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Madelyn's p.o.v.


„Kopfweh- nicht so laut“, murmelte der blonde Junge neben mir und zog die Decke, die er sowieso schon ganz für sich beansprucht hatte, über seinen Kopf.
„Vergiss es“, lachte Ella weiter und zog ihm die Decke vom Kopf, um sich selbst damit zu wärmen.
„Dann musst du mich eben warm halten“, murmelte er, nahm meinen Arm und legte ihn quer über seine Brust.
„Kitzeln“, formte Chris, der mittlerweile auch irgendwie wach geworden war mit seinen Lippen. Natürlich entging es mir nicht, dass er dabei ganz unauffällig seine Hand auf Ellas Hüften niedergelassen hatte, aber ich wollte nicht weiter darauf eingehen- sollte der arme Kerl den Moment doch noch ein bisschen genießen. Ella schloss ihre Augen und ein kleines Lächeln zierte ihre Lippen. Auch Chris schloss wieder seine Augen.
Richie, der mit zerzaustem Haar so süß aussah, wie selten zuvor, hatte ein kleines Lächeln auf den Lippen. Bei diesem Anblick und den Erinnerungen an seine blauen Augen, die so hell schienen, in der dunklen Nacht, schwebten plötzlich Bilder in meinem Kopf, die ich nicht mehr zuordnen konnte. Ich sah ihn suchend an, durchforstete jeden Quadratmillimeter seines Gesichts nach dem, was mich zu des Rätsels Lösung führen sollte und blieb dann schließlich an seinen Lippen hängen. Noch bevor ich über das, was sich in meinem Kopf anbahnte nachdenken konnte, zog ich meinen Arm von seinem Körper und drehte mich wieder zu Ella und Chris um. Die beiden waren seelenruhig wieder eingeschlafen.
„Scheiße- nicht jetzt“, murmelte ich und blickte die beiden noch einen kleinen Moment an, ehe ich dann auf dem direkten Wege aus dem Bett krabbelte und aus Ellas Zimmer in Richtung Bad stürmte. Auf dem Weg dorthin stolperte ich über die Berentzen Flasche, wobei es mir direkt kalt den Rücken runter lief- Mistzeug- und über Ellas High Heels.
Die Türe hinter mir schloss ich schnell ab und ließ mich erstmal am Rand der Badewanne ab.
Um Himmels Willen- alles nur nicht das. Filmrisse- wie ich sie hasste! Und wenn man sich dann langsam wieder an das Geschehene erinnerte war es zu spät und man konnte es nicht mehr ändern. Ich wusste, dass das wirklich passiert war, die Szene spielte sich in meinem Kopf bei den Gedanken an Richies Lippen und den funkelnden Augen immer und immer wieder ab.

Ella und Chris hatten sich mittlerweile auch zu uns gelegt. Mein sonst so tiefer Schlaf hielt nicht all zu lange an, weshalb ich mich ein paar mal hin und her wälzte- insofern mir der Platz gegeben war. Dass Ella schlief war sicher- wäre dies nicht der Fall gewesen, hätte sie sich schon längst darüber beschwert, dass ihr und Chris kaum Decke vergönnt war.
„Immer wenn Chris schläft, zuckt sein großer Onkel“ Ich erschrak. Das sanfte Lächeln des Jungens neben mir, läutete wie Glocken in meinen Ohren. Langsam drehte ich mich zu ihm um und sah ihm in seinen leuchtend blauen Augen, die ein Stück meiner Dunkelheit erhellten. Ohne ein weiteres Wort zu sprechen, zog er mich näher an sich ran und legte einen Arm unter meinen Hals und einen an meine Hüften. Das Funkeln wollte meine Dunkelheit durchbrechen. Doch ich ließ es nicht zu. Die Musik summte immer noch leise und Ellas Atmen passte sich ihrem Takt an. Leise, aber dringlich sprach Richie den Text des Liedes mit

You been holding on so long
Tryin' to make believe that nothing's wrong
Not letting it show
There ain't nothin' you can do
To make me turn away from you
I need you to know
That you can let go

Don't be afraid when you're falling apart
Don't hesitate I'll be right where you are
Open your eyes there's a crack in the dark *


Und ich verstand. Ich mochte betrunken sein und somit nicht ganz bei mir selbst. Und auf der anderen Seite war ich noch nie so sehr Ich, wie in diesem Moment.
„You need to let go“, flüsterte er leise, bevor er seine Augen schloss und ich seinen Atem immer wärmer auf meiner Haut spürte. Auch ich schloss meine Augen und näherte mich ihm langsam. Ich ließ sein Licht meine Dunkelheit durchbrechen.
Seine Nasenspitze berührte die meine und ich musste lächeln.
„I need to let go“, wiederholte ich langsam. Vergessen der Ärger um Ryan, vergessen die nun deutlich sich darstellende Eifersucht, als ich ihn mit seiner Bekannten gesehen hatte. Nichts, als das Leuchten seiner blauen Augen.
Seine Lippen berührten vorsichtig meine. Ich erwiderte seine Berührung und glitt mit meiner Hand, über seinen Brustkorb zu seinem Haar, in das ich mich fest griff. Er zog mich noch ein Stückchen näher an sich ran und fing langsam an, an meinen Lippen zu knabbern. Ich musste lächeln, wegen seiner sanften Berührungen, die einen kalten Schauer auslösten, der nun langsam über meinen Rücken lief.
Ich hatte losgelassen. Ich konnte loslassen. Ich hatte mich ihm hingegeben, all den Schmerz ausgeblendet um wieder zu leben.
Wir küssten uns. Eine ganze Weile. Ich konnte das Blut in meinen Adern wieder fließen spüren. Als hätte es geschlafen und er hatte es nur mit einem simplen und doch so wirkungsvollen Kuss wieder zum Fließen gebracht. Er war zärtlich- unglaublich zärtlich und einfühlsam.
„Du hast losgelassen“, flüsterte er sanft.
„Ja“, antwortete ich und lehnte meine Stirn gegen seine.
„Und jetzt schlaf meine Kleine“, sprach er leise gegen meine Wangen und drückte mir noch einen Kuss auf diese. Ich schloss meine Augen und schlief ein- tief und fest.


„Scheiße, scheiße, scheiße!“, murmelte ich erneut und zupfte gedankenverloren an dem Shirt, das Ella mir gegeben hatte herum. Wie konnte ich mich nur auf so etwas eingelassen haben? Und wieso hatte er mich überhaupt dazu gebracht? Gut, wie waren betrunken- beide. Aber das war noch lange kein Grund dafür gewesen Ryan einfach zu vergessen.
„Scheiße, Ryan“, zischte ich erneut und hielt mir die Hände vor die Augen. Ich war nicht mehr an ihn gebunden. Und trotzdem fühlte ich mich schuldig. „Wie lächerlich“, lachte ich ironisch auf und schüttelte den Kopf. Schließlich war er derjenige gewesen, der mich hintergangen hatte. Ich war frei.
Und irgendwie widersprach sich alles.
„SCHEIßE“, fluchte ich, stand auf und sah in den Spiegel. „Grässlich- guck dich doch nur mal an“, sprach ich sauer auf mich selbst in den Spiegel und drehte den Wasserhahn auf. Mit kaltem Wasser wusch ich mir mein Gesicht, um wieder einen halbwegs klaren Kopf zu bekommen.
Und sogleich kam mir eine weitere Frage auf. Hatte er genau so einen Filmriss wie ich gehabt. Würde ihm die Sache überhaupt noch einfallen. Oder hatte er einfach schlichtweg aus seiner Betrunkenheit gehandelt und die ganze Sache eigentlich gar nicht mitbekommen.
Und was war, wenn er sich doch noch daran erinnern würde??
Mir wurde schlecht. Ich verspürte nur noch eines- weg hier. Weg von ihm und dieser peinlichen Situation. Mit einem von Ellas Haarbändern, drehte ich mir einen Dutt ins lockige Haar, dachte nochmal über meinen überaus genialen Fluchtplan nach und schloss schnell die Tür wieder auf. Ich stürmte also an Ellas Schrank, fischte mir die Erstbeste Hose und das Erstbeste T-Shirt daraus und rannte ohne auf Ellas Murmeln zu reagieren wieder zurück ins Bad.
Das mein Verhalten kindlicher nicht hätte sein können, war mir in diesem Moment so ziemlich egal. Alles was ich wollte, war raus hier. Ab nach Hause, in mein vertrautes Bett, ein paar Stunden Schlaf nach holen und den Tag beziehungsweise viel mehr die Nacht auf ewige Zeiten aus meinem Gehirn verbannen.
Als ich mich dann fertig umgezogen hatte, ging ich schnell die Treppen hinunter, schlupfte in ein paar Schuhe von Ellas Mutter, die dieselbe Größe hatte wie ich, ging aus der Einfahrt in Richtung Garage, nahm mir Ellas Fahrrad und fuhr los. Es war frisch- sehr frisch. Aber das sollte im Moment wirklich mein geringstes Problem sein.
„Eine verdammte Woche“, sprach ich zynisch in die kühle Morgenluft. Es war nicht mehr als eine Woche, dass ich diesen Typen „kannte“.
Und in dieser Woche hatte ich ihn nach der Geschichte auf dem Dach auch nur zwei weitere Male mehr oder weniger in positiver Stimmung getroffen plus dem gestrigen Abend.
„Du dummes Ding- du doofe Gans“
Wie konnte ich nur so doof, naiv und betrunken sein?
Nach ca. 20 Minuten kam ich dann auch zu hause an. Gott sei Dank war Ben daheim. Ohne Handy, Schlüssel und Geld von Ella abzuhauen war nicht gerade das Klügste was ich machen konnte. Aber weitere Optionen bestanden einfach in diesem Moment nicht.
Ich betrat die Wohnung, vorbei an meinem verschlafenen Bruder, der mit zugekniffenen Augen und nur in Boxershorts vor mir stand und verschwand ohne ein weiteres Wort zu sprechen in meinem Zimmer. Ich schloss die Tür hinter mir zu, nur damit er sie dann wieder öffnen konnte, um nachzukommen, legte mich in mein Bett und zog mir die Decke über den Kopf, nur damit er sie mir wieder vom Körper reißen konnte und sich neben mich legte. Natürlich hatte ich meine Rechnung da ohne ihn gemacht.
„Also? Sollen wir jetzt dieses Frage Antwort Spiel machen, oder erzählst du einfach von dir aus“, fragte er, gähnte und sah mich mit schweren müden Augen an. „Benjamin!! Ich bin alt genug um abends auszugehen. Und wie du siehst lebe ich noch!“
Erst jetzt schien im aufgefallen zu sein, dass ich nicht meine Kleidung anhatte und auch meine Wertsachen nicht bei mir waren.
„Wurdest du beraubt?“, seine kleinen zugekniffenen Augen waren nun total groß und sahen mich misstrauisch an.
„Natürlich nicht! Ich hab bei Ella geschlafen- mein Zeug liegt noch bei ihr. Ist jetzt gerade so'n bisschen schwer zu erklären warum. Bitte frage jetzt nicht danach, ich bin mir selbst noch nicht so ganz sicher!“
Schlau. Ausgesprochen intelligent, Madelyn Christine Parker.
„Alles klar. Weiberangelegenheiten“, murmelte er, stand wieder auf und verließ ohne ein weiteres Wort wieder mein Zimmer.
Ich nahm mein Telefon aus der Station und fing an eine SMS einzutippen- Gott, warum gibt’s eigentlich auf Festnetztelefonen mit SMS Funktion kein T9?
„Nachher- Krisensitzung. Wichtig. Meld dich, wenn die Kerle weg sind“
Diese kleine Nachricht sollte reichen, um Ellas Neugier zu wecken. Insofern diese größer war, als das Bedürfnis in Chris' Armen zu schlafen.
„Scheißeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeee“, schrie ich erneut in mein Kissen. Wie konnte ich nur so stupide und hohl sein? So verdammt dumm.
Ich zog mir Ellas Sachen aus, legte sie auf den Stapel zu waschender Klamotten und schmiss mich wieder in mein Bett.
Alles war einfach so- so kompliziert.
Da war Ryan. Den ich immer noch nicht aus meinem Kopf bekommen hatte. Mein wunderbarer einzigartiger Ryan, der jetzt wahrscheinlich mit Ashley an unserem Strand lag, seine Arme um sie geschlungen und ihr sagte, wie toll er sie doch fand. Auf der anderen Seite dieser Kerl, über den ich so gesehen nichts und wieder nichts wusste. Und der es trotzdem geschafft hatte mich nach einer Woche dazu zu bekommen ihn zu küssen. So banal die ganze Sache auch war- ich verstand sie nicht. Ich verstand mich nicht.
Ich seufzte, stand auf, ging ins Wohnzimmer, in dem Ben auf der Couch saß und Fern sah, um wach zu werden und legte meinen Kopf in seinen Schoß.
„Versprich mir, dass du immer bei mir bist und mich nicht alleine lässt“
„Versprochen“, flüsterte er, stellte den Fernseher aus und streichelte mir über das dunkle Haar.
Wortlos lagen wir so eine ganze Weile da. Einfach nur er und ich.
Ich schloss meine Augen und schlief in seinem Schoß ein.

* Backstreet Boys – You can let go