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Olivia's p.o.v.


Der penetrante Geruch von Pfannkuchen und Ryan hing den restlichen Abend in der Luft und verschwand auch irgendwie nicht mehr aus meiner Nase. Auch das Fensteraufreisen und Duftspray-versprühen brachte rein gar nichts. Teilweise hatte ich sogar das Gefühl, es würde alles nur noch schlimmer machen.
„Sag mal, Ben, benutzt du zufälliger Weise das selbe Parfüm wie Ryan?“, fragte ich und rümpfte die Nase, als ich an ihm schnupperte.
„Eigentlich nicht...“, der große junge Mann zog verwundert die Augenbrauen zusammen und musterte mich. Dann legte er eine Hand an meine Stirn. „Bekommst du Fieber oder so? Dieses Duft-Gemisch bekommt dir anscheinend nicht gut...“
„Es bekommt mir allerdings nicht sehr gut!“, kopfschüttelnd entfernte ich mich etwas von ihm und er ließ die Hand wieder sinken.
„Du bist schon ganz schön eigenartig, Ella, das ist dir schon bewusst, oder?“
Lynn kicherte leise und kam mit einem Glas Wasser ins Wohnzimmer zu Ben und mir.
„Fällt dir das erst jetzt auf?“, fragte sie ihn und setzte sich neben ihn.
„Eigentlich nicht...“
Ich verschränkte die Arme vor der Brust.
„Hallohooo, ich bin auch noch da!“, wie eine Verrückte wedelte ich mit den Armen in der Luft herum, um auf mich aufmerksam zu machen, doch die beiden beachteten mich gar nicht. „Lästert über mich, wenn ich es nicht mitbekomme!“
„Ella ist eben Ella. Sie ist ihre eigene Spezies!“, redete Lynn weiter und nahm dann einen Schluck.
„Das glaube ich auch langsam...“
„HALLOOOO!“, schlussendlich drehten sich die beiden lachend doch zu mir um.
„Das hast du doch jetzt nicht etwa zum ersten Mal gehört, oder?“, fragte Ben und versuchte ernst zu klingen, aber ich verzog nur mein Gesicht genervt.
„Nein, das ist ja genau mein Problem!“, es ging mir auf den Keks. Ständig kam irgendwer zu mir um mir mitzuteilen, dass ich anders war. Komisch. Eigenartig. Nicht einfach. Schwierig. Jeder drückte es anders aus aber alle kamen sie auf den gleichen Nenner. So anders als alle anderen war ich doch überhaupt nicht. Ich mochte einfach bestimmte Dinge nicht. Ich hatte Prinzipien, die ich nicht einfach über Bord warf. Und ich fasste nicht schnell Vertrauen. Aber das machte ich doch nicht gleich zu einem schlechteren Menschen. Deswegen, nur weil ich nicht so unbedacht mit meinem Leben umging, wie es andere in meinem Alter taten, war ich doch nicht weniger wert.
„Dann ändere doch einfach mal was daran!“, schlug Ben weiter vor und ich spürte regelrecht, wie ich nach und nach wütend wurde.
„Ich gehe jetzt besser!“, sagte ich nur, stand auf und lief zu Lynns Zimmer. Ich spürte seine Blicke im Rücken und konnte mir denken, dass Lynn ihn nicht gerade freundlich ansah, bevor sie mir hinterher lief.
„Das hat er nicht böse gemeint!“, sagte sie sofort und schloss die Tür ihres Zimmers hinter sich, als ich schon dabei war mein Handy in meine Tasche zu werfen und die Autoschlüssel heraus zu kramen.
„Schön für ihn!“, wieder rümpfte ich die Nase, als mir Ryans Duft schon wieder in die Nase stieg. Ich mochte den Geruch nicht einfach nur nicht, weil Ryan Lynn weh getan hatte- ich mochte das Parfüm generell einfach nicht. Ich fand, es roch nach Tannenbaum und vergammelten Eiern. Aber gut, wenn Lynn auf sowas stand...
„Oh Ella, bitte, jetzt tu nicht so, als wärst du beleidigt, er hat dir lediglich gesagt, was er denkt, und so unrecht hat er damit ja nun auch nicht!“, das dunkelhaarige Mädchen stemmte eine Hand in die Hüfte und musterte meinen Rücken, bis ich mich umdrehte und an ihr vorbei stampfte.
„Als wärst du besser. Heulst monatelang diesem blöden Idioten nach, traust dich dann genauso wenig wie ich dich in etwas Neues zu stürzen, und wenn du es dann gewagt hast räucherst du hier gleich alles wieder nach Ryan ein. Stirb doch dran, ist mir jetzt auch egal!“, damit knallte ich die Tür hinter mir zu.
Mir war bewusst, dass die Worte etwas hart gewählt waren und eigentlich konnte sie ja auch nichts für meine schlechte Laune, aber sie hätte auch erst mal ihren Kopf einschalten können, anstatt drauf loszureden. War ja klar, dass ich so reagieren würde, sie kannte mich doch!
Ich schloss gerade das Auto auf, als ich Lynn wütend schreien hörte. Anscheinend brüllte sie Ben an. Dachte ich zumindest, bis ich „blöde Kuh“ hörte und dachte gleich vor Wut zu platzen.
Mein Fahrstil an diesem Abend war genauso aggressiv wie meine Stimmung. Ohne Schulterblick über drei Spuren gezogen und gerade noch so vor der roten Ampel gebremst. Dabei wäre mir der Typ hinten dran fast ins Heck gefahren, was mich noch mehr aufregte. Ich wollte schreien und fluchen, stattdessen machte ich einfach nur die Musik super laut an. Ich fuhr eine ganze Weile sinnlos in der Gegend rum. Dann parkte ich irgendwo an der Seite und seufzte laut. Jetzt hatte ich mich mit meiner besten Freundin gestritten, weil ich frustriert war, dabei konnte sie nichts dazu. Und wie ich mich kannte war ich zu stolz um mich zu entschuldigen, also würde dieser Streit auch noch bis morgen anhalten. Zu Hause war mal wieder keiner, weil meine Eltern am Nachmittag auf Geschäftsreise gefahren waren und zu anderen Freunden wollte ich nicht.
Kurz glitten meine Gedanken zu Chris- aber der war ja nicht mehr in Berlin. Blieb nur noch Noah.
Die Besuchszeiten waren schon lange um – kein Wunder, es war fast Mitternacht. Aber mitternächtliche Aktionen waren ja schon alle von mir gewohnt.
Ich fuhr also zum Krankenhaus, parkte dort in der „Nähe“ im Wohngebiet und lief erstmal eine halbe Stunde, bis ich das Gebäude wieder erreicht hatte. Verdammte Parkgebühren aber auch. Reine Abzocke.
In der Notaufnahme war, soweit ich das durch die Glastür sehen konnte, die Hölle los. Aber das war gut für mich, da würde sich niemand wundern, was ein Mädchen um die Uhrzeit noch hier machte.
Weil ich Fahrstühle hasste, lief ich die Treppe hoch bis in den sechsten Stock. Dort kam ich total fertig und keuchend an und setzte mich erst einmal eine Sekunde in die Besucherecke. Mein Blick glitt durch die Stationstür ans Schwesternzimmer. Die Nachtschicht saß dort und las eine Zeitschrift. Warum konnte die Frau nicht einfach weggehen, bis ich in Bens Zimmer verschwunden war? Ich konnte doch nicht einfach so durch die Tür spazieren, als wäre nichts. Sie würde mich sofort wieder raus schmeißen. Also saß ich geschlagene 15 Minuten in der Ecke und hoffte, dass sie endlich verschwinden würde, da blinkte die rote Lampe auf und sie machte sich langsam auf den Weg in eines der Zimmer. Nachdem ich mir sicher war, dass sie auch wirklich nicht gleich zurück kommen würde, zog ich die schwere Tür auf und lief geradewegs auf Noahs Zimmer zu.
Genau in dem Moment ging die Tür, durch die die Schwester gerade verschwunden war, wieder auf und sie trat zurück auf den Flur.
In Windeseile hatte ich mich auf den Boden geworfen und kauerte um die Ecke unter dem Fenster des Schwesternzimmers. Ich hörte nur, wie sie darin irgend etwas suchte. Das war mein Zeichen das Weite zu suchen.
Ich versuchte leise auf dem Boden zu krabbeln und hoffte inständig, dass sie mich nicht erwischte.
Als ich vor Noahs Zimmer ankam, streckte ich den Arm aus, um die Klinke runter zu drücken, krabbelte durch den kleinen Spalt und schloss erleichtert seufzend die Tür hinter mir.
Sofort ging in dem Zimmer das Licht an und Noah setzte sich in seinem Bett auf.
Einen Moment war es still, dann schüttelte er den Kopf.
„Das ist doch jetzt nicht dein Ernst, oder?“, fragte er und starrte mich an.
„Die Nachtschwester hat mich rein gelassen!“, versuchte ich mich zu verteidigen, aber Noah schüttelte nur erneut den Kopf.
„Sicher, deswegen krabbelst du auch auf dem Boden rum. Mitten in der Nacht!“, er schlug die Decke zurück um auf mich zuzukommen, aber da war ich schon aufgestanden und klopfte mir den Dreck von der Jeans.
„Na gut, ich hab mich an ihr vorbei geschlichen.“, gab ich dann zu.
„Das hat sicher auch einen Grund, oder?!“, manchmal hasste ich Noah dafür, dass er mich so gut kannte. Aber er war mein Bruder, was erwartete ich? Ich war ihm eben nicht völlig fremd.
„Willst du die Schnellfassung?“, fragte ich also und der junge Mann nickte mir entgegen.
„Ich hab Streit mit Lynn, bin sauer auf Ben, weil er etwas erkannt hat, dessen ich mir nicht bewusst sein will, baue eine Bindung zu einer mir völlig fremden Person auf, Mama und Papa sind mal wieder nicht zu Hause, ich hab mich gestern total besoffen und...“
„.. okay- das reicht mir!“, er hob beschwichtigend die Hände in die Luft und ich lehnte mich müde an die Wand.
„... und bei Lynn hat es nach Ryan und Pfannkuchen gestunken!“, ich fügte es schnell hinzu, sodass Noah auflachen musste.
„Das war wahrscheinlich das schlimmste. Vorallem in der Mischung, was?“
Ich nickte leicht, mein Bruder streckte mir seine Hand entgegen und ich setzte mich neben ihn auf das Bett.
„Und Jonas hat sich wieder gemeldet!“
„Ich denke, ihr hattet seit über einem Jahr keinen Kontakt mehr...“, fragte der blonde etwas verwirrt.
„Ja schon- ach, keine Ahnung, ich weiß auch nicht, was ihn plötzlich geritten hat. Angeblich wollte er nur mal wieder was mit mir machen!“, ich machte mit den Fingern Anführungszeichen und verdrehte dabei die Augen.
„Ich ziehe daraus also meinen Entschluss, dass gerade nicht alles so läuft, wie es laufen sollte...“
„Du bist soooo klug, Noah, das ist uuuuuunglaublich!“, sein Arm legte sich um meine Schulter und er zog mich an sich heran.
„Ach komm, deswegen geht doch die Welt nicht unter. Du siehst ja offensichtlich deinen Fehler ein, also fang doch einfach damit an dich bei Lynn zu entschuldigen...“, er machte eine kurze Denkpause, dann lachte er wieder. „Tut mir Leid, ich hab vergessen, dass du dich nie entschuldigst!“
„Das stimmt doch überhaupt nicht!“, warf ich beleidigt ein. „Ich kann mich sehr wohl entschuldigen, es gibt nur überhaupt keinen Grund. Sie hätte Ben ja nicht zustimmen müssen. Ich bin nicht eigenartig. Ich bin nicht eigenartig, ich bin nicht eigenartig, ich bin nicht eigenartig!“
„Ich würde ja jetzt gerne sagen, dass du es doch bist...“, seine Augenbrauen zogen sich hoch, „aber anscheinend hast du ein tiefgehendes Problem damit!“
„Warum weißt du immer alles?!“
„Das ist ziemlich offensichtlich. Außerdem ist das doch der Grund, warum du hier bist, oder? Weil es nicht für alle offensichtlich ist!“
Eigentlich hasste ich solche Gespräche mit meinem Bruder, denn es war immer wieder schmerzhaft etwas über sich selbst zu erfahren. Zumindest für mich.
Ich verfiel neben Noah in einen traumlosen, trotz dessen unruhigen Schlaf. Und am nächsten Morgen wunderte sich die Schwester, wie ich in sein Bett kam.