schön für dich, Lena!“, flüsterte ich, den Blick gesenkt, dann erhob ich mich und verließ ohne ein weiteres Wort die Sitzgruppe, um mich zur Bar durchzudrücken.
Ich hob das abgrenzende Tischchen hoch, um hinter die Bar zu kommen und ließ mich dann vor Clemens' Füßen auf den Boden sinken.
„Was ist denn mit dir los?“, fragte er und beugte sich zu mir runter, aber ich schüttelte nur kurz den Kopf und nahm dann den Tequila, den er mir vor die Nase hielt an, um ihn frustriert in mich hineinzukippen.
„Sitzt Lynn noch da?“, fragte ich ihn dann und er nickte.
„Scheint sich noch zu unterhalten! Magst du noch einen?“
Dieses Mal nickte ich und Clemens hielt mir gleich zwei unter die Nase.
„Die haben dir ganz schön zugesetzt, was?“, fragte er dann und schüttelte an einem Cocktail rum.
„Naja... ich glaube ich habe mir selbst zugesetzt!“, etwas abwesend starrte ich die Flaschen mir gegenüber an und warf dann einen Blick zu dem 24-Jährigen hoch. „Ist es richtig sich fallen zu lassen, auch wenn man Angst hat?“, fragte ich ihn dann und er zuckte mit den Schultern.
„Geht's um einen von den Blonden, mit denen ihr letztes Mal hier wart?“, fragte er dann.
„Ja...“, antwortete ich ehrlich.
„Glaubst du er ist es wert?“, der Dunkelhaarige steckte einen Strohhalm in sein Glas und reichte es dann irgendwem weiter, um das Geld zu kassieren.
„Er macht allen Anschein...“
„Dann lass los. Wenn du fällst, dann helfen wir dir eben wieder hoch! Und wenn du fliegst, dann wirst du mir dankbar dafür sein, dass ich dir das jetzt gesagt habe!“, er grinste etwas schief und nahm dann die nächste Bestellung an.

Etwas später konnte ich Lynn hören, wie sie Clemens nach mir fragte, und ich richtete mich auf. Sie sah mich etwas verwirrt an, als sie mich da hinter der Bar sah, winkte sie mir dann zu und deutete mir zu ihr zu kommen.
Als sie mir dann erzählte, was Jay ihr noch alles erzählt hatte, sank mir das Herz fast in die Hose und meine gute Laune war gänzlich dahin.
„Chris war anscheinend echt enttäuscht, dass du nicht angerufen hast zu seinem Geburtstag...“, seufzte sie, als wir uns bei Tina unsere Jacken abholten.
„Na super!“, seufzte ich leise auf und warf mir die dünne graue Jacke über.
„Vielleicht- ist das alles doch keine so gute Idee, Ella...“, Lynns Hand legte sich auf meinen Arm, als ich einen Blick auf die Uhr warf. Halb zwei. Er würde wahrscheinlich schon schlafen.
„Kann sein!“, antwortete ich ihr also resigniert und lief geradewegs aus dem Club an George vorbei, der mir anscheinend hinterher starrte, weil ich mich nicht verabschiedete. Aber ich wollte heim. Ich war angetrunken, hatte schlechte Laune und so wie es aussah auch noch Liebeskummer. Das Schlimmste an der ganzen Sache war aber, dass mir erst jetzt bewusst wurde, wie viel Chris mir eigentlich bedeutete. Wir kannten uns erst einen Monat- vielleicht etwas länger – und er hatte sich in mein Herz eingenistet wie ein Holzwurm in den Dielenboden.
Ich glaubte es selbst nicht, aber dieses Mal war nicht ich diejenige, die stark blieb, sondern Lynn. Während ich nämlich anfing mir die Tränen aus den Augen zu wischen, behielt sie einen klaren Kopf.