Gratis bloggen bei
myblog.de

Mini Twitter



follow Zwei_Sommer at http://twitter.com


Affiliates



become?


Icon Of The Month

Wettbewerb


Where you can reach us




To say

It's time for you
to see yourself



Madelyn's p.o.v.


Ben war mir seit der Geschichte mit Ryan auf Schritt und Tritt gefolgt. Ich war mir ziemlich sicher, dass er ihn auch einmal aufgesucht hatte, um ihn „freundlich darauf hinzuweisen, dass er ein Arschloch ist“.
Meine Nachtschicht brachte wieder den gewohnten Trott in mein Leben. Andere mochten genervt auf Arbeit, vor allem nachts, reagieren- für mich hingegen war sie zu einer willkommenen Abwechslung geworden.
Mein Leben war so konfus, dass ich glücklich darüber war, mal ein paar Stunden nicht daran denken zu müssen.
Ich hatte es irgendwie geschafft wieder ein bisschen zu dem zu werden, was ich vor dem Tag, an dem Ryan in mein Leben zurück geplatzt war, gewesen war. Zumindest mein Kopf funktionierte wieder einigermaßen normal. Was in meinem Herzen vor sich ging, wagte ich nicht zu verstehen.
Der Nachmittag mit Ella war wieder ein Anlass für mich gewesen, mir klar zu machen, dass das Leben nicht nur aus Verwirrtsein bestand, sondern auch noch so viel anderes zu bieten hatte.
Zuhause machte ich mich für die Nachtschicht fertig, gab Ben Bescheid und wir fuhren los.
Eigentlich hatte ich mich schon seit Tagen vor dieser Nacht gefürchtet.
Es war zu meiner obersten Priorität geworden, Arbeit von Privatem zu trennen. Das was mir bevorstand, würde meine Priorität, ob ich nun wollte oder nicht, aus der Bahn hauen.
Ich atmete tief durch und warf Ben noch einen Blick zu.
„Du brauchst keine Angst haben, verstehst du? Wenn du ihr irgend so eine doofe Frage stellen sollst, dann hörst du einfach weg und gehst nicht weiter darauf ein“, redete er auf mich ein und ich schürzte meine Lippen, ehe ich noch einmal gedankenverloren an ihm vorbei sah und entschlossen aus dem Auto stieg.
„Bis Morgen“, murmelte ich, schloss die Tür hinter mir und ging durch das Gebäude, hoch in mein Büro, um alles für den heutigen Abend vorzubereiten.
Ich ließ mich in den Drehstuhl fallen und zog mir einen Block und einen Stift her.
Ich schrieb den Namen „LENA GERCKE“ als Überschrift, auf das leere Papier und stellte meinen Kopf ein. Neben den Fragen, die ich mir selbst ausgedacht hatte, sah ich durch die Mails, die mir Fans und Zuhörer geschickt hatten, um ein paar von ihnen zu übernehmen. Die Nachrichten, in denen ich Lena nach ihrem Freund Jay und seiner Band fragen sollte, klickte ich gekonnt weg und füllte mein Blatt mit Fragen, die sie niemals mit ihm in Verbindung bringen würde.
Langsam tippte ich alles ab und las mir die ca. 20 Fragen, die ich sie über den Abend hinweg fragen wollte, noch einmal durch um auch 300 % sicher zu sein, dass nichts auf Jay- geschweige denn Richie hinweisen könnte.
„Alles klar“, murmelte ich, zog mir die Fragen auf meinen USB Stick und ging mit diesem zu den Studios. Dort bereitete ich mir meinen Arbeitsplatz vor und zog mir neben den Fragen auch die neuste Musik auf den Rechner.
Es klopfte zweimal an der Tür, ehe diese sich öffnete und ein Mädchen mit kurzen blonden Haaren und schlanker Statur den Raum mit einem Lächeln auf den Lippen betrat.
„Hey“, begrüßte ich sie und stand auf, um ihr die Hand zu geben.
„Du bist Madelyn?“, fragte sie, um sich zu versichern und ich nickte.
Ich zeigte ihr das Studio, wies sie darauf hin, wie sie in die großen Mikros sprechen sollte, erklärte ihr, dass sie die Hörer aufziehen sollte, wenn wir on Air waren, damit sie alles Live mithören konnte und ging noch einmal alle Fragen mit ihr durch.
„Am Ende der Sendung haben wir eine Hotline für die Zuschauer eingerichtet, die sie anrufen können, um ins Studio durchgestellt zu werden, um dir persönlich noch ein paar Fragen zu stellen, ist das okay?“
Dass ich mir von tiefstem Herzen wünschte, dass sie diese Frage verneinen würde, lies ich mir in keinster Weise anmerken.
„Nein, gar kein Problem“, antwortete sie und lächelte mich freundlich an. Ich setzte mein bestes Lächeln auf, warf einen Blick auf die Uhr und setzte mir meine Kopfhörer auf.
„Wir sind on Air in 5, 4, 3, 2, 1“ Die gewöhnliche Stimme von Radio Summertime setzte ein.
„Hallo- hier ist Madelyn von Radio Summertime. Heute darf ich einen ganz besonderen Gast in meiner Late Night Show willkommen heißen. Lena Gercke, die Gewinnerin der ersten Staffel von Germany’s Next Topmodel hat sich dazu bereiterklär, euren Fragen Rede und Antwort zu stehen. Lena- wie geht’s dir?“
Ich führte mein Gespräch mit ihr, setze hin und wieder eine Pause ein für die Werbung, oder um Musik zu spielen.
Sie war stets mehr als freundlich- trotz der unnormalen Uhrzeit. Unsere Konversationen beschränkten sich nur auf ihre Arbeit- wie geplant und als ich gegen 2:00 nachts auf die Uhr sah, war ich nicht mal ansatzweise so aufgeregt und durch den Wind, wie ich gedacht hätte.
„Wir haben 2 Anrufer in der Leitung, die Lena jetzt ihre Fragen stellen dürfen. Unser erster Anrufer ist“ ich warf einen Blick auf meinen Monitor „Kai aus Berlin“
„Hey Lena“, haspelte jemand aufgeregt in den Hörer und brachte sie zum Lächeln.
„Hi“, lachte sie und wartete geduldig darauf, dass sich dieser Kai fing und endlich aufhören würde sinnloses Zeug zusammen zu stottern und ihr seine Frage stellen würde.
„Wie schaffst du es neben deinem Beruf auch noch Zeit für einen Freund zu haben?“
Ich kniff die Augen zusammen und schürzte die Lippen.
Herzlichen Glückwunsch Madelyn Christine Parker, Sie haben soeben den Jackpott gewonnen.
„Oh, es ist wirklich nicht einfach. Ich bin viel unterwegs und Jay ist mindestens genauso viel auf Achse mit seiner Band. Zum Glück wohnen wir beide hier in Berlin und finden trotz der vielen Termine noch genug Zeit füreinander“
Es war jetzt an mir, diesen Kerl so schnell es nur ging wegzudrücken und den nächsten Anrufer in die Leitung zu holen- aber ehe ich mich von ihm verabschieden konnte, ging er weiter in seinem Text.
„Aha- du scheinst also glücklich zu sein. Wie ist dein Verhältnis zu seinen Bandmitgliedern?“, hakte er weiter nach.
WUHU, DER JACKPOTT WIRD IMMER GRÖßER! Ich griff mir mit meinen Zeigefingern an meine Schläfen und erinnerte mich an Bens Worte.
Er hatte mir aufgetragen einfach wegzuhören, sollte es irgendwie in diese Richtung gehen. Aber wie zum Teufel sollte ich weghören, wenn dieser nervige Kerl direkt an der anderen Leitung und Lena mir gegenüber saß?
„Ich habe nicht all zu viel mit ihnen zu tun. Im Moment sind sie sehr beschäftigt und ständig unterwegs, sodass ich dir da nichts Weiteres zu sagen kann“
Meine Gebete wurden erhört, dachte ich gedanklich und war diesmal schneller als dieser Kai und schmiss ihn aus der Leitung.
Wenn ich jetzt genauso ein Glück wie eben haben würde, dann wäre an dieser Leitung jetzt ein kleines Mädchen, das Lena über alles liebt und nur ihre Lieblingseissorte wissen wollte. Im Anbetracht an die Uhrzeit, die im Moment herrschte, ließ ich meine Hoffnungen lieber wieder ganz schnell fallen.
„Danke Kai. Der nächste Anrufer ist Tareq 26 aus Potsdam“
Augenblicklich musste Lena aus welchem Grund auch immer anfangen zu lachen. Ich sah sie verständnislos an, suchte in ihrer Mimik den Grund für ihre plötzliche Fröhlichkeit- fand ihn nicht- und beschloss einfach nach dem Gespräch ganz dezent nachzufragen.
„Hey“, sprach eine mir bekannte Stimme in den Hörer. Ich schloss meine Augen einen kurzen Moment, um die Stimme einem Gesicht zuzuordnen.
„Hey“, antwortete Lena.
„Also noch mal zurück zu der Sache mit US5“, sprach er. Augenblicklich fiel der Groschen. Meine Augen blitzten auf und ich verstand. Ich wusste, dass Ella mir vor nicht all zu langer Zeit mal einen Vortrag über die Lächerlichkeit der Namen von den Mitgliedern von US5 gehalten hatte.
„Drei Mal Chris, einmal Vincent van Gogh und einmal Tareq von der Taliban“- exakt das waren Ellas Worte. Tareq von der Taliban konnte nur Jay sein, wen sonst konnte sie so wenig ausstehen?
Alle Teile passten auf einmal ineinander. Ich ließ mich gegen die Lehne meines Stuhls nieder und betete inständig darum, dass Jay nicht wusste, dass es sich bei der Madelyn aus dem Radio um mich handelte und wenn doch, er mich einfach außen vor lassen würde und sich lediglich auf seine Freundin konzentrierte.
„Du bist also mit diesem Jay zusammen“, stellte Jay selbst fest. Wahrscheinlich machte er sich einen Witz aus der Sache… HaHaHa- unheimlich lustig. Ich verdrehte innerlich meine Augen und ließ dem Gespräch einfach seinen Lauf.
„Sehr glücklich sogar“, antwortete Lena und ein wunderschönes Lächeln zierte ihr engelsgleiches Gesicht.
„Und wie sieht’s aus mit den Bandmitgliedern? Also du meintest ja, dass du nicht so viel mit ihnen zu tun hast, aber weißt du, ob sie auch glücklich sind?“
Er stellte seine Stimme auf einmal etwas höher und verlieh ihr einen schwulen Unterton. Lena lachte laut auf- wahrscheinlich hatte auch sie die Sache mit dem Unterton verstanden und fing sich dann ganz schnell wieder. Jay kam sich wohl besonders lustig vor. Ich pustete mir eine Strähne meines dunklen Haars aus dem Gesicht und wartete auf ihre Antwort.
„Ich glaube es könnte besser um sie stehen. Aber um die Fans zu beruhigen- sie sind alle noch Single. Bis auf Jay, der gehört mir“
Sie war ernster geworden, funkelte mir während dem Anfang ihrer Antwort entgegen und überspielte alles dann mit einem Lachen zum Ende hin.
„Ich verstehe- du auch Lynn? Ähh Madelyn!“, korrigierte er sich und ich weitete meine Augen.
Also wusste er doch, wer ich war. KEIN Zuschauer hatte jemals von meinem privaten Spitznamen erfahren. Ich atmete schwer aus und fuhr dann mit der Maus über den Button, um Jay aus der Leitung zu werfen.
„Viele Grüße auch an Oli“, warf er noch leise hinterher und schon war er weg.
„Danke Tareq.“, zischte ich und fuhr fort: „Vielen Dank auch dir Lena, dass du die Nacht hier bei uns verbracht hast und uns Rede und Antwort gegeben hast.“
„Hab ich natürlich gerne gemacht“, lächelte sie.
„Mit den neusten House und R’n’B Hits versorgt euch ab jetzt DJ GreenSkin. Stay Tuned und noch eine schöne Nacht“, verabschiedete ich mich und stellte in das Studio neben mir durch.
Meine Kopfhörer zog ich mir vom Kopf, strich mein Haar wieder glatt und stand von dem weichen Drehstuhl auf.
„Vielen Dank nochmal“, lächelte ich und reichte ihr die Hand. Sie nahm sie, sah mir eine lange Sekunde lang in die Augen und antwortete: „Er hat das nur gemacht, weil er bald die Krise mit diesen zwei Trotzköpfen bekommt. Die beiden sind wirklich nicht zu gebrauchen, seit der Geschichte“, sagte sie und ließ von meiner Hand wieder los.
Das ganze war also gut durchgedacht und geplant. Langsam verstand ich.
„Du weißt davon?“
„Stand das nicht groß in der Zeitung?“, sie lachte. „Nein- ehrlich. Wir haben darüber gesprochen, weil er im Moment als Bandleader das Gefühl hat, die Sache gerät aus den Rudern und er denkt, dass das alles besser aussehen könnte, wenn du und deine Freundin mal mit ihnen reden würdet“
Ich biss mir auf meine Unterlippe, verschränkte meine Finger ineinander und dachte einen kurzen Moment darüber nach.
Ausgeschlossen.
Kein Kontakt zu keinem. Kein Kontakt zu Ryan und erst recht keiner zu Richie.
„Ja“, antwortete ich nur knapp. Sie mochte Recht haben. Aber die Sache würde nicht glimpflich für mich enden und ich wollte einfach nur alles so lange ausblenden, wie ich nur konnte.
„Ich denke man sieht sich mal“, sagte sie schlicht, schenkte mir noch ein letztes Lächeln und ging dann aus der Tür.
Ich legte meine Hände über meinen Kopf, schloss die Augen und atmete verkrampft ein und aus.
Problemen solange wie es nur ging aus dem Weg zu gehen war in meiner Situation das einzig Richtige, oder?