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Olivia's p.o.v.


Die restliche Nacht blieb der Horror für mich. Ich wollte eigentlich nach Hause, aber Chris lies mich um halb zwei nicht mehr aus seinem Hotelzimmer, mit der Begründung, er wolle nicht, dass ich um diese Uhrzeit alleine durch Berlin lief. Heimfahren wollte er mich aber auch nicht.
Mir blieb also widerwillig nichts anderes übrig, als bei ihm zu bleiben. Wenigstens konnte ich so am nächsten morgen Lynn mich nach Hause nehmen. Dachte ich zumindest.
Ich bekam in der Nacht kein Auge zu. Einerseits, weil ich noch viel zu aufgeregt war, wegen dem, was zuvor passierte, andererseits machte mir die Tatsache, dass ich nicht betrunken war und ich in Chris' Hotelzimmer neben ihm in seinem Bett lag, zu schaffen.
Ich war regelrecht froh, als es gegen halb sieben so laut an der Tür hämmerte, dass Chris neben mir aufschreckte und den Anschein machte, als bräuchte er einen Moment, um zu realisieren, wo er gerade war, dann sprang er auf und eilte zu Tür.
Als ich Jays und Richies Stimmen auf dem Flur vernahm, stand ich auch auf, um nachzusehen, wessen Welt jetzt schon wieder unterging.
Richies Auge machte von Nahem den Anschein, als würde es sich leicht bläulich anfärben, aber das sollte das kleinste Problem bleiben, als ich auf der Titelseite der BILD ein riesiges Bild von Chris und Richie vorfand und nebendran ein kleines Bild von einer völlig aufgelösten Lynn und mir.
Ich wusste überhaupt nicht was ich sagen sollte, als ich Chris die Zeitung aus der Hand riss und den Artikel überflog, während Jay weiter lauthals schimpfte und die beiden blonden jungen Männer versuchten sich zu verteidigen.
„Das ist... schlecht...“, stellte ich dann laut fest und lehnte mich an den Türrahmen.
Jay hielt inne in seinem Gemecker und musterte mich kurz.
„Kluge Feststellung, Sherlock!“, er seufzte, was für mich bedeutete, dass er einsah, dass Geschrei die Sache nicht besser machen würde.
„Wenn Mark und Mike das sehen, können wir uns die Schrauben noch selbst in unsere Särge drehen, und werden dankbar dafür sein!“, murmelte Richie und strich sich über die Schläfe.
„Wo ist Lynn?“, fragte ich, als mir auffiel, dass sie nicht hier war und als der Amerikaner mit den Schultern zuckte, zog ich beide Augenbrauen hoch.
„Ist heute Abend mal wieder abgehauen... das kann sie ja besonders gut!“, antwortete er dann und ich schüttelte leicht den Kopf, Er tat mir etwas leid, aber daran konnte ich auch nichts ändern.
„So ist sie eben!“, sagte ich und Chris schupste mich leicht an, aber ich sah nicht mal zu ihm auf, sondern starrte weiter den Artikel an.
„Ich schlage vor, wir treffen uns in einer viertel Stunde unten und – suchen nach der besten Lösung!“, zugegeben, Jay sah etwas fertig aus und nicht so, als würde er sich auf das Kommende freuen, aber schien die Verantwortung zu tragen, oder sich zumindest verantwortlich fühlen.

An dem Tag kamen wir zu keinem sinnvollen Ergebnis mehr. Die Situation war scheiße, um es noch nett auszudrücken, und Mark und Mike machten die nächsten Tage anscheinend gehörigen Stress, denn von den Jungs hörte man nicht mehr viel. Ab und an meldeten sie sich mal, Richie versuchte sich zwei Mal mit Lynn zu treffen, allerdings kam ihr beide Mal etwas „dazwischen“, was das ganze also zu Nichte machte, und ich hielt mich eher etwas von Chris zurück. Wir hatten uns geeinigt dieses Mal wirklich Abstand von ihnen zu halten, denn nach dem ersten Zeitungsartikel war die Sache noch lange nicht aus der Welt geschafft. Jeder schiefe Gesichtsausdruck der Jungs wurde als traurig interpretiert und weil man Lynn und mich nicht mehr bei ihnen sah, erzählte die Presse irgendwas von einer Trennung. Natürlich sehr logisch, weil wir ja vorher so schöne Paare wahren; kannst du dir vorstellen, wie ich gerade die Augen verdrehe?
Die Schule hatte wieder angefangen und ich war direkt im Schulstress zurück und merkte, dass ich unbedingt einen Nebenjob brauchte. Die Alarmglocken in meinem Portmonee klingelten praktisch auf zehn Kilometer Entfernung noch deutlich.
Zwei Wochen zogen also ins Haus und es änderte sich nichts und doch so viel.
Der Alltag kehrte wieder ein. Während ich in der Schule saß, kam Lynn nach Hause und ging ins Bett. Ihre Nachtschicht hatte wieder angefangen und wir hatten kaum Zeit uns zu sehen. Eigentlich gar keine, denn während die eine wach war, schlief die andere, oder wir arbeiteten beide – sie im Sender und ich zu Hause. Ehrlich gesagt, hatte ich mir mein Abitur einfacher vorgestellt.
Samstags trafen Lynn und ich uns wieder auf dem Hoteldach, allerdings muss ich zugeben, dass wir uns vorher überlegt haben das erste Mal nach Jahren das Treffen ausfallen zu lassen, um den Jungs nicht zu begegnen. Aber Richie hatte eine SMS an uns geschickt, dass sie für die nächsten zwei Wochen nicht in Berlin sein würden, also konnten wir uns doch dorthin trauen.
Etwas produktives kam dabei nicht raus, außer die Erkenntnis, dass Lynn immer noch total hin und her gerissen war zwischen alt und neu, und ich mich nicht dazu durchringen konnte zuzugeben, dass mir doch etwas an Chris lag.
Der hatte auch noch Geburtstag, aber ich rief nicht an. Ein schlechtes Gewissen hatte ich schon... aber... es war besser so.
Als Montags meine zweite Schulwoche begann, hatte ich mich schon wieder daran gewöhnt morgens früh aufzustehen und den halben Tag in der Schule zu verbringen, um den Rest des Tages alleine zu Hause zu sitzen und zu lernen. Ich fand sogar kaum Zeit Noah zu besuchen, der inzwischen wieder zu Hause war – bis zur nächsten Therapie.
Ich knallte meine Tasche entnervt auf die Treppe, nachdem ich das Haus betreten hatte, schmiss die Schlüssel auf die Ablage und lief dann in die Küche, um mich seufzend auf einen Stuhl sinken zu lassen. Es war halb sechs und ich kam erst aus der Schule. Damit war der Tag erledigt. Ich würde bald schon wieder ins Bett gehen um morgen ja ausgeschlafen zu sein, und die Schule kotzte mich schon wieder an, weil sie mir meine ganze Freizeit raubte, allerdings ging es Lynn nicht unbedingt besser, was mich böser Weise etwas tröstete. Ungefähr um diese Uhrzeit dürfte Lynn endlich aufstehen, also griff ich zum Telefon und wählte sofort ihre Nummer. Tatsächlich ging sie keine zwei Sekunden später ran. Sie klang noch etwas müde, aber nicht so, als hätte ich sie aus dem Bett geworfen.
„Wann musst du auf die Arbeit?“, fragte ich direkt und es war einen Moment still auf ihrer Seite der Leitung. Nur ein Stuhl rückte.
„Halb Zehn...“, antwortete sie, dann zischte es und sie schenkte sich anscheinend etwas zu Trinken ein.
„Shoppen?“, fragte ich also weiter. Am besten in kurzen Sätzen reden, wenn sie noch nicht lange wach war, damit ging man sicher, dass sie alles verstand.
„Mhm... in einer halben Stunde an der Haltestelle?“
„Okay... bis gleich!“, etwas erleichterter legte ich das Telefon weg, eilte hoch in mein Zimmer, um mir etwas Shoppingtauglicheres anzuziehen, dann verschwand ich langsam aus dem Haus.
Meine Laune hatte sich innerhalb von Sekunden gebessert und ich schleuderte fröhlich meine Tasche um mich herum, als ich zur Haltestelle lief und dort dann Lynn entdeckte, die schon wartete.
„Ich denke du hast kein Geld!“, stellte sie dann nüchtern fest und ich grinste nur schief.
„Hab ich dir nicht erzählt, dass ich im fab! Kellner?“, fragte ich dann und Lynn zog die Augenbrauen zusammen.
„Nein. Ich fühle mich vernachlässigt!“, sie setzte ein Schmollen auf und ich lachte.
Das fab! war unser Lieblings-Café. Sie waren relativ stylisch und trotzdem gemütlich eingerichtet, das Personal war nett, das Essen und die Getränke lecker und vor allem: sie bezahlten mich gut. Das Trinkgeld rettete praktisch seit ein paar Tagen meine Abende.
„Hab am Donnerstag angefangen... und gleich mal 40 Euro mit nach Hause gebracht... es lohnt sich also!“, erzählte ich munter, als der Bus anfuhr.
„Am Ende verdienst du mehr als ich und hast gar keine Zeit mehr!“, kopfschüttelnd saß Lynn neben mir, dann grinste sie leicht. „Dann kannst du mir zum Geburtstag ja dieses eine Kleid...“. Fing sie an.
„Vergiss es. Das Ding kostet 200 Euro. Mir fliegt das Geld doch auch nicht zu!“, redete ich ihr gleich dazwischen. Das konnte ja heiter werden.

Wir waren etwa bis Neun in der Stadt unterwegs und ich verschwand mit zwei Tüten nach Hause, während Lynn sich auf den Weg zur Arbeit machte. Für mich hieß es jetzt lernen und für sie Arbeiten, der Tag war also noch nicht rum. Leider eigentlich, denn ich war todmüde.
Ich wollte gerade die Haustür aufschließen, da legte sich eine Hand auf meine Schulter und ich zuckte zusammen.