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Olivia's p.o.v.


Ich wartete nicht lange darauf, dass er zurück rief, denn eigentlich war ich mir ziemlich sicher, dass er es sowieso nicht tun würde. Ein Blick auf die Uhr sagte mir, dass Lynn schon auf der Arbeit war.
Was soll's?! Chris hast du auch schon in 'nem Meeting gestört, da kannst du auch Lynn auf der Arbeit anrufen!, dachte ich und suchte unachtsam im Telefonbuch meines Telefons nach ihrer Nummer.
Wenn Lynn auf der Arbeit war, dauerte es immer etwas, bis sie ans Telefon ging. Sie führte meistens gerade irgendwelche anderen Gespräche oder war anderweitig beschäftigt. Deswegen stellte ich das Telefon einen kurzen Moment auf meinen Schreibtisch und lief zu meiner Tasche, aus der ich meinen Geldbeutel kramte.
Als ich das Telefon wieder zur Hand nahm, sprach Lynn auch schon los:
„Hallo bei Radio Summertime. Hier ist Madelyn, wen hab ich denn da an der anderen Leitung?“, ihre gesetzt fröhliche Stimme drang an mein Ohr und ich schluckte schwer. Ich hatte die falsche Nummer angerufen und war mitten auf der Zuhörerleitung gelandet.
„Ähm....“, machte ich lang gezogen und biss mir auf die Unterlippe. „Hi...“
Madelyn hustete und ich würde wetten, dass sie ihren Tee zurück in die Tasse spuckte, weil sie sich daran verschluckt hatte, als sie meine Stimme hörte. Als sie sich räusperte und ich ihr Gehirn förmlich durch das Telefon rattern hören konnte – sie überlegte sicher, wie sie die Situation retten konnte – sprach ich ihr schon dazwischen.
„Hi- ähm... hier ist... Anna. Ja genau, Anna...“
Eine kurze Pause entstand.
„Hallo Anna...“, antwortete Lynn dann angespannt und ich fuhr mir durch die blonden Haare. „Was hast du uns mitzuteilen?“, ihre Standardfrage an die Zuhörer.
„Uhm- naja... welches Thema habt ihr denn gerade?“, ich fuhr mir noch mal durch die Haare und tippelte mit meinen Fingernägeln auf meiner Schreibtischunterlage herum. Verdammt. Das konnte aber auch wieder nur mir passieren. Hätte ich von Anfang an aufgepasst und das Telefon nicht zur Seite gestellt, hätte ich vielleicht mitbekommen, dass ich die falsche Nummer gewählt hatte.
„Du hast wohl gerade erst eingeschaltet...“, Lynn war etwas lockerer geworden, trotzdem merkte ich, dass sie wusste, dass mir das Nachfolgende nicht unbedingt liegen würde. „Wir fragen unsere Hörer gerade nach den angesagtesten Clubs in Berlin. Also, Anna... wo gehst du am liebsten hin?“
Meine Finger tippten immer schnell auf die schwarze Unterlage und ich räusperte mich leise.
„Also... da- ist doch dieser- ähm- neue Schuppen- dieser- große... da... dieser- Schuppen... da ist es wirklich cool!“, redete ich einfach drauf los und überlegte gleichzeitig, wie ich ihr sagen konnte, weswegen ich angerufen hatte. „Aber die Typen da sind nicht so toll. Unzuverlässige Idioten, sag ich dir. Denen sollte man kein Vertrauen schenken. Für mehr als 'nen One-Night-Stand sind die nicht zu gebrauchen!“
„Das klingt, als hättest du schlechte Erfahrungen gemacht...“, Lynn klang amüsiert und zugleich etwas besorgt. Sie wusste, dass ich von Chris redete.
„Naja- nicht direkt eine Erfahrung... Ich bin um ein Zehn-Sekunden-Telefonat reicher. Aber einer von den Typen da ist auf dem besten Weg meine Freundin zu verletzen. Das liegt in der Luft!“
„Vielleicht ist es ja eine Krankheit. Meine Freundin hat mir zum Beispiel erst gestern von dieser neuen, sehr tiefgehenden und vielleicht unheilbaren Krankheit erzählt... BAMBA heißt sie.“, Lynn klang so ernst, dass ich mir die Hand vor den Mund halten musste um mein Kichern zu unterdrücken.
BAMBA also. Blonder Ami mit blauen Augen war also ab jetzt offiziell als Krankheit anerkannt.
„Von der hab ich auch schon gehört. Und von ihrer Partnerkrankheit BDmuc. Die soll nicht ganz so schlimm sein, und heilbar, aber darüber weiß man noch nicht so viel.“
Blonder Deutscher mit unwiderstehlichem Charme. Hoffentlich artete das nicht zur Volkskrankheit aus.
„So Anna, tut mir Leid, dass wir aufhören müssen, aber der nächste Hörer ist in der Leitung. Ich wünsche dir noch einen schönen Abend und viel Spaß beim Hören von Radio Summertime.“, Madelyn schmiss mich ziemlich schnell aus der Leitung. Ich konnte nur ein „Okay, 'tschau!“, hinterher werfen, da tutete es auch schon.
BAMBA und BDmuc... na hoffentlich hatte das keiner da draußen gehört. Wie peinlich war das denn? Und ANNA? Da draußen hieß jede zweite Anna, was natürlich auch von Vorteil sein konnte, denn dann wusste niemand, dass ich, die vertrottelte Ella, gerade über diesen Schmarn geredet hatte.
Meine Wangen waren heiß und als ich in den Spiegel sah, fiel mir auf, dass ich rot angelaufen war, so peinlich war mir das Ganze gewesen. Ich konnte mich nicht mal wirklich abreagieren, denn keine zwei Minuten später klingelte mein Handy. Ich dachte schon, dass Lynn zurückrufen würde, um mich zur Schnecke zu machen, aber als ich Chris' Namen auf dem Display sah, biss ich mir fest auf die Unterlippe. Hoffentlich hatte ER das Gespräch gerade nicht im Radio gehört.
„Hi Chris... das ging ja ganz schön schnell!“, meldete ich mich und schickte ein schnelles Gebet in den Himmel.
„Wir waren schon fast zu Ende, als du angerufen hast, aber Mark und Mike sehen es nicht gerne, wenn wir die Handys anhaben und- naja, du kannst dir deinen Teil sicher denken...“, erzählte er und ich nickte, obwohl ich wusste, dass er es nicht sehen konnte.
„Wer sind Mark und Mike?“, fragte ich schließlich und fing wieder an mit den Nägeln auf den Tisch zu tippen.
„Unsere Zuhälter- äh- Manager!“, er lachte leise und ich musste kichern.
„Du Medien-Nutte!“, kaum hatte ich es ausgesprochen war am anderen Ende der Leitung das Lachen schon wieder verstorben. „Tut mir Leid...“, entschuldigte ich mich sofort.
„Was? Nein nein, ach Unsinn. Du hast doch recht!“, lachte er wieder- aber dieses mal klang es nicht mehr ehrlich.
Ich zog eine Augenbraue hoch, meine Finger hörten auf auf den Tisch zu klopfen, stattdessen legte ich die Hand flach auf die Platte.
„Hast du irgend etwas?“, fragte ich leise in den Telefonhörer hinein.
„Ich bin nur etwas müde. Tut mir Leid, Oli, ich...“
„Chris... kannst du mich bitte Ella nennen? Ich- Olivia hat eine besondere Bedeutung für mich und... nenn' mich bitte einfach Ella, das tun alle meine Freunde. Okay?“, unterbrach ich ihn. Olivia. Er nannte mich ständig Olivia. Das war ein Privileg, das eigentlich nur meinem Bruder vorbehalten war.
Vielleicht ist Chris irgendwann mal eine Ausnahme..., dachte ich mir und konnte mich gleich selbst schlagen. So nah würde ich ihn nie an mich lassen. Nie.
„Okay, Ella. Man...“, es raschelte kurz am anderen Ende. Er setzte sich irgendwo hin. „... wir hatten das Radio gerade an und da waren doch tatsächlich so zwei Vögel, die sich irgendwelche Krankheiten mit total bescheuerten Namen ausgedacht haben!“
Wieder lief ich rot an. Gut, dass er es nicht sehen konnte.
„Bambi und Pumucel oder sowas...“, ich prustete leise ins Telefon, als er unsere Krankheitsnamen so verschandelte.
„Klingt ja echt- ansteckend!“, kicherte ich, aber Chris blieb völlig ernst.
„Ach, so ein Schrott. Da war nur so eine Tussi sauer auf ein paar Kerle und hat sich zusammen mit der Moderatorin diesen Müll ausgedacht. Weißt du, was das Lustige ist? Die Moderatorin hieß Madelyn.“, plapperte er einfach weiter und schien sich wirklich ernsthaft über mein Gespräch mit Lynn unterhalten zu wollen – natürlich ohne zu wissen, dass wir beide das gewesen waren.
„Oh- was für ein Zufall!“, ich versuchte ernst zu klingen. Gelang mir anscheinend, denn er ging nicht weiter darauf ein.
„Ich wusste gar nicht, dass der Name in Deutschland so weit verbreitet ist!“, redete er weiter.
„Lynn's Mom kommt aus England. Sie wollte hier in Deutschland wohl wenigstens ein bisschen aus ihrer Heimat behalten!“, rätselte ich mit ihm.
„Und wo kommt dein Nachname her?“, fragte Chris neugierig weiter.
„Mein Opa war Amerikaner.“, antwortete ich knapp.
„Deswegen kannst du also so gut Englisch sprechen!“
„Ich kann gar nicht gut Englisch sprechen. Alles was ich kann kommt aus der Schule! Jetzt im letzten Jahr kamen ein paar Brocken Business-English dazu- aber sonst sprech' ich auch nicht besser als andere Abiturienten.“
„Du machst doch dein Abi erst nach den Somemerferien, oder?“, Chris schien etwas verwirrt, wieder raschelte es. Er hatte sich umgesetzt.
„Naja- aber ich bin jetzt nicht mehr in der 12. Also bin ich jetzt Abiturientin. Wenn du es ganz genau willst bin ich das erst nach den Sommerferien, ja!“, ich schmunzelte leicht. Da war jemand aber ein ganz schöner Perfektionist. Wenn er so kritisch sich selbst gegenüber trat, dann tat er mir Leid.
„Nunja- ich muss dann jetzt auflegen. Richie hüpft vor mir rum wie ein ausgesetztes Känguru und will mir irgendwas erzählen!“
Ich lachte.
„Sag ihm schöne Grüße von mir. Ach und- hau ihn mal von mir, er weiß schon wofür. Also dann, viel Spaß noch heut' Abend und- ruht euch ein bisschen aus. Das habt ihr sicher mal nötig!“
Ich könnte schwören, dass ich ein leises „allerdings“ am anderen Ende der Leitung vernahm, sagte aber nichts darauf.
„Okay, mach ich. Schlaf nachher gut und träum' was Schönes. Gute Nach, Ella.“