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Madelyn's p.o.v.


„Hey- es tut mir so Leid, dass ich mich nicht mehr gemeldet habe! Bitte nimm mir das nicht übel- eine Freundin kam überraschend zu Besuch und ich hab es einfach total verpeilt. Kann ich dich anrufen? Bitte? Richie“

Ella schien nicht überrascht über diese Nachricht zu sein. Ganz im Gegenteil. Wir fachsimpelten noch eine Weile über die böse Krankheit „blonder Amerikaner, dessen Name mit R anfängt“, bevor wir dann auflegten und ich mir wieder mein Handy nahm.
Es fiel mir nicht leicht auf diese Nachricht zu reagieren. Auf eine gewisse Art und Weise war ich ihm sauer. Sicher konnte er nichts dazu, dass er mich einfach so sehr an Ryan erinnerte und ein Mitgrund dafür war, dass mein Körper sich anfühlte wie ein Wrack- aber irgendetwas in mir wollte ihm noch nicht so leicht verzeihen. Ich trippelte eine Weile auf dem Display meines Handys, ehe ich beschloss ihm zu antworten.
Er kam mir zuvor. Das bis eben noch schwarze Display leuchtete auf und der Name „Richie“ blinkte in blauen Buchstaben darauf. Ich seufzte kurz, schluckte noch einmal, um ja sicher zu gehen, dass er auf keinen Fall mitbekommen würde, dass ich geweint hatte und drückte auf den grünen Knopf.
„Hallo?“- als ob ich nicht wusste, wer am Telefon war.
„Lynn, hier ist Richie. Hast du meine Nachricht bekommen?“, er schien etwas nervös zu sein. In seiner Stimme lag etwas dringliches- eine Spur von Angst. Wie ich das deuten sollte, wusste ich nicht. Ich kannte ihn nicht. Und das sollte auch so bleiben, nach diesem Nachmittag.
„Ja“, antwortete ich knapp, räusperte mich und schloss meine Augen. Wahrscheinlich keine gute Idee, denn das funkelnde Lächeln des blonden Jungens schoss mir in den Sinn und trieb mich beinahe in den Wahnsinn.
„Es tut mir wirklich Leid. Ich weiß ich bin ein Idiot, aber ich hab einfach die Zeit vergessen und...“
„Schon gut“, ich unterbrach ihn. Ich wollte seine leeren Worte jetzt nicht hören. Er wusste genug von mir, um zu wissen, dass ich im Moment verletzlicher war, als ich es je hätte sein dürfen.
Er wusste zu viel.
„Nein wirklich Madelyn- das war einfach nur dumm von mir und... ich möchte das wieder gut machen“
„Es ist in Ordnung- du musst dich nicht rechtfertigen, aber ich hab jetzt wirklich keine Zeit und...“
Ein sanftes „Bitte?“ unterbrach mich. Es fiel mir schwer die Kontrolle zu behalten. Am liebsten hätte ich geschrien. Ihm gesagt er solle sich doch zu seiner rothaarigen Begleitung verpissen und mich in Ruhe lassen. Mir meine Zeit nicht nehmen, die ich so wunderbar damit verbringen konnte an den Erinnerungen von Ryan fest zu klammern. Ich atmete tief durch und öffnete meine Augen wieder.
„Ich hab keine Zeit- vielleicht melde ich mich die Tage mal“, sagte ich und hörte beim Auflegen nur noch ein leises „Lynn, nein...“.
Richie, nein.
Ryan hatte es geschafft mich kaputt zu machen. Ich erwartete keinerlei Mitleid von Richie. Ich erwartete nichts, als Verständnis. Der vergangene Abend hatte uns auf eine gewisse Art zusammengebracht. Gezwungenermaßen. Aber die Intention dieser Begegnung war verloschen. Ich schien mich schlichtweg in ihm getäuscht zu haben. Genauso sehr wie ich mich in Ryan getäuscht hatte. Die unvermeidbaren Tränen schossen mir wieder in die Augen. Ich verlor den Kampf gegen sie und ließ ihnen freien Lauf.
Es war wie ein böser Kreislauf. Eine Endlosschleife, die sich wieder und wieder wiederholte.
Das Handy neben meinem Kopfkissen vibrierte erneut und als ich die angekommene Nachricht öffnete wurde mein Atem wieder gleichmäßiger.

„So schnell lass' ich nicht locker! In einer Stunde auf dem Dach? Ich werde dort auf dich warten...“

Ich fand es süß. Fand es zum Kotzen- und doch wieder süß. Um es mir ehrlich einzugestehen: Ich konnte Richie nicht einschätzen und er wurde von Minute zu Minute ein größeres Fragezeichen für mich. Erst schenkte er mir seine Aufmerksamkeit, ließ mich in seinem Schoß schlafen und streichelte mir dabei sogar übers Haar, dann versetzte er mich, um sich eine schöne Zeit mit seiner rothaarigen Freundin zu machen und dann versuchte er alles, um mich wieder zu sehen. Nicht, dass mir so etwas irreales oft passierte. Nicht, dass mein Leben immer so war, wie ein schlechter Film- aber irgendwie deutete im Moment alles daraufhin. Ich wollte mich nicht auf dieses alberne Spiel einlassen. Wer war diese Typ denn, um mein Gefühlsleben so sehr zu beeinflussen, ohne dass er mir wirklich etwas tat? Sollte es nicht reichen, dass Ryan mir Tag für Tag das Leben zur Hölle machte- allein durch seine Nichtanwesenheit?
Und woher sollte ich wissen, dass er mich nicht wieder sitzen ließ?
„Ich werde nicht kommen. Mach dir keine Mühe“ - ich sendete die Nachricht so ab und steckte mein Handy unter mein Kissen. Sollte er mich doch mit Nachrichten und Anrufen terrorisieren wie er wollte. Ich würde einfach nicht darauf reagieren.
Ich nahm mir die Creme, die der Arzt mir verschrieben hatte und ging mit ihr ins Bad, um sie auf der Wunde zu verteilen. So schnell würde ich die ganze Geschichte wohl nicht vergessen- zumindest nicht, bis alles abgeheilt war. Und genau wie die Wunde auf meinem Kopf, würde die Wunde in meinem Herzen wohl auch noch seine Zeit dort verweilen, ehe sie verschwand. Ich ließ sie kurz einziehen und stellte mich dann unter die Dusche, um den ganzen Dreck sinngemäß von meiner Seele und meinem Körper zu spülen. Das heiße Wasser belebte meinen kalten, lieblosen Körper wieder. Das Atmen fiel mir leichter und die Last des Tages fiel ein wenig von mir. Ich stellte das Wasser aus und wickelte meinen Körper in ein Handtuch ein. Auf dem Weg zurück in mein Zimmer- neben Ella die wahrscheinlich einzig wahre Zuflucht in diesen Zeiten- statte ich meinem besorgt blickenden Bruder im Wohnzimmer einen Besuch ab. Der Fernseher lief und sein Blick war auf ihn gerichtet, doch er schien nicht zu zuhören. Er war in sich gekehrt und verzweifelt, als er seinen Blick mir zurichtete.
„Madelyn“, seufzte er und zog mich an meiner Hand neben ihn auf das Sofa. „Ich kann das wirklich nicht mehr mit angucken... Ich verstehe dich nicht mehr. Mir tut es weh, dich so zu sehen und ich weiß langsam nicht mehr wie ich damit umgehen soll“ Er seufzte und sah mich an, als würde er etwas suchen. Ich spürte förmlich wie sein Blick mein Gesicht abtastete und an der Wunde auf meinem Kopf hängen blieb. „Ich kann dich nicht mehr beschützen“, hauchte er und sah mich entschuldigend an. Meine Hände fingen an zu zittern. Die Stärke seiner Worte stellte mir meine Armhärchen zu Berge. Eine Gänsehaut lief mir kalt den Rücken herunter. „Vielleicht ist es besser, wenn du wieder zu Mama und Papa ziehst!“ Seine Worte kamen mit einer selten widerlichen Ekligkeit, dass es sich anfühlte, als hätte er mir gerade einen Schlag genau in die Magengrube versetzt.
„Nein- Benjamin. Ben du kannst mich nicht wegschicken! Ich will hier bleiben- ich bemühe mich doch auch wieder auf die richtige Bahn zu kommen, aber bitte...“ Die letzten Worte meines Satzes blieben mir im Hals stecken und er nahm mich in den Arm und drückte mich fest gegen seinen Körper.
„Ich will nur das Beste für dich, verstehst du? Ich hab Angst- Angst dich zu verlieren. Angst davor meine kleine Madelyn Christine nicht mehr zu finden“
Ich presste meine heiße Wange gegen seine Schulter und sog seinen Geruch ein. „Ich bin hier“, hauchte ich. Ben drückte mich leicht von sich und sein Blick schien nun entschlossener und sicherer. „Versprich mir, dass du endlich wieder aufstehst! Versprich mir, dass du endlich von diesem dreckigen Bastard los lässt und nach vorne blickst!“ Ich musste schlucken. Die Art, wie er von Ryan redete war nichts Neues. Ich musste mir eingestehen, dass er Recht hatte. Aber so grausam wie Ryan zu mir war, ich liebte ihn immer noch. Das Versprechen, das ich meinem Bruder gab, war nur das Versprechen eines Versuches. Aber in diesem Moment hätte ich wahrscheinlich alles getan, damit er mich nicht wieder zurück zu meinen Eltern abschieben würde.
Ich gab ihm einen Kuss auf die Stirn und stand auf, um mich anzuziehen. Die Worte meines Bruders, mein Rückfall, Richie, der mich versetzt hatte- all das war viel zu viel für einen einzigen kurzen vierundzwanzig Stunden Tag. In meinem Zimmer öffnete ich die Fenster, damit der schwere Geruch aus einer Mischung von Ryans Parfüm, Tränen und Schweiß verschwinden würde und zog mir ein weißes T- Shirt und einen Jeans Rock an.
An der Haustür klingelte es- ich hörte wie Ryan die Tür öffnete und mit einer Männerstimme redete. Vermutlich der Nachbar, der sein Päckchen abholen wollte.
Ich steckte meinen Föhn in die Steckdose neben den Schrankspiegel und trocknete meine Haare. Vermutlich war der Föhn so laut gewesen, dass ich ein Klopfen an der Tür meines Zimmers überhört haben musste, denn als sich die Tür von außen öffnete und ich in das Gesicht des blonden Amerikaners blickte, der hinter meinem Bruder stand, wollte ich meinen Augen nicht glauben und ließ vor lauter Schreck den Trockner fallen.