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Madelyn's p.o.v.


Eine lange Woche verging schleppend. Mein Bruder benahm sich wie der letzte Idiot.
„Wohin gehst du? Wann bist du zurück?“ Diese zwei Fragen begleiteten mich die letzten 7 Tage. Nicht dass sein Verhalten der Stasi glich, aber seine plötzliche Vorsicht ging mir tierisch auf den Geist. Ich kannte Ben mein Leben lang und dieses Verhalten legte er für gewöhnlich nur an den Tag, wenn er mich vor irgendwas bewahren wollte. Ich zerbrach mir mindestens 2 Tage hintereinander lang den Kopf darüber, vor was er mich schützen wollte- ging jedes unserer letzten Gespräche einzeln und Wort für Wort durch, doch ich kam nicht dahinter. Als ich ihn darauf ansprach, sah er mich nur an wie ein Auto und erklärte mir in einem zweistündigen Gespräch wie sehr die Rate der Kriminalität in Großstädten wie Berlin gestiegen war und er sich ja nur um mein persönliches Wohl kümmern wolle. Ich versuchte ihm Glauben zu schenken und beließ es einfach dabei.
Viel seltsamer war jedoch, dass Ella sich meldete- nur zwei Tage nach unserer Diskussion und tat gerade so, als hätte diese niemals stattgefunden. Nicht, dass ich Stimmungsschwankungen von meiner besten Freundin nicht gewöhnt war. Es kam einfach nur alles so plötzlich. Des Weiteren versuchte sie so viel Zeit wie nur möglich mit mir zu verbringen.
Was nicht gerade schlecht war. Ich wollte mir es zwar nicht eingestehen, aber insgeheim freute ich mich über jede Minute die verstrich. Eine Minute weniger die mich davon trennte mit Richard zu reden. Meine Entscheidung war gut bedacht und in meinem Kopf hatte ich mir die Szene bestimmt 100 Mal vorgestellt. Ich wusste, dass es nicht richtig gewesen wäre ihn auf Ewig anzuschweigen und einfach Gras über eine Sache wachsen zu lassen, die mich so sehr beschäftigte. Das einzig Richtige war es, ihm zu sagen, was ich über die ganze Sache dachte. Ich wusste, dass ich mich so schnell nicht auf eine neue Beziehung einlassen konnte. Das lag im Grunde genommen auch noch am Entferntesten. Viel wichtiger war, dass mir bewusst wurde, dass seine Anwesenheit gut für mich war. Ich wollte ihn fragen, wie er zu dieser Sache stand und ihn bitten die Freundschaft mit mir aufrecht zu erhalten. Sicher war, dass da vielleicht dieser kleine Funken mehr als Freundschaft war. Dennoch wollte ich mit diesem Funken noch nicht das Feuer erlodern lassen. Ich hatte Angst, es würde zu schnell erlöschen.
Montag.
Es war 15:00 Uhr. Ella hatte sich für den Nachmittag angemeldet- sie wollte mit mir und Fabi- ihrer kleinen Nichte einen Ausflug in den Berliner Zoo machen. Ich kämmte mir gerade durch das nasse Haar, als mein Handy klingelte. Ein Lied pfeifend, suchte ich nach dem mobilen Telefon und wurde dann schließlich in meiner Tasche fündig. Ich sah auf den Display und augenblicklich verstummte ich.
„Richie- Dach“ prangte auf dem leuchtenden Bildschirm. Ich schluckte einmal und erinnerte mich selbst noch mal daran, wie ich mir die Szene ausgemalt hatte. „Ganz ruhig“, redete ich mir selbst ein, ehe ich dann das grüne Knöpfchen drückte und das kleine Handy an mein Ohr hielt.
„Ja?“, sprach ich verunsichert und ließ mich auf meinem Boden nieder.
„Lynn?“, fragte die vertraute Stimme, des blonden Teeniestars. In jeder anderen Situation, hätte ich jetzt mit „Wer denn sonst?“ geantwortet. Nicht so jetzt.
„Richie?“, fragte ich, um mich zu vergewissern.
„Wer denn sonst?“, lachte er und nahm mir somit meinen Part ab.
Ich räusperte mich und hoffte inständig, dass meine Gebete erhört wurden und ich jetzt alles so tough und cool über die Bühne bringen konnte, wie ich es mir in meinen Gedanken ausgemalt hatte.
Ich brachte kein Wort raus. Am liebsten hätte ich mir selbst den Mund aufgerissen und mir dabei auf den Hinterkopf gehauen, sodass wenigstens irgendwas herausgekommen wäre- doch nichts.
Er räusperte sich und fuhr unbeholfen fort:
„Wir sind wieder da. Hättest du vielleicht heute Zeit?“, fragte er mit seiner weichen Stimme, die mir meine ganzen guten Vorsätze vernebelte.
„Zeit? Heute?“, stotterte ich und schloss meine Augen, um mir selbst die folgende Peinlichkeit ersparen zu können. Es half wieder nichts.
„Ja!“, lachte er und wartete auf meine Antwort.
Sein lockeres Verhalten ließ mich darauf schließen, dass auch er sich seine Gedanken darüber gemacht hatte, was noch vor ungefähr einer Woche passiert war und auch er sich überlegt hatte, was er mir mitteilen wollte. Mit dem kleinen, aber feinen Unterschied, dass er das Vorgenommen viel besser umsetzte.
„N-Nein- keine Zeit. Tut mir leid. Ich muss jetzt auch los“, ratterte ich so schnell wie ich nur konnte herunter und nahm das Handy, das ich mir so fest an mein Ohr gedrückt hatte, weg, um auf das rote Knöpfchen zu drücken.
„Du gottverdammter Idiot!“, fluchte ich mir selbst zu und fasste mir mit der flachen Hand auf meine Stirn.
Dass ich in solchen Situationen oft ein Feigling war, wusste ich selbst, aber so schlimm? Ich schüttelte, über meine eigene Dummheit verärgert, den Kopf und zog mich an der Bettkante wieder auf. Ich schaltete vorsorglich mein Handy aus- nicht dass das einen Unterschied machte, die Nummer vom Festnetz hatte er schließlich auch- aber auf eine seltsame Weise beruhigte es mich. Ich ging zurück ins Badezimmer und föhnte mir meine Haare. Durch das laute Surren des Föhns hatte ich dann auch schlussendlich, sollte es soweit kommen, dass er hier anrufen würde, für mich selbst ein Alibi, dass ich nicht ans Telefon gehen musste.
Meine dunkelbraunen Locken glänzten nach einer gefühlten halben Stunde des Bürstens dann auch so sehr, wie selten. Ich legte die Bürste beiseite und beschloss noch etwas aufzuräumen.
Da Ben nicht da war, was in letzter Zeit wirklich selten vorkam, konnte ich mal wieder so richtig ausmisten. Ich stellte das Radio an und konzentrierte mich auf die Texte, um während des Aufräumens weder an Richie noch an Ryan zu denken.
Am Ende hatte es doch alles keinen Sinn.
Ich saugte durch alle Zimmer, rückte die Möbel um, schmiss Unwichtiges in den Müll und ließ mich nach getaner Arbeit zufrieden auf das Sofa im Wohnzimmer fallen.
Es waren mittlerweile eineinhalb Stunden vergangen, und wie erwartet klingelte es dann auch an der Haustür.
Ich öffnete Ella, die mit Fabi auf dem Arm in die Wohnung kam die Tür.
„Zieh dir deine Jacke und Schuhe an, wir haben’s eilig“, befahl Ella und setzte Fabi neben sich ab, um dann ihre Hand zu nehmen.
„Soti?“, fragte die Kleine und sah mich mit Engelsaugen an. Ich grinste und ging in die Küche, um ihr einen Kinderriegel zu holen. „Bitteschön“, grinste ich und bückte mich zu ihr.
„Dante“, strahlte sie und öffnete den Riegel, schmiss das Papier auf den Boden und steckte sich die Schokolade in den Mund. Ella und ich mussten zeitgleich auflachen. Ich schlupfte in meine Schuhe, klemmte mir ein Jäckchen unter die Arme, bevor ich mir meine Tasche schnappte und die Tür hinter mir schloss.
Ella ging mit Fabi, die sich zwischenzeitlich wieder auf den Arm gehievt hatte die Treppe voran hinunter und blieb dann an der Tür des Hauses stehen. Sie blickte einen Moment nach links, einen Nach rechts, sah nach vorne und lief ihren Blick noch mal eine Runde schweifen.
„Was sollte das denn?“, fragte ich misstrauisch, als wir zum Auto gingen und einstiegen. Sie setzte Fabi in ihren Kindersitz und schnallte sie an. Dann stieg auch sie ein, stellte sich den Spiegel noch einmal zurecht, ehe sie sich anschnallte und den Motor anließ.
„Hallo?“, fragte ich erneut.
„Nichts sollte das“, antwortete sie und wechselte schnell das Thema.
„Was macht Ben so?“, fragte sie und versuchte die ganze Sache so beiläufig wie möglich klingen zu lassen. Ich schürzte meine Lippen, legte meine Stirn in Falten und sah sie misstrauisch an.
Hatte es einen Sinn sie jetzt genauso zu nerven, wie meinen Bruder? Am Ende würde sie mir nur auch einen Vortrag über die Kriminalitätsrate in Berlin halten, aus dem ich nicht schlauer wurde.
Ich beschloss das Thema vorerst fallen zu lassen und es mir für einen späteren Moment aufzuheben.
Auf der Fahrt in den Zoo, erzählte ich Ella explizit von meinem Gespräch mit Richie.
„Und dann hab ich Idiot aufgelegt- dumm was?“, fragte ich, als sie endlich einen Parkplatz gefunden hatte und den Motor ausstellte.
„Hätte besser laufen können“, erklärte sie und grinste mich doof an.
„Sehr witzig“ Ich schüttelte den Kopf, schnallte mich ab, nahm Fabi auf den Arm und stieg mit ihr aus dem Auto. Ella schloss ab und ging vor. Wir kauften uns die Eintrittstickets und gingen in den aufgrund des schönen Tages, vollen Zoo.
Ich ließ Fabi wieder ab und sie lief tapsig, aber zielstrebig auf den großen Stall mit Hasen und Meerschweinchen zu. „Oli! Lynn! Hasi mit!“, strahlte sie und fasste mit ihren kleinen Händchen durch die Gitterstäbe, um die Tiere anzufassen.
„Ich hab Angst“, erklärte ich Ella, als wir auf ihre kleine Nichte zugingen.
„Wovor?“
„Dass ich alles durch meine Dummheit kaputtmache“
„Wie willst du denn etwas kaputtmachen, was es noch gar nicht gibt?“
Sie hatte recht. Ich ließ mir ihre Frage mehrmals durch den Kopf gehen und dachte noch eine Weile lang darüber nach.
Vielleicht war es wirklich besser. Etwas, das es nicht gab, konnte man auch nicht kaputt machen. Ich seufzte leise und kaum hörbar und folgte Ella lautlos.
Nichts- rein gar nichts schien mehr einen Sinn zu machen. Eine Woche Gedanken machen umsonst?
Ich schüttelte den Kopf und sog die frische Luft um mich herum tief in meine Lunge ein.
Jetzt einen voreiligen Entschluss zu fassen war falsch. Ich beschloss mir selbst noch Zeit zu geben. Solange hatte das alles wirklich keinen Sinn.