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Madelyn's p.o.v.


Ich stand vor der Tür 246 und kniff die Augen zu, ehe ich an sie klopfte und noch ein kleines Stoßgebet gen Himmel schickte. Ich verschränkte die Finger ineinander und sah auf den Boden. Was jetzt kommen würde, konnte nichts Negatives für mich verheißen, redete ich mir wieder und wieder ein. Im Gegenteil, es würde Klar- und Gewissheit für mich und ihn bringen. Ich entspannte wieder etwas und atmete ebener.
Die Sekunden verstrichen wie Stunden und als ich nach einer gefühlten Ewigkeit wieder aufsah, hatte sich immer noch nichts getan. Die Tür blieb verschlossen und ich musste unwillkürlich an seine Worte aus dem Brief denken: „Wenn die Türe des Glückes sich schließt, öffnet sich eine neue, aber wir starren solange auf die verschlossene Pforte, dass wir das für uns geöffnete Tor nicht sehen.“
Sollte das heißen, ich war zu spät? Ich atmete tief ein und aus und fuhr nochmal mit meinen Fingern über das kalte Holz der verschlossenen Türe.
Nichts- noch nicht einmal ein einfaches: „Madelyn es tut mir Leid, aber ich habe meine Meinung geändert und möchte den Kontakt nicht zu dir“
Nein, er hatte wohl einfach erkannt, was er wollte. Der Brief war eine Schnappsidee und jetzt drückte er sich davor, mit mir zu reden.
„Aller klar“, seufzte ich leise und ging wieder zurück zu dem Treppenhaus. Mein Schritte waren bleischwer und meine eben noch so euphorisch, revolutionäre Stimmung schwang um in eine Leere, die mir selten stark wehtat.
Ich verstand die Welt nicht mehr. Jeder normale Mensch hätte mich nach meinem Verhalten am Telefon für bescheuert erklärt und sich nicht mehr bei mir gemeldet. Er hatte es wider aller Erwartungen doch getan und nun, wo ich hier war, um ihn zu bitten mit mir zu reden, wollte er nichts mehr von mir wissen.
Ehe ich die erste Treppe in Richtung Erdgeschoss ging, machte ich auf dem Absatz kehrt und beschloss bei der Gelegenheit rauf aufs Dach zu gehen. Ella würde es nicht möge, dass ich alleine raus ging, aber vielleicht würde mich das ein bisschen beruhigen und mir wieder Kraft geben, um über die Situation nachdenken zu können.
Ich ging die 2 Etagen hoch und bemerkte, dass die Tür zum Dach bereits einen Spalt weit geöffnet war. Vorsichtig sah ich durch den Spalt hindurch, um auf Nummer Sicher zu gehen, dass auch kein Personal da war, dem ich dann eine peinliche Ausrede liefern durfte.
Nichts- nichts als die vertrauten Geräusche.
Ich öffnete die Tür und schob mit meinem Fuß sorgfältig den Stein wieder zwischen Tür und Rahmen und wandte mich dem geliebten Ort wieder zu.

Mein Herz machte einen Satz und meine Augen weiteten sich. Instinkt oder Intuiton? Was auch immer mich dazu geritten hatte auf das Dach zu gehen- Danke.
Ich sah den blonden Jungen am Rand des Hoteldaches sitzen und atmete noch einmal so tief ich nur konnte durch und ging auf ihn zu. Das Blut in meinem Kopf pochte wieder wie wild gegen meine Schädeldecke. Kein Wunder, dass ich ihn nicht in seinem Zimmer angetroffen hatte, er war hier oben- weil auch er nachdenken musste.
Sein Rücken war mir zugewandt und ich stand nur noch wenige Meter von ihm entfernt, als ich bemerkte, dass er kleine schwarze Kopfhörer in seinen Ohren stecken hatte. Leise summte er ein Lied mit und verschränkte dann mit einem Seufzer seine Finger über seinem Kopf.
„Sei kein Idiot“, redete ich mir selbst noch einmal ein, ehe ich mich überwand und vorsichtig neben ihn setzte. Die Elektrizität war klar zu spüren.
Er bemerkte mich und nahm wortlos die Stecker aus seinen Ohren, ohne mich eines Blickes zu würdigen. Ich wollte seine Reaktion nicht fehlinterpretieren. Aber was in diesem Moment richtig und falsch war, konnte ich sowieso nicht bewerten.
„Von hier oben scheint die Welt immer so einfach“, hauchte ich und zog meine Beine an meinen Körper, um meine Arme um diese zu schlingen.
„Furchtbar einfach“, bestätigte er und seine Hände, die eben noch auf seinem Kopf ruhten ließ er jetzt an seinem Nacken nieder.
Schweigend saß ich so eine Weile neben ihm. Ich wollte den Moment nicht verderben und die beste Lösung dafür, war im Moment einfach nichts zu sagen.
Er hatte mich immer noch nicht angesehen und stur seinen Blick nach vorn gerichtet. Sein Ausdruck ließ mich erahnen, wie verzweifelt und verzwickt die Situation auch für ihn war.
„Siehst du die Mädchen da unten?“, fragte er und zeigte auf eine kleine Gruppe mit vielleicht einer Hand voll Mädchen.
„Ja“, beantwortete ich simpel seine Frage und sah wieder zu ihm.
„Die warten jetzt schon seit vier Stunden hier. Haben nicht bemerkt, wie ich gegangen und wieder gekommen bin, haben mich nicht hier oben gesehen- dabei bedarf es doch gar nicht so viel Aufmerksamkeit, um meine unmittelbare Anwesenheit mitzubekommen“, erklärte er und machte eine kurze Pause. Ich verstand den Zusammenhang seiner Worte nicht und sah ihn verwirrt an.
Und er hatte mich immer noch nicht angesehen. Im Gegenteil- er lächelte kurz eines seiner wunderbaren schiefen Lachen und fuhr fort: „Die einfachen Dinge des Lebens sind manchmal so offensichtlich, dass wir sie nicht sehen wollen.“
Kaum waren seine Worte verklungen, wendete er mir endlich sein Gesicht zu und lächelte leicht.
Ich durchforstete meinen Kopf nach den richtigen Worten, weil es mir in diesem Moment einfach nicht vergönnt war, einen Fehler zu machen.
„Ich hab über deinen Brief nachgedacht“, ich brach ab und suchte erneut nach den richtigen Worten, um alles zu beschreiben.
„Du musst verstehen, dass die ganze Sache einfach so unheimlich schnell geht. Ich hab selten zu jemandem so schnell Vertrauen gefasst wie zu dir. Aber dann ist da meine Vergangenheit, die immer noch so viel Einfluss auf meine Gegenwart hat. Und als ob das Ganze nicht schon kompliziert genug wäre, kommt noch dein Status dazu. All das hat mich einfach so sehr verwirrt, dass ich nicht in der Lage war mit dir zu reden“, ich verstummte und legte meinen Kopf auf meinen Knien ab.
„Ich wollte dir die Augen öffnen. Für mich ist es falsch dich so verletzt zu sehen. Du sollst glücklich sein, verstehst du? Und alles was dich vom Glücklichsein abhält ist er.“
„Christopher“, ich wählte bewusst seinen ersten Vornamen, um ihm die Dringlichkeit bewusst zu machen. „Du hast mir die Augen geöffnet. Und DU ganz alleine DU hast es geschafft, dass ich loslassen konnte, wenn auch nur sehr kurz. Ich weiß noch nicht, ob ich bereit bin endgültig loszulassen, aber wenn ich soweit bin, bist du der Erste, der das wissen soll“
Ich stockte und fügte leise hinzu: „Ich wünsche mir, dass du derjenige bist, der mich dann auffängt“
Er schenkte mir ein Lächeln und legte einen Arm um meine Schultern.
„Du brauchst keine Angst haben, dich fallen zu lassen. Weil du wissen sollst, dass ich dich auffange, egal was passiert“
Ich lehnte meinen Kopf gegen seine Schulter und schloss meine Augen. Es fühlte sich richtig an, hier neben ihm zu sitzen und der Stadt einfach ein bisschen beim Leben zuzusehen.
Vorsichtig streichelte er mit seinen Fingern durch mein Haar und lehnte seinen Kopf gegen meinen.
Ich schloss meine Augen und hoffte, dass dieser Moment kein Ende finden würde. Wir waren an einem Zwiespalt angelangt und ich war davon überzeugt, dass sobald ich von hier oben weg war- wieder allein, alles in seine gewohnte Unordnung verfiel. Solange wollte ich jede Sekunde genießen und einfach nur seine Nähe spüren.
Mein Empfinden glich dem eines Traumes, nur dass der Wind mich ab und an wieder daran erinnerte, dass ich nicht schlief.
Als ich meinen alten Spitznamen aus dem Mund, der Person hörte, die ich noch vor kurzer Zeit liebte wie keinen Zweiten, machte ich mir nicht viel daraus und schlussfolgerte, dass die Situation hier oben auch meine Psyche auf eine Probe stellte.
„Chrissie“, erneut hörte ich meinen Namen- nur viel Dringlicher. Der Junge neben mir fuhr um und blickte in Richtung Tür. Wahrscheinlich war irgendeiner seiner Bandkollegen hier oben, der eine ähnliche Stimme wie die von Ryan hatte. Chrissie leitete sich also in diesem Moment nicht von Christine sondern von Christopher ab.
Weil ich mir aber vorgenommen hatte, jeden Moment zu genießen, beschloss ich einfach darauf zu warten, dass sich dieser jemand aus dem Staub machte. Ich wollte mich nicht umdrehen, das verhieß, dass ich Richies warmen Atem nicht mehr an meinem Nacken spüren konnte.
„Madelyn“
Richies Stimme forderte meine Aufmerksamkeit und ich öffnete meine Augen. Er sah mich diesen wunderbar blau funkelnden Augen an und ich musste unwillkürlich lächeln. Doch er erwiderte mein Lächeln nicht. Er sah mich durchdringend an und seine Hand glitt aus meinem Haar. Er deutete mit seinem Gesicht zur Tür und nichtverstehend sah ich auch dort hin.
Weil meine Augen zuvor solange geschlossen waren, wollte ich ihnen beim besten Willen keinen Glauben schenken, denn die Person, die dort in der Tür stand, war in letzter Zeit mehr Traum als Realität für mich geworden.
Mein Atem stockte, als ich meine Augen nochmal weiter geöffnet hatte, um mich zu versichern, dass meine Wahrnehmung mir keinen Streich spielte.
So stand er da. Viel echter und realer, als ich ihn in Erinnerung hatte.
„Ryan?“, hauchte ich nur leise- mehr Frage als Feststellung.
Er kam auf uns zu und Richie stand schnell auf, um auch mir aufzuhelfen. Ich stütze mich stark an ihm ab.
Das konnte nicht wahr sein. Schier unmöglich. Nur wenige Meter blieb er vor mir stehen. Der Abstand war so gering, dass ich sein Parfüm riechen konnte. Es roch noch viel besser an ihm. Der Geruch betäubte mich und ich ging einen Schritt auf ihn zu.
„Das ist er also“, stellte er fest und warf Richie einen Blick zu. Ich wagte es nicht mich in diesem Moment umzudrehen, um ihn anzusehen.
„Was machst du hier? Wo ist Ashley?“ Ich hätte ihn in diesem Moment so viel anderes fragen sollen. Ich hätte ihn anschreien müssen, aber ich blieb ruhig.
„Ich wusste, dass ich dich hier oben sehen würde. Ella und dein Bruder haben ja alles Menschenmögliche getan, damit ich dich nicht sehen konnte. Aber hierher wärst du früher oder später gekommen.“
„Wo zum Teufel ist Ashley? Warum bist du nicht in Amerika?“
Meine eben noch so ruhige Stimme, wurde lauter und eine Welle von Wut bahnte sich in mir an.
„Ich glaub es ist besser, wenn wir jetzt gehen“
Richie nahm meine Hand und drängte mich in Richtung Tür. Ich riss mich los und stieß gegen Ryan.
„Was machst du hier??“, schrie ich ihn an und hielt an seiner Jacke fest. Meine Augen füllten sich unwillkürlich mit Tränen. Ich sah ihm fest in seine blauen Augen und gab mir alle Mühe nicht zusammenzubrechen.
Er legte seine Arme fest um meinen Körper, so wie er es immer getan hatte, um mich zu beruhigen und legte seinen Kopf gegen meinen.
„Ich bin nur wegen dir hier- verstehst du. Ich liebe dich“, erklärte er und als ich meinen Kopf leicht anhob, um auch in seine Augen zu gucken, konnte ich sehen, wie sie glasig wurden.
Ich wollte seine Umarmung erwidern, doch ich konnte nicht.
„Du hast alles kaputt gemacht. Du hast mich kaputt gemacht“, hauchte ich und wich aus seinen Armen.
Wenn man sich etwas über einen langen Zeitraum hinweg so sehr wünscht und es dann irgendwann in Erfüllung geht, obwohl man weiß, dass es so falsch ist, ist es nur richtig sich davon abzuwenden und den ganzen Schmerz nochmal zu ertragen, anstatt ein weiteres Mal so hintergangen zu werden.
Richie war schon längst wieder gegangen. Ich rannte ohne Ryan einen weiteren Blick zu schenken vom Dach, durch die Tür- an Richie vorbei. Einfach nur raus.
„Lynn“, schrie Richie und rannte mir hinterher. Ich verstand die Welt nicht mehr- nichts mehr.
Meine Beinen trugen mich nicht mehr weit, denn Richies Arme klammerten sich fest um meinen Körper und verhinderten somit, dass ich auf den Boden fiel und zusammenbrach.
Mein Körper fühlte sich wieder an wie ein Wrack. Genau wie an dem Tag, an dem Ryan mich verlassen hatte. Nur mit dem kleinen Unterschied, dass er an diesem Tag gekommen war.
„Shh- alles ist gut“, flüsterte er und umarmte meinen leblosen Körper noch fester.
„Ich muss hier weg“, flüsterte ich und riss mich mit aller Kraft, die ich noch hatte, aus seiner Umarmung.
Ich rannte wieder- einfach raus.
Schluchzen und Rennen war keine gute Mischung. Nachdem ich circa 3 Straßen entlang gerannt war, ließ ich mich gegen eine Hauswand fallen und sank an dieser nieder.
Ich weinte so laut, dass ich noch nicht einmal den Verkehr wahrnehmen konnte.
Eben hatte ich noch vorgehabt langsam von Ryan loszulassen und jetzt war er wieder da und zog mich wieder zu sich.
Ich lehnte meinen Kopf gegen die kalte Wand und schloss meine verquollenen Augen.
Die vergangen Tage wurden auf einmal so klar. Das Auto, das ich gesehen hatte, war wirklich Ryans Auto. Ellas und Bens Verhalten erklärte sich plötzlich so einfach. Doch entgegen der Gewissheit, die sich mir so klar darlegte, wusste ich noch viel weniger, als zuvor.
Mein Herz, das jemand so mühevoll zu reparieren versuchte, war im Bruchteil einer Sekunde wieder gebrochen und das Scherbenmeer, das ich so mühsam aufgekehrt hatte, lag nun wieder zerbrochen zu meinen Füßen.
Mit Mühe suchte ich mein Handy aus meiner Tasche und tippte die einzig richtige Nummer ein.
„Ja?“, Ellas Stimme klang ruhig und erfüllt.
„Ella, kannst du mich bitte holen kommen?“, flüsterte ich und kämpfte erneut mit den Tränen.
„Lynn? Was ist passiert?“
„Willhelm Schneider Straße- nicht weit vom Hyatt“, erklärte ich und griff mit meiner freien Hand gegen meinen Kopf.
„Was ist passiert?“
Die Dringlichkeit in ihrer Stimme wurde ernst und ihr Atem ungleichmäßig.
„Ryan ist da“, meine Antwort war überflüssig. Sie hatte es schon längst gewusst. Aber ich war ihr nicht böse. Sie hatte Recht- so wie immer und ich musste mir eingestehen, dass ich viel früher auf sie hätte hören müssen.
„Ich bin in ein paar Minuten da“, erklärte sie reserviert und legte auf.
Ich legte das Handy wieder zurück in meine Tasche und umarmte mit meinen Armen, meine angewinkelten Beine- nur um nicht wieder auseinander zu fallen.