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Madelyn's p.o.v.


Nach der gelungen Ablenkung in der Nachtschicht und meinem verdienten Schlaf, wachte ich gegen 13.00 Uhr auf und machte mich fertig. Ben machte die ganze Zeit über einen ziemlich angespannten Eindruck. Kein Wunder, das was er für heute geplant hatte, sollte kein Kinderspiel werden- und das wusste er genauso gut wie ich. Dem eigenen Vater zum Geburtstag zu gratulieren sollte eigentlich keine Zauberei sein, aber bei unserem selten komischen Verhältnis zu unserem Vater und der jüngeren Schwester, sah die ganze Sache nochmal ganz anders aus. Ich band mir die nassen Locken zu einem Zopf zusammen und setzte mich zusammen mit Ben in die Küche an den Esstisch. Mein Bruder fuhr mit dem Zeigefinger über den grünen Knopf auf dem Telefon und schien stark nachzudenken.
„Meine Güte- ich weiß ja noch nicht mal, was ich sagen soll, wenn er ran geht“ Er verzog die Miene und verstellte seine Stimme: „Hallo Papa, alles gute zum Geburtstag- lass es mal so richtig krachen“
Ich konnte mir ein Lachen nicht verkneifen. War mein Bruder Benjamin nicht derjenige gewesen, der so überzeugt davon war, Waffenstillstand zu schließen?
Mein Lachen erstickte mit einem bösen Blick von ihm und entschlossen drückte er erst den Lautsprecher und dann die Wahltaste. Es dauerte nicht lange, bis die wunderschöne Stimme meiner Mutter durch unsere Küche hallte.
„Parker?“- mein Herz machte einen Satz und eine wohlig warme kindliche Stimmung verbreitete sich um mich herum. Auch Ben wurde lockerer. Im Grunde konnte das Verhältnis von ihm und mir zu unserer Mutter nicht besser sein. Sie liebte und unterstützte uns in all unseren Vorhaben schon immer, wie keine Zweite. Meine Mutter war schon als ich ein kleines Kind war, immer mein Fels in der Brandung, diejenige die mich auffing, wenn ich fiel. Wahrscheinlich hatte ich auch genau aus demselben Grund so ein gutes Verhältnis zu Ella- sie erinnerte mich Tag für Tag an meine wunderbare Mutter.
„Mommy, hier Sind Benny und Maddie“, erklärte mein Bruder und ein Lächeln umzierte seine Lippen. Auch er war erleichtert nicht direkt ins kalte Wasser geschmissen zu werden, sondern erst einmal ein bisschen im Whirl-Pool genießen zu dürfen.
„Oh my little Dears- wie geht es euch?“, mit ihrem Oxford Englisch, brachte meine Mutter, die ursprünglich aus London kam, mich erneut dazu auf zulächeln.
„Gut Mommy- und dir?“, kam ich meinem Bruder zuvor und riss ihm das Telefon aus der Hand.
„Ich vermiss euch beide sehr- sonst ist alles in Ordnung. Ich gehe davon aus, ihr ruft wegen etwas anderem an“- und sofort drücke ich Ben wieder das Telefon in die Hand. Er räusperte sich kurz und schien noch einmal die Worte in seinem Kopf zurecht zu rücken, ehe er dann antwortete: „Ja, wir wollten Daddy gratulieren- ist er da?“
„Sicher, einen Moment, ich rufe ihn- macht's gut ihr beiden“, sagte sie und rief nach dem Namen meines Vaters. Ich schickte schnell ein Stoßgebet gen Himmel, damit dieses Telefonat nicht wieder im Streit endete- wenigstens um meiner Mutters Willen.
„Parker?“
„Oh, ja, hey Dad- hier ist Ben- alles gute zum Geburtstag“, ratterte Ben schnell runter und hielt mir den Hörer hin, doch ehe ich etwas sagen konnte, räusperte sich mein Vater an der anderen Leitung.
„Bitte, wer?“
Dieser zynische Unterton in seiner Stimme ließ bei mir schon wieder die Alarmglocken aufleuchten und unwillkürlich presste ich meine Hand gegen die Tischplatte, um meine Wut nicht in Form eines Schreis auszulassen. Ben biss sich kurz auf die Unterlippe und striff mein Bein mit seinem Fuß, um wieder meine ungeteilte Aufmerksamkeit zu gewinnen.
„Benjamin William Edward Parker, Dad- dein Sohn“, der traurige Ton meines Bruders traf auch mich. Ich wusste, dass er unseren Dad in unserer Kindheit immer gerne hatte und dass ihm das, auch wenn wir nicht mehr das beste Verhältnis hatten, ziemlich weh tat. Ich legte ihm meine rechte Hand auf seine und nahm ihm das Telefon ab.
„Und Madelyn- Madelyn Christine Parker, Dad- deine Tochter“, meine Stimme klang wieder ruhig und diplomatisch- Gott sei Dank.
„Die verschollenen Kinder!“, lachte mein Vater in den Hörer und rief Alex irgendwas zu, sodass sie mit einstimmte.
„Wir wollten dir zum Geburtstag gratulieren, Dad!“, sprach ich anstelle meines Bruders, der mit seiner Selbstbeherrschung kämpfte. Nicht dass ich im Moment nichts anderes im Kopf hatte, als mich mit meinem Vater zu unterhalten und mich „verschollenes Kind“ nennen zu lassen, wobei ich immer noch in derselben Stadt wohnte wie er, aber im Gegensatz zu ihm, hatte ich das Bedürfnis das ganze hier so reizlos wie nur möglich über die Bühne zu bringen.
„Woher der Sinneswandel?“- Gut, wenn er es so wollte- dieses Spiel konnte ich sehr wohl spielen.
„Reine Diplomatie, versteht sich! Wir sind älter geworden und nicht mehr so kindisch, wie früher“
Ben musste trotz aller Anspannung lächeln und ermutigte mich in meinem Tun.
„Schön, danke! Aber warum seid ihr denn nicht persönlich gekommen? Du gehst deinem Beruf doch stets noch nachts nach und Ben hat so viel wie ich weiß sehr wohl seine Freiheiten auf der Arbeit“
Dieser Trottel- dieser zynische Idiot. Es kostete mich all meine Kraft, um nicht auf seine Provokation einzugehen und ruhig zu bleiben. Ich war nie ein Mensch gewesen, der Dinge auf sich sitzen ließ, wobei ich trotzdem niemals ausfallend wurde- es sei denn mein Vater legte es mal wieder darauf an. Nicht so dieses mal.
„Oh ja, wir wären nur zu gerne gekommen, aber du weißt ja- Pflichten, Pflichten, Pflichten und oh- was höre ich da? Einen Moment!- ah, die nächste ruft schon wieder- na ja! Dann feier' noch mal schön weiter!“
„Auf wieder hören, meine verlorenen Kinder!“
Bevor Ben total die Geduld verlor und auf die Provokation einging, drückte ich den Hörer einfach ab und legte das Telefon schnell beiseite.
„Sollte man denn nicht wenigstens ein wenig Vernunft von dem eigenen Vater erwarten dürfen?“, fragte er und sah mich ernsthaft verwirrt an.
„Nicht wenn dieser Jack Parker heißt“
Er nickte zustimmend und lehnte sich gegen die Lehne des Stuhls. Eine Weile lang grübelten wir beide über das verzwickte Verhältnis zwischen unserem Vater und uns nach, das wirklich einiges zu wünschen übrig ließ und vertieften uns in Gedanken. Manche Dinge im Leben, sollten einfach nicht sein. Auch wenn Mom so oft versucht hatte, zu schlichten- diese Geschichte sollte so schnell nicht ihre Ruhe finden.
Genau wie eine andere, die mein Bruder gerade ansprechen wollte.
„Wer war der Typ da eigentlich gestern?“
Ich öffnete meine Haare und schüttelte das immer noch nasse Haar aus. Die Frage die mein Bruder mir so stellte, konnte ich mir auch nicht erklären. Wer war dieser Typ eigentlich?
„Richie, ein Bekannter aus Schulzeiten. Er wollte eine CD vorbei bringen, die er sich schon vor Ewigkeiten ausgeliehen hatte“, reimte ich mir schnell zusammen. Doch diesmal flog mein kleiner Flunker auf. Ich war wahrscheinlich die schlechteste Lügnerin aller Zeiten und mein Bruder, der mir so nah stand, wie kaum jemand, konnte meine Lügen meistens schon 5 km gegen den Wind riechen.
„Und jetzt nochmal die Wahrheit, bitte?“
„Eine Bekanntschaft, Ben! Niemand wichtiges- ich weiß selbst noch nicht so genau, wie ich ihn einschätzen soll“ Er sah mich skeptisch an, doch schien zu verstehen, dass das mal wieder ein ziemlich sensibles Thema war und ließ davon ab.
Ich hingegen, befand mich gerade wieder zu 100 % im Thema „Richie“ und suchte Abstand zum Nachdenken bzw. Handeln. Schnell entschuldigte ich mich von meinem Bruder und stand auf, um in mein Zimmer zu gehen. Mein Entschluss den gestrigen Abend nicht einfach so im Raum stehen zu lassen stand fest. Ich wollte ihn nicht stören- ich wollte mich nicht wieder selbst ins Unglück reiten, ich wollte mich lediglich an ihn heran tasten. Objektiv betrachtet versuchte ich vielleicht auch ein bisschen von Ryans Seil abzulassen, um andere Luft zu schnuppern, doch soweit wollte ich persönlich noch nicht denken.
„Mich bei Richie melden, oder es vorerst lassen? BAMBA lässt grüßen!“, ich sendete diese SMS an Ella, in der Hoffnung, dass sie mir so schnell wie nur möglich antworten würde. Diesen Schritt im Moment ohne mentale Unterstützung meiner besten Freundin zu wagen, war unvorstellbar.
Unvorstellbar schwer.
Das Handy in meiner Hand erschien mir tonnenschwer und die Zeit wie stehen geblieben. Man könnte auch denken, dass meine BAMBA- Erkrankung gerade wieder schlimmer wurde- und Unrecht hatte man damit wahrscheinlich nicht.