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Olivia's p.o.v.


Wir hatten noch nie so lange bis zu mir nach Hause gebraucht. Fast 40 Minuten waren wir vom Glow. bis zu mir unterwegs. Vielleicht lag es daran, dass Richie versuchte Lynn zu tragen und die beiden ständig stehen blieben oder an den Schlangenlinien, die wir liefen. Kann auch sein, dass wir ein oder zwei mal in die falsche Straße eingebogen waren und einen riesigen Umweg gelaufen sind, zumindest war ich ziemlich froh, als ich von weitem mein Haus entdeckte und schon mal anfing in der schwarzen Handtasche herumzukramen. Ich brauchte ganz schön lange um den Schlüssel zu finden, denn ich konnte nur auf gut Glück nach ihm tasten. In der Dunkelheit mit dem wenigen Licht der Straßenlaternen sah ich kaum etwas.
Als wir am Haus vorbei liefen sprang das Licht automatisch an und ich fand auch endlich den Schlüssel- traf aber das Schlüsselloch nicht. Ich schmunzelte, zog die Augenbrauen zusammen und bückte mich ein Stück, um genau zu sehen, wo ich den Schlüssel reinsteckte. Hinter mir lachte sich Madelyn halb tot, schlussendlich entriss mir Chris den Schlüssel und versuchte sein eigenes Glück.
Wir schafften es an diesem Abend tatsächlich noch in das Haus und ich pfefferte sofort die Tasche auf die Treppe, knallte mit der Handfläche auf die drei Lichtschalter und beleuchtete damit Flur und Treppenhaus, sowie das Gästeklo.
„Voll unnötig!“, lachte Lynn weiter, schmiss ihre Schuhe neben die Lieblingsblume meiner Mutter und lief in die Küche, in der sie – genauso brutal wie ich – auf den Lichtschalter schlug. „Ich nehm' was zu Essen mit hoch, okay?“, fragte sie, kramte aber schon im Kühlschrank umher und holte dann die kalte Lasagne vom Mittag raus. „Scheiße, Ella, ich LIEBE die Lasagne von deiner Mutter! Wieso hast du mir heute Mittag nicht gesagt, dass es Lasagne gibt, ich wäre sofort gekommen!“, sie hatte schon eine Gabel aus der Schublade geholt und angefangen das riesige Stück zu essen.
„Vielleicht fragst du die Gäste mal, ob sie auch was wollen, du Trampel!“, ich schüttelte den Kopf. Unhöfliches Ding.
Ich machte einfach das Licht in der Küche aus, ließ Lynn im Dunkeln stehen und stapfte in meinen Schuhen die Treppe nach oben.
Kurz darauf folgten mir die anderen drei. Glaube ich.
In meinem Zimmer klatschte ich wieder unsanft neben der Tür auf die Wand um das Licht anzuschalten, hielt mich am Türrahmen fest, zog die High Heels aus, schmiss sie achtlos in eine Ecke und zog mir unter das Kleid meine Boxershorts, die ich zum Schlafen trug. Danach zog ich mir die schwarze Jacke aus und schmiss sie über die Lehne meines Schreibtischstuhls.
„MADELYYYYYYYYYYYN!“, schrie ich unachtsam und hörte an der Tür ein lautes Aufatmen. „BRING MEINE TASCHE MIT HOCH!“
Als ich mich wieder umdrehte, erschrak ich, denn Chris stand unmittelbar vor mir und legte seine Hand an meine Hüfte. Sein Blick glitt durch mein Zimmer und blieb am Alkohol hängen. Dann grinste er leicht, ließ mich wieder los und holte die vollste Flasche Berentzen raus. Melone. Pfui.
„Das Zeug kannst'e trinken. Ekelhaft!“, sagte ich laut und schüttelte mich. Dann flog meine Tasche nah an meinem Gesicht vorbei und Lynn ließ sich auf die Couch neben der Tür sinken.
„Du hast ja aufgeräumt!“, stellte sie mampfend fest und klammerte sich an ihren Lasagne-Teller.
„Joah...“, sagte ich desinteressiert, bückte mich und kramte das Karten-Päckchen aus meiner Tasche, dass mir Clemens extra besorgt hatte.
Chris hatte sich mit dem Alkohol auf der zweiten Couch breit gemacht und Richie war irgendwie auch plötzlich in meinem Zimmer und saß neben Lynn. Sein Blick heftete Zeitweise immer mal wieder auf der Lasagne.
„Jetzt gib dem armen verhungerten Kerl halt auch mal ein Stück Lasagne, der guckt ja schon, als würde er gleich drüber herfallen!“, seufzte ich, schmiss Chris die Karten entgegen, die ihn an der Brust trafen, weil er überhaupt nicht darauf geachtet hatte, was ich tat, sondern immer noch die Flasche musterte, und schaltete dann die Lampe in der Ecke meines Zimmers ein. Dann knallte ich meine Zimmertür zu, löschte das große Deckenlicht und setzte mich zu ihm.
„Kennt ihr zwei Skip-Bo?“, fragte ich, packte die Karten aus und mischte die Hälfte des großen Stapels.
Lynn war gerade dabei Richie gnadevoller Weiße eine Gabel Lasagne in den Mund zu schieben, Chris nickte und stellte die Flasche dann auf den Tisch und Richie schüttelte den Kopf, während er genussvoll an der kalten Lasagne kaute.
Lynn erklärte ihm die Regeln während sie aß und ihm zwischendurch noch die ein oder andere Gabel gönnte, Chris und ich mischten die Karten und teilten die Stapel auf.
„Okay, und die Zusatzregel ist: Wer verliert zieht ein Teil aus!“, ich sah nicht auf, während ich sprach und meine oberste Karte umdrehte.
„Das ist unfair, ich hab das noch nie gespielt!“, rief Richie in die Runde.
„Dann weiß ich, wer als erstes heute Abend nackt in meinem Zimmer sitzt!“, ich zuckte unschuldig mit den Schultern und zog fünf Karten. „Nicht, dass ich was dagegen hätte!“
Lynn lachte leise und atmete dann schwer auf. Anscheinend hatte sie genug gegessen, denn kurz darauf drückte sie Richie den Teller und die Gabel in die Hand.
Tatsächlich verlor Richie die erste Runde und konnte sich gleich seines Pullis entledigen, dafür entwickelte er in den folgenden Runden einen Elan, auf den ich nicht gefasst war und gewann sogar zwei.
Dummerweise saß ich schon nach der fünften Runde nur noch in Boxershorts und BH auf der weißen Couch und schmollte leicht, denn ich hatte nur ganz knapp verloren. Chris hatte mich im letzten Moment noch abgezockt und war nur Vorletzter geworden.
„Da verliert man EIN mal und schon hat man nichts mehr an. Ich zieh nie wieder ein Kleid an, wenn ich strippen muss!“, erklärte ich und verschränkte die Arme vor der Brust.
Richie lachte.
„Nicht, dass ich was dagegen hätte!“, wiederholte er meine Worte von vorher und musterte mich extra lange.
Auch Chris lachte leise und zog seine fünf Karten, um die nächste Runde zu starten. Er selbst hatte seine Socken und seinen Pullover auch schon ausgezogen.
Vielleicht eine halbe Stunde später saßen Lynn und ich uns gegenüber, beide nur noch in Unterwäsche, und spielten darum, wer sich als Erstes ganz frei machen musste. Wir bekamen beide unsere Stapel nicht los und irgendwann stand Richie auf, ging zu meiner Anlage und durchsuchte nebenbei meine CD's. Als er dann die Kuschelrock 11 einlegte die nicht nur schon 11 Jahre alt war, sondern netter weise auch nur alte Liebeslieder im Angebot hatte, wechselten Lynn und ich einen vielsagenden Blick. Das war die Musik aus unserer Kindheit. Die Musik mit der wir aufgewachsen waren. Und eigentlich waren solche CD's ein absolutes Tabu, weil sie alte – schöne wie auch unschöne Erinnerungen – in uns wach riefen. Vor allem die CD war eigentlich Tabu. Die hörten wir nur, wenn wir Liebeskummer hatten und seit wir daran arbeiteten, dass Ryan aus Lynns Leben verschwand, hatten wir die CD verbannt. Aber wir sagten nichts dazu, sondern spielten weiter.
Am Ende war ich die Dumme, die den BH ausziehen dufte. Eigentlich durfte ich mich gar nicht beschweren, die Jungs hatten auch nicht mehr an als ich. Aber das war was anderes.
„Warum muss ich mich eigentlich jetzt ausziehen? Ich ändere die Regeln!“, sagte ich und nahm einen Schluck vom roten Wodka, den ich aus dem Regal geholt hatte. „Der Gewinner zieht sich aus! Chris!“, ich sah ihn erwartungsvoll an, aber er schüttelte lachend den Kopf.
„Vergiss es. Der Verlierer zieht sich aus. Das bist du. Also: Weg mit einem Teil!“, weigerte er sich strickt.
„Chris?!“, fragte ich wieder, sah dieses Mal aber Richie an.
„Never!“, sagte dieser nur und schüttelte ebenfalls lachend den Kopf.
„Ihr habt noch nicht genug getrunken!“, sagte ich und reichte ihnen die Flasche, aber Chris hielt den Berentzen hoch und nahm demonstrativ davon einen Schluck.
„Du willst dich doch nicht ausziehen! Trink du mehr!“, sagte Lynn und mischte die Karten neu.
„Ich sitze hier gleich ganz nackt, wenn wir noch eine Runde spielen, ich weiß überhaupt nicht mehr, wie das Spiel geht!“, meckerte ich und versuchte dann verzweifelt meinen BH zu öffnen.
Die nächste Runde verlor allerdings Lynn. Schade eigentlich, denn sonst hätte Chris sich ganz ausziehen müssen. Wie auch immer, wir hörten nach der Runde dann auch auf zu spielen. Lynn sah aus, als würde sie gleich einschlafen, also stand ich auf und schmiss ihr ein Shirt zu.
„Wenn ihr die Couch auszieht, ist da mehr Platz!“, sagte ich und zog mir selbst ein Shirt über, ehe ich meine Boxershorts wieder aufhob und rein schlüpfte.
Lynn stand auf und schmiss sich dann sofort in mein Bett, wo sie unter die Decke krabbelte. Auch Richie war anscheinend müde und zu faul die Couch auszuziehen und legte sich direkt neben sie.
„Hey! Das ist mein Bett! Raus da!“, rief ich, aber Lynn winkte ab.
„Das ist groß genug für vier!“, sagte sie, drehte sich um und schloss demonstrativ die Augen.
„Sei froh, dass meine Eltern nicht da sind!“, murrte ich und auf Madelyns Lippen erschien ein kleines Grinsen.
„Schön, dass sie auf Fabi aufpassen müssen!“, dann war sie auch schon fast ins Land der Träume abgedriftet.
„Ich bin noch gar nicht müde!“, sagte ich leise und ließ mich auf die Lehne der Couch sinken, auf der Chris immer noch saß.
In dem Moment spielte „Seven Seconds“* an und Chris stand langsam auf, ehe er mir die Hand entgegenstreckte. Ich musterte ihn etwas verwirrt, ehe ich meine Hand in seine legte und mich hochziehen ließ.
„Was ist?“, fragte ich weiterhin leise, aber er lächelte nur leicht und zog mich an sich, ehe er anfing langsam zu tanzen.
Mir blieb das Herz eine gefühlte Minute stehen und es dauerte einen Moment, ehe ich auch anfing zu tanzen. Wahrscheinlich sahen wir ziemlich dämlich aus. Das Licht in meinem Zimmer schien nur gedämmt aus der hintersten Ecke zu uns, die Musik war beschissen und lief ebenso leise, Lynn und Richie lagen in meinem Bett und schliefen und Chris und ich standen in der Mitte meines Zimmers, er nur in Boxershorts und ich mit einem Top und ebenfalls Boxershorts, und wir tanzten einfach so. Völlig zusammenhanglos.
Ich legte meine Hände um seinen Hals, er eine Hand auf meine Hüften, und einen Moment schien die Welt stehen zu bleiben. Ich war betrunken, ja, aber vielleicht war das der Moment, in dem ich anfangen sollte meine Mauer abzubauen. Vielleicht war Chris es wert das Risiko einzugehen verletzt zu werden. Vielleicht war es sowieso schon zu spät und ich hatte schon längst damit angefangen ihm zu vertrauen.
Seine Hand griff vorsichtig nach meiner, er ging einen halben Schritt zurück und drehte mich dann einfach unter seinem Arm durch. Dann zog er mich wieder an sich.
Ich kann mich nicht mehr genau daran erinnern, wann wir aufgehört hatten zu tanzen und ins Bett gegangen sind, aber am nächsten Morgen lief die CD immer noch. Ich lag zwischen Lynn und Chris, den Kopf auf seiner Brust, ein Bein über Lynns, die Bettdecke nur halb über mir. Chris Hand ging aus dem Bett, ebenso wie Richies Bein. Lynn neben mir lag wie ein Baby zusammengekauert, dann öffnete auch sie die Augen.
„Wir haben uns gestern nicht wirklich ausgezogen, oder?“, fragte sie leise.
„Ich glaube schon!“, antwortete ich in der selben Lautstärke und wir konnten beide nicht anders als zu lachen.

Youssou N'Dour & Neneh Cherry