Gratis bloggen bei
myblog.de

Mini Twitter



follow Zwei_Sommer at http://twitter.com


Affiliates



become?


Icon Of The Month

Wettbewerb


Where you can reach us




To say

It's time for you
to see yourself



Olivia's p.o.v.


Wir telefonierten noch eine ganze Weile. Die SMS die sie erreichte gab uns nur den Anstoß dazu weiter über blonde Amerikaner, deren Name mit einem R begann zu sinnen. Krankheit. Hoffentlich war sie nicht ansteckend.
Nachdem wir aufgelegt hatten, war meine Stimmung etwas zwigespalten. Eigentlich ging es mir nach dem gestrigen Abend sehr gut, aber die Tatsache, dass es Lynn nicht so gut ging zerriss mich etwas.
Sie war noch ziemlich angeschlagen von Ryan und in gewisser Hinsicht war Richie ihm sehr ähnlich, was sie dazu brachte von Anfang an eine sehr starke Beziehung zu ihm aufzubauen, vielleicht ohne, dass ihr das bewusst war. Sie steigerte sich da in etwas hinein, das eigentlich gar nicht da war.
Ich seufzte leise und stellte das Telefon auf seine Station zurück, bevor ich mich seufzend auf die Couch in meinem Zimmer sinken ließ und den Kopf in den Händen versteckte.
Lynn erinnerte mich manchmal sehr an mich, dabei waren wir von Grund auf verschieden. Vor allem in Herzensangelegenheiten. Seit das mit Jonas und mit auseinander gegangen war, war ich praktisch unerreichbar und verdammt vorsichtig geworden. Um nicht wieder verletzt zu werden, hatte ich eine zehn Meter hohe Mauer um mich herum gebaut, durch die auch Lynn nur schwer wieder zu mir gekommen war. Sie hingegen war schon immer viel offener gewesen- vorhersehbarer Weise musste es also irgendwann in die Hose gehen, wobei ich nie von Ryan erwartet hätte, dass er ihr das antut. Vielleicht wäre alles einfacher gewesen, wenn er einfach aus ihrem Leben verschwunden wäre- ihr einen Zettel da gelassen hätte oder so... denn es gab keine glatten Brüche. Das war die reine Wunschvorstellung von Jungs, die eine Beziehung am schnellst möglichsten beenden wollten.
Unwillkürlich glitten meine Gedanken zurück zu Jonas. Wir waren schon über ein Jahr nicht mehr zusammen und hatten auch eigentlich nichts mehr miteinander zu tun, seit ich damals den Kontakt nach einer Weile ganz abgebrochen hatte, weil ich es in seiner Gegenwart nicht mehr aushielt. Mein Liebeskummer war schon lange verflogen. Aber trotzdem war ich in gewisser Art und Weise eifersüchtig auf seine neue Freundin. Denn sie war nicht einsam- obwohl sie mit Jonas nicht unbedingt die treuste Wahl getroffen hatte.
Ich lernte ihn damals durch eine Freundin kennen, aber ich war mir sehr sicher, dass ich niemals etwas mit ihm anfangen würde. Ich wollte etwas Festes. Eine Beziehung, die auf Vertrauen basierte. Jonas war einfach nicht der Typ für eine feste Beziehung. Er hatte ständig eine Neue, war jedes Wochenende auf Partys, um sich ein neues Betthäschen klar zu machen und war auch bei mir anfangs nur darauf aus mich in die Kiste zu kriegen. Und genau das war es, was ich ihm nicht geben wollte. Nur eine Nacht, die ihm nichts bedeutete.
Ich kannte mich gut. Eine Nacht konnte meine komplette Gefühlslage verändern. Dann würde aus reiner Sympathie nur wegen einer Nacht etwas werden, das mir das Herz zerbrechen konnte. Und das wollte ich nicht.
Aber Jonas gab nie auf. Er rannte mir nicht hinterher. Er rief mich nicht an, um etwas mit mir zu unternehmen. Er schrieb mich nicht an, wenn ich online ging. Aber wenn wir uns trafen- ungeplant, mitten in der Nacht oder mittags in der Stadt, dann machte er mehr als deutlich, dass er mich wollte und er machte kein Geheimnis daraus oder scheute sich es mir ins Gesicht zu sagen. Und obwohl meine Antwort über vier Monate lang immer bei einem Nein blieb, ließ er nie locker.
Das war es, was mich so magisch an ihn band. Er war unerreichbar und trotzdem wollte er mich. Er gab sich keine Mühe und trotzdem versuchte er es immer wieder und widersprach sich damit selbst. Und ihn zog meine Unnahbarkeit an.
Die Wochen vergingen und ich wusste genau, dass es nicht schwer sein würde sich wirklich in ihn zu verlieben. Und es interessierte mich wie er wirklich war. Was er mochte, was er wollte. Die Dinge, die er gerne tat, außer sich wieder eine Neue ins Bett zu holen. Ich wollte ihn besser kennen lernen.
Als wir uns irgendwann zusammen mit einer Freundin und seinem besten Freund in einem Club trafen, änderte sich alles schlagartig. Nach nur wenigen Stunden war ich alleine mit ihm. Unsere Freunde hatten sich verdrückt – wobei man erwähnen sollte, das die beiden damals darauf aus waren, mich mit Jonas zu verkuppeln – und es war so spät, das der nächste Bus nach Hause erst drei Stunden später kommen würde. Weil ich ziemlich betrunken und eigentlich tot müde war, entschlossen wir uns schließlich zu ihm zu gehen, da er in der Nähe des Clubs wohnte und wir zu Fuß ohne Probleme in einer viertel Stunde bei ihm sein konnten.
In dem stockdunklen Zimmer lagen wir still nebeneinander und außer, dass es mir schien, als würde sich das Zimmer um mich drehen, merkte ich nicht mal, wie er sich vorsichtig zu mir drehte und sanft nach meiner Hand griff.
„Wärst du nicht so unnahbar, könnte ich mich vielleicht sogar in dich verlieben!“, hatte er gesagt und plötzlich schien es aufzuhören sich zu drehen und ich war wieder völlig klar im Kopf – dachte ich.
„Wärst du nicht so gefährlich für mein Herz, könnte ich mich vielleicht in dich verlieben!“, antwortete ich nur leise und drehte mich zu ihm, wobei seine Finger meine etwas fester umklammerten.
Anstatt etwas zu erwidern, lächelte er mich sanft an, rückte noch ein Stück an mich heran und legte seine freie Hand an meine Wange. Sein Daumen strich über meine Haut, seine Lippen näherten sich meinen und er küsste mich nur vorsichtig. Er ließ mir die Chance weg zu rennen. Aber ich blieb, obwohl ich genau wusste, dass es in dieser Nacht nicht bei einem Kuss bleiben würde.

There's really no way to reach me
There's really no way to reach me
Is there really no way to reach me
Am I already gone?


Seit dieser Nacht waren wir zusammen. Auch wenn ich zugeben muss, dass ich anfangs Angst davor hatte, konnte ich ihm von Tag zu Tag mehr vertrauen. Noch ganz am Anfang unserer Beziehung erfuhr mein Bruder von seiner Krankheit. Jonas und er kamen gut miteinander zurecht und ich glaube, er gab sich damals Mühe mich zu verstehen. Er war der einzige, der meine Tränen trocknen konnte. Der einzige, der mich ablenken konnte. An manchen Tagen lag ich stundenlang weinend in seinen Armen – und er wog mich hin und her, bis ich eingeschlafen war. Er tat das immer – ohne zu hinterfragen, ohne etwas dafür zu verlangen. Er tat es, weil er mich liebte. Und ich glaube, er würde es auch heute noch für mich tun. Mich einfach still festhalten. Aber die Zeiten waren schon lange vorbei. Es hielt mich schon lange niemand mehr fest.
Nach zehn Monaten einer glücklichen Beziehung erfuhr ich von seinem besten Freund, dass er mich betrogen hatte. Im Vollrausch, aber das war keine Entschuldigung für mich. Ich versuchte ihm zu verzeihen. Ich versuchte es zu verstehen, aber nach einem weiteren Monat, in dem wir uns nur noch stritten, beendete er die Beziehung. Zu meinem Leidwesen, denn eigentlich hätte ich sofort nachdem ich erfahren hatte, dass er mich betrogen hatte, schluss machen sollen.
Das Ganze kratzte ziemlich an meinem Ego und vor allem zerbrach es mir das Herz, denn ich liebte Jonas über alles- trotz der Tatsache, dass er mir weh getan hatte. Und ich wollte ihn zurück.
Wir liebten uns beide noch- aber es funktionierte einfach nicht. In manchen Nächten, wenn ich mich nach ihm sehnte, stand ich einfach vor seiner Haustür- wir hatten Sex und bis zum nächsten Morgen war alles wieder so, als wären wir noch zusammen. Aber wir wussten beide, dass das so nicht funktionierte und so brach ich nach einiger Zeit den Kontakt gänzlich ab.

Maybe in five or ten yours and mine will meet again
Straighten this whole thing out
Maybe then honesty need not be feared as a friend or an enemy
This is the distance
And this is my game face

[ The Fray – Vienna ]


Mir ging es monatelang schlecht, ich verließ kaum das Haus und nicht mal Lynn bekam mich zum Lächeln. In dieser Zeit schwor ich mir, nie wieder jemanden so nah an mich heran zu lassen. Und ich tat so, als würde es mir nichts mehr ausmachen. Als würden mich seine neuen Frauengeschichten nicht mehr interessieren. Und ich fing an wieder zu leben. Zumindest spielte ich meine Rolle gut.

Ich hoffte wirklich, dass Lynn nicht genauso enden würde wie ich. Ich betete zu Gott, dass ich die Anzeichen nicht übersah, dass sie nicht auch eine Mauer um sich herum aufbaute. Denn alleine zu sein tat weh.
Ich sank vor der Couch auf den Boden, zog die Beine an und versuchte ruhig zu atmen, um die Tränen zu unterdrücken, die sich in meine Augen schlichen. Und bis auf eine einzelne, heiße, gelang es mir auch sie zu bändigen.
Mit zittrigen Fingern wischte ich die feuchte Spur von meiner Wange, rappelte mich wieder auf und schnappte mir meine Autoschlüssel. Ich würde ins Krankenhaus fahren, schließlich hatte ich Noah heute noch nicht besucht.

Es wunderte mich, dass niemand bei Noah war, als ich ankam, aber als er mir erzählte, dass er in der nächsten Woche heim durfte, fiel mir einer der vielen Steine vom Herzen. Wir alle hassten dieses Krankenhaus.
„Wie war dein Date gestern?“, fragte er und ein Lächeln huschte über seine Lippen, als er meinen Blick sah.
„Das war kein Date!“, antwortete ich nur spitz.
„Soso- wie war also deine Verabredung?“, er betonte das Wort extra und sein Lächeln verwandelte sich in ein spitzbübisches Grinsen.
„Es war schön!“, sagte ich nur und drehte mich wieder dem Fenster zu, doch er griff nach meiner Hand und zog mich zu sich auf's Bett.
„Du musst diese Schutzmauer endlich niederreißen, Olivia. Nicht jeder will dir etwas Böses. Auch Jonas wollte das damals nicht und auch ich will das nicht. Du darfst dich nicht verkriechen, weil dich Menschen verlassen, sonst bist du irgendwann alleine und das will ich nicht. Ich will nicht gehen mit dem Wissen, dass meine einzige Schwester niemanden hat, der auf sie aufpasst.“, er strich mir sanft über die Wange und ich senkte den Blick.
„Ich will niemanden. Ich komme alleine gut zurecht!“, murmelte ich leise aber Noah schüttelte den Kopf.
„Du läufst seit Monaten wie tot durch die Gegend. Als wäre in dir drin etwas gestorben.“
„Da ist nichts mehr, Noah. Alle Menschen, die ich liebe verlassen mich. Erst Opa, dann Dennis, jetzt bist du so krank und Mama und Papa schon so alt. Und Jonas ist auch weg und ich will niemanden, der sowieso keine Zeit für mich hätte. Es geht mir gut alleine!“, beharrte ich stur, aber meine Stimme zitterte.
„Opa war achtzig. Und er hatte Krebs. Es war an der Zeit für ihn. Und das mit Onkel Dennis war eine schlimme Sache- das war ein Unfall für den niemand etwas konnte. Und mir geht es momentan gut. Ich bin fit wie ein Turnschuh. Du wirst schon sehen. Wir schaffen das. Außerdem sind Mama und Papa noch gar nicht so alt.“
„Papa ist 63, Noah. Er IST alt. Das kannst du nicht abstreiten. Und er hat Opas Veranlagung, und du auch. Man sieht es doch. Verdammt Noah, hör auf alles gut zu reden. Es ist nichts gut. Gar nichts. Alle verlassen mich und irgendwann steh ich ganz alleine da und dann ist das besser als alleine und mit zehnfach gebrochenem Herzen da zu sein!“
Tränen sammelten sich in meinen Augen und Noah seufzte.
„Bitte. Versuche dich etwas zu öffnen. Manchmal muss man ein Risiko eingehen um etwas Gutes zu ermöglichen, und vielleicht tut dir dieser Chris gut.“
„Er hat keine Zeit für mich!“
„Vielleicht bildest du dir das nur ein!“, sagte Noah etwas lauter als vielleicht beabsichtigt und ich schreckte leicht auf. „Vielleicht willst du einfach, dass das so ist, weil du ein verdammter Angsthase bist. Aber so wird nie etwas besser. Wenn du dich deinen Ängsten nicht stellst, wird es immer so für dich bleiben!“
Das gab mir den Rest. Ich brach in Tränen aus.