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Olivia's p.o.v.


Die Tage vergingen einer nach dem anderen wie im Flug und ehe ich mich versah war es schon Freitag. Lynn und ich hatten Mittwochs noch einmal telefoniert, uns über alles mögliche unterhalten und schlussendlich hatte ich ihr geraten sich einfach nicht mehr bei Richie zu melden. Er tat ihr schon weh, da kannten sie sich nicht mal eine Woche. Wie sollte das werden, wenn sie sich länger, besser kannten? Dann einfach vergessen zu werden tat nur noch mehr weh.
Auch ich beschloss mich nicht mehr bei Chris zu melden. Ich war nicht bereit eine Freundschaft einzugehen, die wahrscheinlich sehr tiefgehend war. Ich konnte mir gut vorstellen, dass Chris mir viel bedeuten könnte, und weil er viel unterwegs war, wollte ich nicht diejenige sein, die zu Hause saß und darauf wartete, dass er sich erbarmte etwas Zeit für mich zu opfern.
Madelyn hatte am Donnerstag Abend ihre letzte Nachtschicht für die nächsten zwei Wochen gehabt und wir hatten beschlossen uns einfach am Wochenende sinnlos die Kante zu geben und das Leben zu genießen. Getreu dem Motto „Scheiß auf die Scheiß-Kerle!“.
Ich warf einen kurzen Blick in mein Ikea-EXPEDIT-Regal, in dem sich nicht nur Kisten und Bücher, sondern auch angefangene Wodka- und Berentzen-Flaschen türmten. Das Telefon hatte ich zwischen Schulter und Ohr geklemmt, während ich mit beiden Händen in meinem Kleiderschrank nach dem passenden Outfit suchte.
„Casual oder eher etwas Extravaganteres?“, fragte ich dabei und hörte am anderen Ende der Leitung, wie Lynn aufhörte in ihrem eigenen Schrank herumzuwühlen.
„Du hast doch dieses Kleid... das schwarze da... und dazu die eine Jacke und die tollen Schuhe...“, antwortete sie etwas abwesend und ich stellte mir vor, wie sie auch das Telefon zwischen Schulter und Ohr geklemmt hatte und vor sich einen Kleiderbügel hielt, an dem garantiert ihr Outfit für den heutigen Abend hing.
„Ahhhhh ja- genau!“, ich zog eine Augenbraue hoch und wühlte weiter zwischen meinen Klamotten rum. „... würden wir uns nicht schon so lange kennen, hätte ich jetzt keine Ahnung was du meinst... aber die Idee ist gut... dann lass ich heute Abend eben mal wieder das Biest raushängen!“
„Mhm... finde ich gut, ja...“
Ich kicherte leise, zog das Kleid aus dem Schrank und hängte es an die Tür, um es mir noch einmal genauer anzusehen. Lynn hatte sich also für mich für Extravagant entschieden. Ganz normal war das Kleid nicht- auch nicht die Schuhe, die ich dazu anziehen wollte. Und wie die brave Ella würde ich am Schluss auch nicht mehr aussehen.
Wir hatten fünf Uhr. Um neun wollten wir uns treffen, um circa zehn in unseren Lieblingsclub gehen.
Für jemand anderen war das noch genügend Zeit um sich vor den Fernseher zu legen und etwas zu relaxen. Für mich war die Zeit jetzt schon knapp.
„Ich leg' dann mal auf. Ich muss noch duschen, meine Finger- und Zehnnägel lackieren, mich schminken und anziehen und eventuell wollte ich auch noch etwas essen. Soll ich den Restalkohol vom letzten Mal mitbringen?“
„Hmmm- ja, bring das Zeug mit. Muss ja leer werden! Also wie immer. Bis später!“, damit legten wir beide auf, ich schmiss das Telefon unbeachtet in die Mitte meines Bettes und betrachtete mich dann eine Sekunde im Spiegel.
Wie eigentlich fast immer hatte ich mich zwischendurch doch noch etwas ablenken lassen. Nach dem Duschen hatte ich mich nicht sofort fertig gemacht, sondern mich in mein Handtuch eingewickelt einfach eine halbe Stunde vor den PC gepflanzt und noch ein paar weitere Freunde gefragt, ob sie auch in den Club kommen würden. Deswegen war ich auch schlussendlich erst um kurz nach neun am Treffpunkt, an dem Lynn – die Arme verschränkt und genervt drein blickend – schon wartete.
„Du bist immer pünktlich. IMMER! Außer, wenn wir in diesen verdammten Club gehen. Ich verstehe dich nicht, Ella, wirklich nicht...“, fing sie schon von weitem an zu wettern und ich grinste nur leicht vor mich hin.
„Jajaaaaaaa!“, seufzte ich nur laut und wedelte mit der Wodkaflasche in der Luft rum. „Magst du auch 'nen Schluck?“
„Ich bin keine 15 mehr!“, Lynn verdrehte die Augen. „Da konnte ich das Zeug noch pur trinken. Die Zeiten sind schon lange rum.“
„Ich hab O-Saft dazu gemischt. Weißt du, Madelyn, Wodka ist normal nicht orange...“, es dauerte noch ein paar Sekunden bis ich direkt vor ihr stand und sie musterte mich von unten bis oben, ehe sie auch anfing zu grinsen.
„Hab ich von da hinten nicht gesehen. Du scheinst ja schon gut was intus zu haben!“
„Najaaaa- nur ein paar Schluck. Hier-“, ich drückte der Jüngeren die Flasche in die Hand. „Trink auch was. Chices Kleid, übrigens.“, ich zog eine Augenbraue hoch. „Kenn' ich nicht!“, stellte ich dann fest. Zumindest mochte ich die Farbe. Lila. Momentan einer meiner Favoriten.
„Nö, ist neu!“, Lynn nahm einen herzhaften Schluck und wir liefen ein paar Schritte.
Die Straßen waren noch relativ voll, obwohl sie für die Tatsache, dass es Freitag Nacht war auch relativ leer waren. An der Haltestelle, die wir ansteuerten, stand keine Menschenseele, was mich etwas wunderte, denn eigentlich sollte in wenigen Minuten der Bus kommen, mit dem wir zum Club fahren wollten.
„Bist du dir sicher, dass der Bus um zwanzig nach kommt?“, fragte ich sicherheitshalber, aber das dunkelhaarige Mädchen neben mir zuckte nur die Schultern.
„Wenn nicht, laufen wir eben. Ist doch nur 'ne knappe halbe Stunde zu Fuß!“, sie nahm wieder einen Schluck, die Straßenlaternen sprangen an.
„Das ist ja wohl nicht dein Ernst, oder?“, ich seufzte, lief auf den Fahrplan zu, und seufzte gleich noch einmal. „Der nächste Bus dahin kommt in vierzig Minuten, Madelyn!“
Sie schmunzelte, zuckte erneut mit den Schultern, nahm wieder einen Schluck und grinste mich an. Als hätte sie es geplant. Aber das war unwahrscheinlich.
Wir hatten den Rest des Wodkas schnell getrunken, die Flasche im nächsten Müll entsorgt und waren um die nächste Ecke verschwunden, als mich die Einsicht ereilte, dass ich den Berentzen zu Hause stehen gelassen hatte, was mich aber solange herzlich wenig interessieren sollte, bis Lynn es merkte.
Diese schien aber relativ guter Laune zu sein- zumindest bis sie plötzlich stehen blieb und mit dem Finger gerade aus zeigte.
„Hast du irgendwelche Probleme?“, fragte ich sie und folgte mit dem Blick ihrem Finger. Aus einer der Szenebars kamen fünf junge Männer. „Oh...“
„Na toll. Die haben mir gerade noch gefehlt!“, Lynn's Arme verschränkten sich vor ihrer Brust, sie verlagerte ihr Gewicht auf ihr rechtes Bein und streckte das linke etwas von sich weg.
„Wem sagst du das!?“, sagte ich leise und beobachtete, wie die Jungs sich vor der Tür versammelten, Jay einen Blick über sie warf und sie dann genau auf uns zukamen.
Lynn und ich warfen uns einen Blick zu, der nichts Gutes verhieß, liefen strickten Weges los und wollten eigentlich direkt an ihnen vorbei laufen und so tun, als hätten wir sie nicht gesehen – übrigens eine ziemlich idiotische Idee – aber es brachte nichts so zu tun, als wären wir in ein Gespräch über Alkohol vertieft und uns in die Augen zu sehen, denn als wir genau neben ihnen liefen, hielt mich Chris sanft am Arm fest.
„Ella?“, fragte er und starrte mich regelrecht an.
„Oh- hi Chris... Richie... Rest...“, ich nickte leicht, machte mich von seinem Griff los und ging einen Schritt rückwärts, wobei ich gegen Lynn stieß, die mich an den Schultern festhielt.
„Sorry, wir haben eigentlich keine Zeit für Kaffeekränzchen. Wir sind gerade auf dem Weg ins Glow. und- ja, wir sind auf dem Weg ins Glow..“, Lynn biss auf ihrer Wange herum und ließ mich los, also bückte ich mich, um meinen Schuh gerade zu zupfen, wobei ich das Gleichgewicht verlor und mich lachend an Lynn festhalten musste, um nicht umzufallen.
„Daaaas ist der Alkohoool!“, stellte ich weiterhin lachend fest und Lynn grinste leicht, als sie mir wieder hoch half und Richies etwas irritierten Blick bemerkte.
„Braucht ihr Hilfe?“, fragte er und kam einen Schritt auf uns zu, aber ich winkte ab.
„Nein neiiin, schon in Ordnung, wir haben ja uns!“
„Oh ja, das sehen wir. Ihr seid betrunken!“, Jay klang nüchtern und sah auch dementsprechend ernst drein.
„Na klar, von einer halben Flasche Wodka... die wir auch noch teilen mussten! Das ist in zwei Minuten wieder weg!“, provozierend stemmte ich die Hände in die Hüften. Lynn griff nach meiner Hand.
„Wie gesagt, wir gehen jetzt ins Glow. und deswegen müssen wir jetzt auch weiter.“
„Ist sonst die Schlange draußen zu lang?“, fragte Jay und dachte, er hätte damit ins Schwarze getroffen, aber ich lachte nur laut auf.
„Meinetwegen können die Leute bis hier her Schlange stehen. Wir kennen den Türsteher. Also- bis dennchen!“, ich winkte übertrieben, drehte mich auf dem Absatz um und schmiss damit etwas überschwänglich Chris meine Tasche entgegen. „Na los. Gehen wir!“
„Ella- wir wollten da alleine hin!“, zischte Madelyn, die mich gewaltsam zur Seite zog.
„Ach komm schon, Maddieeeee. Das wird sicher lustig. Wir machen sie betrunken und nebenbei können wir Richie noch eine scheuern- dafür, dass er dich versetzt hat!“
Sie brauchte einen Moment zum Nachdenken, ehe sie leicht nickte und ihre Mundwinkel sich dezent nach oben zogen.
Chris und Richie diskutierten anscheinend auch gerade mit Jay. Er hatte zu uns wahrscheinlich genauso wenig Sympathie gefunden wie wir zu ihm.
„Richie?“, Lynn setzte ihren besten Dackelblick auf, drehte den Fuß wie ein kleines Mädchen auf dem Boden und blinzelte einige Male. Ich hingegen nahm einfach Chris' Hand und zog ihn hinter mir her.
„Los jetzt. Ich hab keine Zeit für Diskussionen mit dem Dickkopf. Dafür hab ich keine drei Stunden vor'm Spiegel gestanden!“, ich war schon einige Schritte mit Chris gelaufen, da hörte ich von hinten nur ein “hat ja nicht viel gebracht“, aber ich ignorierte es gekonnt und war lustiger Weise danach wirklich richtig stolz auf mich, nicht auf die Provokation eingegangen zu sein, denn das hätte uns nur erneute Minuten gekostet.
Chris sah nicht besonders glücklich aus, wie ich ihn so hinter mir her zerrte, also ließ ich ihn lieber wieder los. Wahrscheinlich dachte er jetzt, ich würde mit ihm machen, was ich wollte- aber gut. Egal. Keine ernsten Gespräche in dieser Nacht.
Hinter mir seufzte er etwas lauter und wahrscheinlich ziemlich theatralisch auf, eilte mir nach und drückte mir die Tasche wieder in die Hand.
„Jetzt kriege ich sicher ganz schönen Ärger, wenn ich wieder zurück komme!“, sagte Chris und grinste leicht. Richie und Lynn liefen langsam und mit etwas Abstand hinter uns her.
„Du musst ja nicht zurück gehen!“, lachte ich leise und sah auf meine Schuhe runter, um sie bei jedem Schritt zu beobachten.
„Naja...“, er seufzte wieder, dieses mal aber sicherlich nicht theatralisch , dann setzte er wieder sein Lächeln auf.
„Du- Chris...“, ich blieb noch einmal stehen, als wir um die erste Ecke gebogen waren und sah zu ihm rauf. „Wenn du keine Lust hast mit uns in den Club zu gehen, dann musst du das nicht. Ich wollte nicht...“
„Ach was, ich freue mich mal da raus zu kommen und was mit normalen Menschen zu machen!“, er versuchte es witzig klingen zu lassen, aber ich kaufte ihm das Ganze nicht ab. Etwas kritisch musterte ich ihn.
„Lüg' mich bitte nicht an, Christoph!“, mein blick war strickt auf seine Augen gerichtet, er lächelte leicht, kaum merkbar und dieses mal ehrlich gemeint und strich mir eine Strähne aus den Augen.
„Ich freue mich wirklich jetzt noch nicht zurück ins Hotel zu müssen!“
„Hey ihr Schlafmützen!“, Richie lief absichtlich gegen mich und schupste mich so gegen Chris, der mich festhielt.
„Hey- Wenn ihr 'nen Dreier wollt, fragt Lynn. Das ist nicht so mein Ding!“, lachte ich aus Spaß und Lynn verdrehte nur die Augen, als sie auch neben uns stehen blieb.
„Angebumst!“, sagte sie nur und schmunzelte leicht. „Gib's zu, Ella, du stehst auf so ein Sandwitch-Zeug!“
„Ja, mit Salami und Edammer und viel Mayo und Paprika!“, ich grinste leicht, drückte mich aus meiner Lücke zwischen den beiden jungen Männern und griff nach Lynns Hand.

Die Schlange vor dem Club war ellenlang, aber wir liefen gezielt an den Anfang der Schlange zur Tür.
„Hey George!“, winkte ich schon von weitem und bekam ein Zwinkern von dem großen, dunkelhaarigen Mann an der Eingangstür zurück.
„Na ihr zwei Hübschen... ist deine Rockerzeit wieder ausgebrochen, Ella?“, fragte er, als wir bei ihm angekommen waren und schob die Trennung etwas bei Seite, um uns reinzulassen.
„Klar, sieht man doch!“, lachte ich. „Das sind Chris und-“, ich überlegte kurz, zuckte dann mit den Schultern und warf Richie einen kurzen Blick zu. „Chris.“
„Hallo Chris und Chris! Na dann geht mal rein, Clemens erwartet euch schon sehnsüchtig. Er hat da so einen neuen Cocktail ausprobiert!“, erzählte George gelassen weiter und ließ in der Zwischenzeit ein junges Pärchen in den Club.
„Ich bleib bei meinem Pina Colada!“, sagte Lynn und winkte dankend ab.
„Wenn du mal zehn Tequila intus hast ist dir das auch scheiß egal!“, murmelte ich leise und hörte hinter mir ein leises Auflachen von Richie.
„Wie du meinst!“, Lynn drückte sich an mir vorbei, zog sich die Jacke von den Schultern und lief in den Club rein. An der Garderobe schmiss sie die Jacke einfach auf den Tresen und verschwand im Getümmel.
„Hallo Tina!“, begrüßte ich das Mädchen dahinter wenigstens, ehe ich meine Jacke auf Lynns legte.
Die schwarzhaarige nickte mir zu, nahm die Jacken an sich und verschwand.
„Ich muss schnell Lynn hinterher, wir sind dann da vorne an der Bar. Bis gleich!“, damit verschwand auch ich im Getümmel der Menschen und drückte mich zu dem Lila Punkt in Mitten der Tanzfläche durch. „Können wir bitte erst mehr trinken, bevor wir tanzen?“, fragte ich Lynn und zog sie sofort hinter mir her zu Clemens, der uns schon mit einem Cocktailschirm zuwank.
„Wir sind eindeutig zu oft hier! Und zu lange...“, stellte Lynn nüchtern fest.
„Zumindest so lange, dass wir erst gehen, wenn der Club zumacht und wir hier jeden Arsch kennen!“