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Olivia's p.o.v.


Ich verließ das Krankenhaus gegen sechs Uhr abends. Noah hatte mir ganz schön ins Gewissen geredet und auch wenn ich wusste, dass er irgendwie recht hatte, beharrte ich auf meinem Standpunkt lieber alleine zu bleiben. Chris würde nicht gut für mich sein, und ich nicht für ihn. Das stand fest. Er war fest in seinen Job eingebunden und hatte gar keine Zeit für eine Freundin und ich war anstrengend und schwierig. Ich würde ihm noch mehr Stress machen. Das brauchte er nicht.
Ich saß eine ganze Weile still im Auto. Der Motor war aus, der Schlüssel lag in meinem Schoß und ich hatte mich noch nicht einmal angeschnallt. Stattdessen hatte ich die Augen geschlossen und atmete tief ein und aus. Da dachte man sich nichts böses, traf sich mit der besten Freundin am Lieblingsplatz und schon änderte sich das Leben auf einen Schlag. Ich fragte mich, was wäre, wenn wir jetzt immer noch zusammen auf dem Dach sitzen würden. Was passiert wäre.

Emotive unstable you're like an unwinding cable car
Listening for voices, but it's the choices that make us who we are
Go your own way, even seasons have changed just burn those new leaves over
So self-absorbed you've seemed to ignore the prayers that have already come about

[ Anberlin – The unwinding cable car ]


Auf dem Beifahrersitz spielte plötzlich mein Lieblingssong und ich brauchte einen Moment, bis ich realisierte, dass es mein Handy war, dass da klingelte. Bevor ich das Handy raus gekramt hatte, hatte es schon aufgehört zu klingeln. Ich war ziemlich erstaunt, als ich Jonas' Namen auf dem Display las. Wir hatten schon seit einer Ewigkeit nicht mehr miteinander gesprochen und ich war auch nicht sonderlich angetan es zu ändern. Trotzdem rief ich zurück. Ich weiß nicht genau, wieso ich es tat. Wahrscheinlich einfach, weil ich neugierig bin und wissen wollte, was er so plötzlich von mir wollte.
„Hallo Ella...“, sagte er sofort, als er abhob und ich zog skeptisch eine Augenbraue hoch.
„Nenn' mich nicht Ella, Jonas!“, sagte ich dann und verschränkte meine Arme. „Wieso hast du angerufen?“, mein Ton war nicht unbedingt der freundlichste. Ich konnte überhaupt nicht mehr freundlich zu ihm sein. Es war, als würde sich etwas in mir dagegen sträuben nett zu ihm zu sein, nach all dem, was er meinem Herzen angetan hatte. Außerdem war er meine erste und letzte große Liebe gewesen. Ich konnte ihm nicht verzeihen, auch wenn ich immer sagte, dass ich das schon längst getan hatte.
„Ich wollte wissen wie's dir geht... Ich hab' lange nichts mehr von dir gehört...“, antwortete er. Aber ich kannte ihn zu gut. In seiner Stimme schwang noch etwas anderes mit. Ich wusste ganz genau, dass er irgendetwas anderes von mir wollte.
„Das hat dich sonst auch nicht gekümmert. Was willst du wirklich? Endlich deine Sachen bei mir abholen?“, ich klemmte das Handy zwischen Schulter und Ohr und kramte dann im Handschuhfach nach meiner CD. Eigentlich interessierte mich seine Antwort nicht.
„Ich will wirklich wissen, wie es dir geht...“, er machte eine kurze Pause, in der ich schon den Mund öffnete um etwas zu erwidern, aber er sprach schon weiter. „... meine Sachen kannst du gerne behalten und... können wir uns nicht einfach mal wieder treffen und...“
„Hör mal zu, Jonas Freil.“, unterbrach ich ihn. „Wenn du deine Sachen nicht abholst, dann schmeiß' ich sie ein für alle Mal in den Müll. Wie es mir geht, geht dich überhaupt nichts an und ich unternehme auch ganz sicher nichts mit dir. Falls du es vergessen hast, hast du eine Freundin, die sicher genauso wenig davon begeistern sein wird, wenn sie hört, dass du bei mir angerufen hast, wie ich es jetzt bin!“, ich klappte das Handschuhfach zu, die CD in der Hand, und richtete mich wieder in meinem Sitz auf. „Noch weniger würde sie begeistert sein, wenn wir uns treffen würden und ich werde nicht dafür verantwortlich sein, dass ihr euch trennt.“
Ich startete den Motor, wobei sofort das Radio ansprang, öffnete das CD-Fach und schob meine CD hinein, dann drehte ich die Lautstärke etwas runter.
„Das ist doch sowieso nichts Ernstes. Du weißt doch...“, setzte er wieder an und wieder unterbrach ich ihn.
„Jonas, wirklich. Bitte. Behalte es für dich, ich will es nicht hören. Erzähl deine Lügen wem anderen. Such dir eine Andere, die mit dir in die Kiste springt oder was auch immer du von mir willst. Komm die Woche vorbei und hol' deine verdammten Sachen endlich ab und dann hat sich das Ganze ein für alle Mal erledigt. Ich leg' dann jetzt auf, ich sitze im Auto und wollte gerade heim fahren.“, ohne mich noch zu verabschieden legte ich auf und schmiss das Handy zurück auf den Beifahrersitz. Jonas' Dreistigkeit überraschte mich immer wieder auf's Neue. Da dachte ich ein einziges Mal nach Monaten wieder richtig intensiv über unsere Beziehung nach und als wäre ich verflucht rief er auf noch am selben Tag an. Wenn man vom Teufel sprach, hieß es doch so schön.
Jonas besaß tatsächlich die Unverfrorenheit noch zwei Mal anzurufen, aber ich ging nicht mehr ran. Ich hatte die Musik laut gestellt und ging nur noch meinen Gedanken nach, was beim Autofahren vielleicht nicht unbedingt die beste Idee war. Würde ich nicht automatisch jede Minute in den Rückspiegel sehen, hätte ich es nicht mal mitbekommen, wenn hinter mir ein Krankenwagen oder ein Polizeiauto mit Blaulicht herumgerauscht wäre.
Als ich zu Hause ankam war es schon sieben. Ich schmiss unachtsam den Schlüsselbund auf den Tisch im Flur, knallte die Tür hinter mir zu und schlüpfte aus meinen Schuhen. Wie erwartet war niemand zu Hause. Mein Vater hatte Spätschicht und meine Mutter war bestimmt bei einer Freundin zum Kaffeeklatsch verabredet.
Ich schlich die Treppe rauf in mein Zimmer, zog mir ein Paar Boxershorts an und fuhr meinen PC hoch. Ich hatte das plötzliche Bedürfnis mich nach Chris, Richie und Jay zu erkunden. Ich meine- ich wusste, dass sie Mitglieder in dieser Boyband waren- und seitdem ich am Abend zuvor mit Chris essen war, wusste ich auch über ihn etwas mehr- und ja, mir war klar, dass ich sie auch einfach hätte ausfragen können, bis ich sie in und auswendig kannte, aber irgendetwas in mir sträubte sich dagegen und zwang mich fast dazu mir die Informationen, die ich wollte, im Internet zusammen zu suchen. Ich wollte einfach nur wissen, mit wem ich es zu tun hatte.
Ich war etwas überfordert, als Google mir 9.710.000 Ergebnisse für das Schlagwort „US5“ ausspuckte und ziemlich überrascht, als ich bemerkte, dass sie schon einen ganzen Haufen Singels auf dem Mark hatten, von denen ich nur ihren ersten Song kannte- und auch davon nur sehr schlecht den Refrain.
Ich landete irgendwann auf einer Seite voller Bilder, nachdem ich Gesprächs- und Gerüchteforen mit Absicht aus dem Weg ging, und zog verwundert die Augenbrauen zusammen, als ich mir Chris' Fotos betrachtete. Irgendwer hatte Konzertfotos gepostet- die aus den schon länger vergangenen Tagen zeigten Chris viel öfter lächelnd als die Neusten es taten.
Das redest du dir jetzt aber wieder ein, Olivia!, ging mir durch den Kopf, aber ich hätte darauf meinen Allerwertesten verwettet, dass Chris wirklich nicht mehr allzu fröhlich aussah.
Das redest du dir sicher nur ein- du kennst ihn doch- irgendwie... er hat die ganze Zeit nur gegrinst..., ich seufzte leise. Chris ging es gut. Er war fröhlich. Das hatte ich doch bemerkt. Er hatte gestern nur gelacht.
„Verdammt nochmal, jetzt ist aber gut!“, sagte ich zu mir selbst, schloss meinen Explorer und lehnte mich in meinem Schreibtischstuhl zurück. Ich kannte Chris kaum, wusste weniger über ihn als es seine Fans taten, und stellte schon irgendwelche wirklich miesen Vermutungen über seine Gemütslage an. Wie lächerlich.
Trotzdem hatte ich das Gefühl, als müsse ich mich bei ihm melden.
Ich hatte schon zum Telefon gegriffen und im Handy seine Nummer rausgesucht, da legte ich beides wieder zurück. Er arbeitete bestimmt gerade und wollte nicht gestört werden. Er würde schon von alleine anrufen. Aber sollte nicht ICH mich auch mal melden? Ich erweckte wahrscheinlich den Anschein, als wolle ich nichts mit ihm zu tun haben. Andererseits wollte ich ihn ja wirklich nur nicht stören...
Ich war verwundert über mich selbst. Ich machte mir normalerweise nie solche Gedanken über mein Handeln. Schon gar nicht, wenn es um irgendeinen Jungen ging, den ich gerade erst kennen gelernt hatte und wahrscheinlich so bald nicht mehr sehen würde.
Wieder seufzte ich, griff nach dem Telefon und tippte die Nummer aus meinem Handy ab. Und wenn er gerade bei irgendeinem Meeting oder so war. Na und? War ja nicht meine Schuld, wenn er dabei das Handy an hatte.
Das ist die richtige Einstellung, Olivia!, sprach ich mir selber zu, als es anfing zu tuten.
Gerade als ich wieder auflegen wollte (es hatte übrigens gerade mal vier Mal geklingelt), ging er ran.
„Hey, Oli... tut mir Leid, ich hab' grad' gar keine Zeit... wir sitzen in 'nem Meeting. Ich ruf dich zurück, wenn wir hier fertig sind!“, rasselte er sofort leise runter. Wahrscheinlich stand er vor der Tür und wollte nicht, dass jemand erfuhr, dass das ein ziemlich unwichtiger Anruf war.
„Uhm... okay, dann bis- nachher...“, ich hatte den Satz noch nicht ganz zu Ende gesprochen, da tutete es auch schon wieder am anderen Ende der Leitung.
„Na klasse- du hast es mal wieder super in den Sand gesetzt, Fräulein Taylor. Eine Runde Applaus für dein Talent die Dinge zu versauen!“, murrte ich mir selbst zu und klatschte für mich; dann schmiss ich das Telefon auf mein Bett.
Jetzt führte ich schon Selbstgespräche. Es konnte also nur noch besser werden.