Gratis bloggen bei
myblog.de

Mini Twitter



follow Zwei_Sommer at http://twitter.com


Affiliates



become?


Icon Of The Month

Wettbewerb


Where you can reach us




To say

It's time for you
to see yourself



Madelyn's p.o.v.


Der Geruch von Ben's selbst gemachten Pfannkuchen und frisch gepresstem Orangensaft weckte mich langsam und sanft auf. Mein Bruder, der immer noch nur noch in Boxershorts gekleidet durch die Wohnung lief, pfiff leise die Melodie des Liedes, das aus dem Radio kam mit. Ich streckte mich, öffnete langsam meine Augen und sah ihm vom Wohnzimmer aus in der Küche zu.
„Perfekt“, lobte er sich selbst, legte den letzten Pfannkuchen zu den anderen auf den Teller und kam mit diesem wieder zu mir. „Du bist so dünn geworden“, murmelte er, setzte eine Extraportion Puderzucker auf die Pfannkuchen und stellte den Teller neben mir ab. Ich grinste nur leicht, nahm mir den obersten und biss beherzt in ihn.
„Womit hab ich das verdient?“, sprach ich mit vollem Mund und blinzelte leicht.
„Weil du einfach meine kleine Schwester bist und ich dich so lieb habe. Manchmal muss ich dich eben ein bisschen verwöhnen“, erklärte er und ging zurück in die Küche, um die Fenster aufzureißen. „Nur für den Fall, dass Ella heute noch mal vorbeikommt“, erklärte er und kam wieder zurück. Ella hasste alles was mit Pfannkuchen zu tun hatte- den Geschmack und den Geruch- ich glaube in ihrer Kindheit hatte sie mal ein Pfannkuchentrauma, oder so.
„Mit anderen Worten ist das dein kleiner Bestechungsversuch, damit ich dir erzähle, was passiert ist?“
„Bedingt“, antwortete Ben und nahm sich auch einen. Diesmal würde es wahrscheinlich nicht reichen, ihm zu erzählen, dass ich Mist gebaut hatte. So fing ich ehrlich an ihm von vorne bis hinten die ganze Geschichte zu erzählen. Angefangen auf unserem Dach, bis zu der gestrigen Nacht. Dass es sich bei Richie und Chris um zwei Teeniestars handelte, verschwieg ich ihm- damit hätte er nur einen Grund mich mit etwas aufzuziehen.
„Und jetzt?“, fragte er und schluckte den letzten Bissen herunter. Ich zuckte nur mit den Schultern und ließ mich zurück auf den Rücken fallen. Ich verschränkte die Finger vor den Augen und atmete schwer aus.
„Ich hab gehofft, du würdest mir das vielleicht verraten“, murmelte ich und blinzelte durch meine Finger. Ben griff nach meinen Händen, zog mich an ihnen wieder hoch und nahm mich in den Arm.
„Vielleicht weißt du ja jetzt, warum ich so allergisch auf Herrenbesuch reagiere- da draußen ist keiner gut genug für dich“, erklärte er und ließ wieder von mir ab.
„Keiner?“, fragte ich und verzog die Mundwinkel.
„Keiner! Außer einer, aber den kannst du leider nicht heiraten!“, sagte er und fügte schnell hinzu: „Aber das brauchst du auch gar nicht. Ich bin ja sowieso immer bei dir“
Ich lächelte und drückte ihm einen Kuss auf die Wange.
„Wer braucht schon einen Ryan oder einen Richie, wenn er einen Ben hat?“, fragte er und zuckte mit den Schultern. Ben war der Beste wenn es darum ging, mich zum Lachen zu bringen. Aber diesmal schaffte er es nicht ganz. Die ganze Sache war zu komplex und einfach viel zu verzwickt. Er wusste wie sehr ich an Ryan hing. Und nun hatte ich ihm auch zu verstehen gegeben, wie eigenartig mein Verhältnis zu Richie war. Sicher machte es ihn stutzig so etwas von mir zu hören. Aber bis sich Ella gemeldet hatte, musste ich mir einfach Luft machen und mich jemandem anvertrauen. Besser jetzt, als später. Ben würde sowieso irgendwann einmal etwas bemerken.
Es klingelte an der Haustür.
„Ich geh schon“, kam ich meinem Bruder zuvor und sprang von der Couch auf. Ich öffnete die Tür und blickte Ella, die mit einer großen Tasche vor mir stand, verdattert in die Augen. „Dein Zeug- und oh-“, sie verzog die Nase, drückte mir die Tasche in die Hände und trat einen Schritt zur Seite.
„Dabei hab ich doch extra die Fenster aufgerissen“, lachte Ben und begrüßte Ella mit einer Umarmung.
„Meine überaus empfindliche Nase riecht alles“, erklärte sie und trat ein. „Ich hoffe ihr wart mit diesem Mistzeug nicht in deinem Zimmer“, sprach das blonde Mädchen und lief geradewegs in mein Chaos.
„Weiberangelegenheiten?“, formte Ben mit den Lippen und ich bejahte seine Frage mit einem kurzen Nicken.
Ich schloss die Tür hinter mir und ließ mich zu ihr aufs Bett fallen. Dann atmete sie schwer aus, verzog noch einmal die Nase und schüttelte sich.
„Hier riechts nach Ryan- pfui“ Mist, ihre Nase war wirklich gut. Ich zuckte mit den Schultern und ging nicht weiter darauf ein.
„Also Krisensitzung, ja?“, fragte ich und sie nickte. „Ich hab den totalen Mist gebaut“, fing ich an. Doch sie winkte direkt ab.
„Ich bin Gott- ich weiß alles“, erklärte sie und lächelte leicht siegessicher.
„Woher?“, fragte ich misstrauisch und beäugte sie von oben bis unten.
Unmöglich- es sei denn- „Er hat es mir erzählt“
„Scheiße“, murmelte ich und zog die Knie an meinen Oberkörper und schlang die Arme darum. Also wusste er noch Bescheid. Nichts mit „Er hat es sowieso vergessen und der Abend wird bis in alle Ewigkeit aus meinem Gehirn verbannt“
„Du bist selbst dran Schuld“, meinte sie nur.
„Danke!! Super Hilfe“, quittierte ich ihre Aussage und stützte meine Stirn auf den Knien ab.
„Halb so wild“, winkte sie ab und gestikulierte etwas in der Luft. Ellas Sätze waren in solchen Situation immer so unheimlich wertlos. Sie sprach nur zu gerne in Rätseln und kurzen abgehackten Sätzen, aus denen ich nur bedingt schlau wurde. Ich sah sie fragend an und schloss wieder die Augen.
„Was hat er gesagt?“, fragte ich ruhig und atmete die heiße Luft gegen meine Beine aus.
„Erstmal bin ich dran!“, fing sie an und fuhr fort: „Wie ist das überhaupt passiert?“
Diese Frage verlangte eine etwas ausführlichere Antwort. „Wo soll ich anfangen?“, fragte ich und legte mich neben sie und starrte nun genau wie sie an die Wand.
„Am Anfang?“, antwortete Ella und atmete mindestens genauso schwer aus wie ich.
„Ich war betrunken, er war betrunken. Diese blöde CD ist gelaufen und der Typ da hat irgend so ein Lied gesungen mit 'nem komischen Text. Irgendwas von „Let go“ hat der gelabert. Und Richie- Chris, er hat mitgesungen. Und ich hab losgelassen“, ich seufzte kurz, suchte nach den passenden Worten und fuhr fort: „Ich hab losgelassen. Von Ryan. Und allem was mich an ihn erinnert hat. Für einen kleinen Moment hatte ich das Gefühl diese Dunkelheit um mich herum, hätte er durchbrochen. Einfach nur mit einem Blick. Und dann hab ich mich fallen lassen. Und er hat mich aufgefangen. Wir haben uns geküsst und ich bin in seinen Armen eingeschlafen. Einfach so.“
Keine Antwort. Einfach nur stillschweigen. „Was hat er gesagt?“, wiederholte ich und neigte meinen Kopf zu Ella, die die Augen geschlossen hatte und über irgendetwas nachzudenken schien.
„Er fand es schön“, antwortete sie. „Er mag dich- sehr sogar. Und er wird dir jetzt Zeit geben darüber nachzudenken“
„Ich brauche keine Zeit. Die Sache ist sicher“, erklärte ich und schüttelte den Kopf. „Das war eine Aktion, die aus 'ner Menge Alkohol und Unsicherheit entstanden ist- nicht mehr und nicht weniger“
„Und wenn du jetzt einfach mal nicht so stur wärst und die Zeit nutzen würdest, dann hätte diese kleine Geschichte auch noch ein nettes Ende“, vollendete sie ihre Anekdote und öffnete die Augen schlagartig. „Die Jungs- Chris und“, sie stockte „Chris und Chris und ihre Bandmitglieder sind jetzt erstmal für eine Woche weg“ Sie nickte und blickte zu mir. „Findest du die ganze Sache nicht auch total... verrückt?“ Besser hätte man das wahrscheinlich auch nicht beschreiben können. Ich nickte und ließ in Gedanken noch mal alles Revue passieren. Mein kleines Andenken, in Form von einer verkrusteten Wunde, prangte immer noch mehr oder weniger auffällig auf meiner Stirn. Ich griff vorsichtig mit meiner Hand daran und ließ doch wieder ab. Manchmal waren die offensichtlichen Wunden nichts im Gegensatz zu denen, die niemand, außer dem Verletzten sah. Ich glaube, ich wollte mir nicht eingestehen, dass das, was letzte Nacht passiert war, in einer gewissen Weise zu meinem Heilungsprozess beigetragen hatte. So klein der Moment auch nur war, indem es jemand geschafft hatte, dass ich wieder richtig leben konnte, der Moment war im Endeffekt doch groß genug, um mir zu zeigen, dass es Gründe gab loszulassen. Gründe, um das Risiko einzugehen, zu fallen. Dass es wirklich die Wahrscheinlichkeit gab aufgefangen zu werden. Selbst wenn diese nur in Form eines Teeniestars auftrat, der für ein Leben auf der Bühne lebte.
Ich versuchte das Bild des blonden Amerikaners mit den leuchtend blauen Augen aus meinem Kopf zu bekommen, um die ewig nervigen Pro- und Kontraargumente fürs Loslassen abzuwägen. Es fiel mir schwer. Es war im Moment nicht machbar. Ich ließ es zu, dass sein mit der Zeit immer kleiner werdendes Licht, mir noch ein wenig Leben schenkte und schloss einfach nur meine Augen.
Die Welt mochte sich drehen- so schnell sie nur wollte. Aber diesen Moment würde mir keiner mehr nehmen können. Ella schwieg neben mir. Auch sie schien nachzudenken. Ich griff vorsichtig nach ihrer Hand, um sie nicht zu erschrecken und drückte sie ein wenig. Sie drückte zurück und atmete tief ein und aus.
„Alles wird sein Ende finden. Das richtige Ende, verstehst du? Wir müssen nur stark sein und das durch stehen. Zusammen“, durchbrach sie die Stille nach einer gefühlten halben Stunde. Ich nickte, ohne dass sie mich sah und wusste trotzdem, dass sie es mitbekommen hatte.