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Madelyn's p.o.v.


Nachdem ich mich gefühlte zwei Stunden bei Ben über Ellas Launen ausgekotzt hatte, beschloss ich meine nicht zu enden wollende Wut mit Sport los zu bekommen. Ich zog mir einen alten Pullover, eine Trainingshose und Laufschuhe an. Also gab ich Ben bescheid, dass ich für ca. eine Stunde weg sein würde, nahm mir Schlüssel und Handy mit und ging nach unten. Aus dem Hausflur schob ich Ellas Fahrrad, setzte mich auf dieses und fuhr zu ihr. Der Wind wehte nur sanft über meine Haut und mein Haar. Auf Berlins Straßen drängten sich die Leute in die Kneipen und Restaurants. Kaum freie Parkplätze, gefüllte Straßen. Die Stadt lebte. Ich sog die frische Luft in mich ein und versuchte verkrampft mitzuleben. Ich schaffte es nicht. Alles machte mich schlichtweg krank. Ryan und seine neue Liebe, mein schlechtes Verhältnis zu meinem Vater und meiner Schwester, die Tatsache, dass auch Ben dieses traurig machte, mein verkorkstes Verhältnis zu einem Jungen, den ich gerade mal eine Woche kannte und schlussendlich Ella mit ihren ewig schwankenden Launen. Es machte mich krank, dass all diese Faktoren einen solchen Einfluss auf mich und mein Gefühlsleben hatten- ich wollte mein Leben nicht von anderen abhängig machen.
Aber ich war bereits abhängig. Berlin mochte vor Leben strotzen, ich konnte es nicht.
Ich bog in die Straße ein, in der das Elternhaus von Ella stand, fuhr vor bis zu der Garage, stellte vor dieser das Fahrrad ab und blieb noch einen kleinen moment lang so da stehen. Sicher war, dass ich diejenige sein würde, die sich bei Ella entschuldigen musste- wie immer eigentlich. Es gab selten so sture Menschen wie sie. „Die Klügere gibt nach“, redete ich mir in diesen Fällen dann immer ein- nicht so heute. Ich schüttelte den Kopf, kehrte dem großen Haus den Rücken zu und fing an zu laufen. Ich spürte wie das Blut in meinen Adern wieder anfing zu pochen und atmete gleichmäßig mit.
Meine Kondition durfte nicht mehr die Beste sein, also lief ich erst langsam los. Mein Atem glich sich meinem Lauftempo an- das Blut in meinem Kopf pochte nach ein paar Metern schon sichtlich stark gegen meine Schädeldecke, denn als ich in die Fensterscheibe eines dunkelblauen Range Rovers blickte, war mein Kopf hochrot.
Dunkelblauer Range Rover. Mein Herz machte einen Satz und ich blieb stehen. Mein eben noch so gleicher Atem wurde rasend schnell und mein Herz drohte mir gleich aus der Brust zu springen. Ich lief vor die Motorhaube des Autos und sah auf das Nummernschild. „B-RC-126“ Ich wollte meinen eigenen Augen nicht trauen und fuhr mit meinen Fingern über die hervorstehenden schwarzen Lettern auf dem weißen Hintergrund. RC- Ryan Curtain; 126- 12.6. sein Geburtstag- sein Auto.
„Ach du scheiße“, murmelte ich leise und sah mich um. Keine Menschenseele zu sehen. Kein Wunder, in der ruhigen Wohngegend, in der das Haus von Ellas Eltern stand. Vorsichtig schlich ich mich an die Beifahrertür und stellte mich auf meine Zehenspitzen, um durch das Fenster zu sehen. Defekter Zigarettenanzünder. Ich fuhr auf der Stelle um und griff mir an mein Herz.
„Alles nur Zufall- Er hat sein Auto abgemeldet, als er mit Ashley nach Amerika gegangen ist“, redete ich mir selbst ein. Ich lief ein paar Schritte von dem Wagen weg und stolperte dabei beinahe über meine eigenen Füße. Mein Atem beruhigte sich nicht, im Gegenteil, er wurde immer unruhiger. Ich trieb meine Beine so schnell sie nur laufen konnten- weg- einfach nur weg. Es konnte nicht sein Auto sein. Ryan war jetzt irgendwo mit seiner neuen Freundin in Amerika und lebte sein Leben glücklich weiter. Er hatte mich vergessen und allein gelassen, um mit Ash seine Zukunft zu planen. Wieso also sollte er wieder hier sein? Es gab keinen Grund. Ich schüttelte den Kopf und atmete noch einmal tief durch, ehe ich zu meinem Endspurt ansetzte. Das Blut in mir kochte förmlich. Ich lief die Treppen rauf und klingelte völlig außer Atem an der Tür. Ben, der das Telefon zwischen Ohr und Schulter geklemmt hatte, öffnete gedankenverloren die Tür und lief zurück in sein Zimmer.
„Auf keinen Fall! Nein, das darf nicht passieren!!“, schrie er in das Telefon und knallte die Tür hinter sich zu. Ich verdrehte die Augen und ging ins Bad. Dort zog ich mir zuerst die verschwitzten Klamotten aus, schmiss sie zur Dreckwäsche und stellte mich anschließend unter die Dusche. Mit dem Dampf des heißen Wassers schienen meine Gedanken sich auch langsam wieder zu ordnen. Es war unmöglich, dass das sein Auto war. Er konnte auf keinen Fall wieder hier sein. Sein Auto hatte er in jedem Fall abgemeldet- warum sollte er es auch nicht getan haben? Ella hatte mir versichert, dass sie ihm beim TÜV dabei getroffen hatte. Und meine Güte- wie viele dunkelblaue Range Rover mit defektem Zigarettenanzünder fuhren schon in Berlin herum? 1000? 2000? Genug, um mich zu verwirren! Ich stellte das heiße Wasser ab, wickelte meinen nassen Körper in ein großes Handtuch ein und stellte mich vor den beschlagenen Spiegel. Mit meinem Zeigefinger malte ich zwei Strichmännchen an einen menschenleeren Strand und das Wort „Past“ auf den Spiegel. Ryan war im Grunde genommen nichts anderes als ein Teil meiner Vergangenheit. Ein teils schöner, teils trauriger Part. Ich strich das Wort und das Bild durch und malte darüber das Wort „Future“ und ein Strichmännchen, neben dem ein Fragezeichen prangte.
„Essen!“, schrie Ben aus der Küche und ich seufzte leise auf. Mit meinem Handtuch wischte ich über den Spiegel, der mir all das zeigt, was ich war- verwirrt.
„Komme“, rief ich zurück und bedeckte mein Haar mit einem weiteren Handtuch, ehe ich in mein Zimmer lief und mir etwas anzog. Ben hatte den Tisch gedeckt. Ich setzte mich ihm gegenüber und starrte auf den leeren Teller.
„Es ist was komisches passiert“, setzte Ben an und sah mich dringlich an.
„Mir auch“, stimmte ich ihm zu und stütze den Kopf in meine Hände.
„Du zuerst“ Ich sah ihm erste eine Weile dabei zu, wie er sich sein Brot schmierte und setzte dann an, ihm von dem zu erzählen, was mir passiert war.
„Ich hab einen blauen Range Rover gesehen- weißt du so einen wie Ryan hatte. Das Nummernschild war auch dasselbe wie seins und jetzt kommt das Verrückteste: Der gottverdammte Zigarettenanzünder an dem Auto war auch kaputt. Genau wie bei dem von Ryan“ Ben verschluckte sich beinahe an seiner Brot und hustete laut auf. „Aber ich kann dich beruhigen. Das kann nicht Ryans sein. Ella hat mir gesagt, dass sie gesehen hat wie er es abgemeldet hatte- dummer Zufall also“, lachte ich und setzte einen Teebeutel in die Tasse vor mir.
„Sicher“, sprach er immer noch hustend und trank einen Schluck Wasser aus seinem Glas.
„Jetzt du“, sagte ich und goss das kochend heiße Wasser in die Tasse.
„Oh ehm“, stotterte und räusperte sich eine Zeit lang. „Verschluckt“, erklärte er. Ich nickte und sah ihn immer noch fragend an.
„Also? Jetzt du!“, meinte ich und nippte vorsichtig an dem Tee.
„Genau“, setzte er an und fuhr fort: „Alex hat angerufen und nach dir gefragt- hat irgendwas von Praktikumssuche und Radio und so gelabert“, erklärte er und nickte daraufhin. Ich sah ihn leicht verwirrt an und zog eine Augenbraue in die Höhe. Wenn meine ungeliebte Schwester jetzt ernsthaft von mir verlangt, dass ich ihr dabei verhelfen würde einen Praktikumsplatz bei mir zu verschaffen, hatte sie sich aber sehr geschnitten. Ich war misstrauisch und hakte lieber noch einmal nach:
„Unsere Schwester Alexandra?“
„Ja, klar!“, erwiderte er und nahm noch einen Bissen von seinem Brot.
„Oh mein Gott! Das ist ehrlich komisch! Soll ich sie zurückrufen?“
„Oh ehm- nein. Hat sich schon erledigt“, erklärte er schnell und fuchtelte mit seinen Händen in der Luft rum. Ich schüttelte mit dem Kopf und trank einen weiteren Schlucken.
„Komisch- dass die wirklich meint…“
„Ja ehrlich komisch!“, unterbrach Benjamin mich und wechselte schnell das Thema. „Hast du dir jetzt eigentlich mal überlegt, mit dem Führerschein anzufangen?“
„Wieso Führerschein, wenn ich mein persönliches Taxi hab? Nein, Spaß- sicher hab ich darüber nachgedacht. Aber meine Ersparnisse würden gerade mal so reichen. Ich mag also lieber noch etwas sparen“, erklärte ich nickend. Außerdem machte mir der Gedanke dem Verkehr genauso ausgesetzt zu sein wie Ella Angst. Ich schüttelte mich und dachte lieber nicht mehr daran.
„Aber auf deiner Arbeit ist noch alles in Ordnung, oder?“, fragte er weiter.
Meine Güte- was war denn heute los? Frage- Antworttag?
Ich nickte nur und versuchte den Spieß umzudrehen und ihn ein bisschen auszufragen. „Mit wem hast du da eigentlich vorhin telefoniert? Klang nicht so gut“
„Nur ein Arbeitskollege“, erklärte er und blickte kurz auf seinen leeren Teller, ehe er diesen dann in die Spülmaschine hinter sich legte und sich wieder zu mir drehte. „Und genau das ist jetzt auch mein Stichwort. Ich muss los zur Arbeit!“, meinte er nur kurz und blickte dann auf den Tisch und wieder zu mir.
„Ja, schon gut, ich räum ab“, sagte ich und trank den letzen Schluck aus meiner Tasse. Ich warf einen Blick auf die Küchenuhr und wieder einen zu meinem Bruder.
„Du hast aber noch eine halbe Stunde Zeit“, rief ich ihm hinterher.
„Wir haben Probleme. Ich muss da jetzt direkt hin“, erklärte er und verschwand aus der Tür. Urplötzlich also. Ich schüttelte den Kopf und sah auf den Tisch vor mir.
„Mach’s gut Maddie. Schönen Abend noch- bis morgen dann“, murmelte ich und räumte alles zusammen, um es dann in den Kühlschrank zurückzustellen, oder es in den Müll zu räumen. Mein großer Bruder war manchmal eine Spezies für sich. Ich beschloss diesen Tag definitiv in die Liste meiner „Crazy Days“ aufzunehmen.
Nach einem erneuten Blick auf die Uhr, beschloss ich den Rest des Tages vor dem Fernseher ausklingen zu lassen. Ich legte mich mit meiner Bettdecke auf die Couch und schaltete das Fernsehgerät an.
Viva. „Round and round“, ertönte es aus dem Fernseher und fünf Jungs tanzten unbeholfen auf einem computeranimierten Hochhaus.
„Lass mir doch die Ruh“, seufzte ich und schaltete den Fernseher direkt wieder aus. „Dann eben mal etwas früher ins Bett“, beschloss ich, zog samt Bettdecke wieder um in mein Zimmer und legte mich dort in mein Bett. Es dauerte nicht lange, bis ich all die Gedanken des heutigen Tages ausgeblendet hatte und beruhigt meine Augen schloss, um ruhig einzuschlafen.
Endlich.