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Madelyn's p.o.v.


Mir war schlecht. Das Blut in meinem Kopf pochte wie wild gegen meine Schädeldecke. Völlig außer Atem von dem Rennen blieb ich an einer Hauswand stehen und lehnte mich schwer atmend an diese an. Meine vom Schweiß verklebten Haare hingen mir im Gesicht, aber ich fühlte mich einfach zu leer- zu kaputt und zu verlassen, um sie mir aus dem Gesicht zu streichen.
„Scheiße“, fluchte ich, als es mir die schmerzenden Tränen in die Augen jagte und ich mich an der Wand nieder sinken ließ, um mich auf den Boden zu setzen. Ich zog meine Beide an und schlang meine Arme um diese. Vorsichtig wog ich mich selbst langsam hin und her und kniff die Augen zusammen. Das schmerzende Loch in mir klaffte schon wieder auseinander und zog mich mit all meinen Emotionen, Gefühlen und Hoffnungen in sich.
Ich atmete mehrmals tief durch und wischte mir mit der Handfläche über die nassen Wangen.
Es war nicht die Tatsache, dass Richie mit einem anderen Mädchen unterwegs war- nicht die Tatsache, dass er mich offensichtlich wegen ihr versetzt hatte- es war einfach die Tatsache, dass mich genau in diesem Moment einfach alles so unglaublich an Ryan erinnerte. Ryan, der mich auch wegen einer anderen versetzte- mein wunderbarer Ryan.
„Du dummer Idiot“, zischte ich gegen mein Knie. Die Tränen liefen mir heiß über die Wangen und tropften an meinen Lippen ab, ehe ich meine Worte schon wieder bereuhte. Ich konnte ihn noch nicht vergessen- noch nicht jetzt. Ryan war alles was ich hatte, was ich wollte, kein anderer konnte mich ihn vergessen lassen und ein Richie machte die ganze Sache nur noch viel schlimmer. Es war als ob mit ihm alles gegangen war, was mich am Leben hielt. Nicht das oberflächliche Leben- das Leben, das mein Herz erhellte, mich glücklich machte und mich erfüllte. Ich wollte jetzt nur eines- in seinen Armen liegen, dem beruhigenden Brummen seiner Stimme zuhören und seine Haut an meiner spüren. Ich schloss meine Augen und atmete wieder flacher ein und aus.
Der Wind streichelte mir über den Nacken- genau wie Ryan es sooft getan hatte und für einen kleinen Moment meinte ich seine Stimme gehört zu haben, doch als ich die Augen öffnete und suchend auf sah, befand sich keine Menschenseele auf der sonst so belebten Straße.
„Was hast du nur mit mir gemacht“, hauchte ich leise und stellte mich wieder auf. Ich wischte mir erneut über mein Gesicht, klopfte den Straßendreck von meinen Hosen und blieb noch einen kurzen Moment stehen und sah mich um, ehe ich mir den Weg nach Hause bahnte.
Dort angekommen, eilte ich in mein Bett und umarmte mein Kissen. Ich wollte nicht alleine sein. Ich wollte bei ihm sein- zurück zu ihm und nur zu ihm. Ich öffnete meine Schublade und holte ein kleines blaues Fläschchen aus ihr. Es war sein Parfüm- Ryans Parfüm- sein wunderbarer Geruch. Eigentlich war es wie eine Droge für mich. Im ersten Moment beruhigte es mich unheimlich und erfüllte mich mit Geborgenheit- im zweiten Moment jedoch schon hätte ich mich ohrfeigen können dafür, dass ich es wieder nicht geschafft hatte, es zu lassen. Von ihm los zu lassen.
Der süßlich herbe Geruch erfüllte mein ganzes Zimmer, besonders mein Kissen und ich bettete meinen Kopf betäubt von diesem Geruch auf dieses und schloss meine Augen. In diesem Moment konnte ich ihn so klar und deutlich sehen, spüren, hören, fühlen- wie sonst nie. Ich wusste diesen Augenblick konnte ich nicht all zu lange auskosten, denn sobald sich der Geruch neutralisiert hatte, würde ich wieder alleine hier sein- ohne meine klare Erinnerung an den Jungen, dem ich mein Leben geschenkt hätte- und immer noch schenken würde. Ich wusste, wenn es dann soweit war, würde ich wieder in dieses grausame Loch fallen, das in mir aufklaffte.
Und schneller als erhofft war es auch schon wieder soweit und ich merkte wie mein Körper auf diesen Verlust mit einem Schweißausbruch reagierte.
„Ryan“, flüsterte ich und die unvermeidbaren Tränen kullerten mir wieder über mein Gesicht. Ich merkte, dass meine Augen angeschwollen waren und jede Träne die sie verließen unheimlich weh tat, aber ich wusste den Schmerz nicht anders zu vermeiden und so gab ich mich ihm einfach hin.

Ich hörte die Tür ins Schloss fallen. Ben musste gekommen sein. Anstatt zu mir ins Zimmer zu kommen und nachzuhacken, was mit mir los war, ging er ins Wohnzimmer und schien etwas zu suchen. Ich lauschte aufmerksam seinen Schritten.
„Bitte rede mal mit ihr“ Bruchteile seiner Worte kamen bei mir an, ehe ich hörte wie seine Schritte immer lauter wurden und er meine Zimmertüre öffnete und mit dem Telefon in der Hand hinein kam. Ich sah den Schmerz und den Hass auch in seinen Augen, darum versuchte ich mein Gesicht so gut es ging vor ihm zu verstecken. Ich wusste, dass er es nicht leiden sehen konnte, mich so zu sehen- das war für ihn die reinste Hölle, aber dem Schmerz konnte ich in diesem Moment einfach nicht entgehen.
„Olivia“, erklärte er und legte das Telefon in meine Hand und verließ danach direkt wieder mein Zimmer. Mir war klar, dass er sie angerufen haben musste, damit sie mich beruhigen würde und sich meinen Kummer anhörte- das tat er nur all zu oft, obwohl er wusste, dass es mir lieber war einfach in meinen Schmerzen zu versinken und keinen damit zu belasten. Sie abdrücken konnte ich in diesem Moment jedoch auch nicht, deswegen atmete ich noch einmal tief durch, räusperte mich und hielt mir das Telefon ans Ohr.
„Hallo“, murmelte ich in den Hörer und versuchte meine Stimme so gut es ging zu verstellen.
„Lynn? Was ist passiert?“, sprach sie besorgt mit ihrer fürsorglichen Stimme in das Telefon.
„Das übliche- nichts weiter“, log ich und drehte mich in meinem Bett.
„Was ist passiert?“, wiederholte sie mit ernster Stimme und einem gewissen Druck darin.
Ich wollte nicht darüber reden- das Loch war doch schon so unheimlich weit aufgeklafft- noch mehr würde mich doch zerreißen.
„Er hat angerufen- versprochen sich zu melden und hat das dann aber doch nicht getan. Ben und ich sind dann was essen gegangen und da war er- mit irgendeiner Rothaarigen. Nicht dass mich dieser Typ kümmert- es erinnert mich einfach nur alles an...“, sie unterbrach mich. Sicher wollte Ella seinen Namen nicht hören- sie verabscheute ihn ja regelrecht, seit er mich sitzen gelassen hatte.
„Wer ist er?“, fragte sie immer noch mit ernstem Unterton und ich konnte mir nur zu gut vorstellen wie sie bei sich zuhause saß und nervös mit ihrem Zeigefinger auf den Tisch tippte. Diese Angewohnheit verfolgte Ella schon ewig- wenn ihr etwas nicht passte- sie wütend oder sauer war, dann tippte sie gerne mit ihrem Zeigefinger auf Tische.
„Richie- dieser kleine Blonde vom Dach“, antwortete ich erklärend, obwohl mir klar war, dass sie sich darüber bewusste war, wer Richie ist. Einen kurzen Moment schwieg sie und fuhr dann fort.
„Sicher, dass er das war? Ich meine in Berlin laufen tausend kleine Blonde Jungs rum“
„Und wenn schon? Er hat gesagt er meldet sich- sogar mit Zeitangabe! Nichts- rein gar nichts! Außerdem bin ich mir sicher, dass das er war... Sein Lachen“
Ich musste schlucken. Dieses strahlende Lachen hätte ich wahrscheinlich unter Tausenden erkannt und die markanten Gesichtszüge auch.
Ich hörte wie sie sanft lachen musste und wurde stutzig.
„Ich find' das gar nicht lustig“, sagte ich überrascht von dieser ihrer Reaktion und grummelte in das Telefon.
„Ich glaube du solltest dich in Zukunft einfach fern halten von kleinen blonden Amis, deren Name mit R anfängt- das ist 'ne böse Krankheit!“, erklärte sie immer noch mit einem ironischen Unterton, doch mir war alles andere als zum Lachen zu Mute. Als sie merkte, dass ich für solche Witzeleien im Moment keinen Nerv hatte, räusperte sie sich wieder und schlug einen ernsten Ton an.
„Lynn- Kleines, du weißt, du hast etwas besseres verdient als Ryan. Dieser gottverdammte Idiot ist weg, mach dir das doch bitte klar! Und dieser Richie- dieser, dieser...“
Sie schien nach der richtigen Bezeichnung für ihn zu suchen.
„Idiot?“, fragte ich und seufzte.
„Ja, dieser kleine Scheißer! Den knöpf ich mir auch mal vor“, sagte sie und jetzt wurde das Zeigefinger-Getippte deutlich hörbar.
Ich wollte nicht weiter darauf eingehen- es tat zu weh immer wieder verletzt zu werden und Salz in die Wunde zu schütten.
„Können wir über was anderes reden?“, murmelte ich in den Hörer und drehte mich erneut in meinem Bett.
„Sicher“
„Was hast du gestern noch so gemacht?“, fragte ich um so schnell wie möglich auf ein anderes Thema zu kommen.
„Oh- uhm. Ich war im Krankenhaus bei Noah- hab ein bisschen was mit Fabi im Park unternommen und ja, das war es auch eigentlich schon im Groben“, erklärte sie und schien auch schnell von diesem Thema ablenken zu wollen.
„Morgen hat dein Vater Geburtstag“, lenkte sie ein.
„Woher zum Teufel weißt du das?“, fragte ich. Noch nicht einmal ich, seine eigene Tochter, hätte daran gedacht, wenn mich Ben nicht daran erinnert hätte.
„Ich bin allwissend- das weißt du doch“, erklärte sie.
„Mh- wir gratulieren ihm. Also Ben und ich- ausnahmsweise“, sagte ich und verdrehte die Augen.
„Brav- und wie war die Nachtschicht?“
„Anstrengend, aber gut...“ Ich wollte ihr gerade von dem Bild erzählen, das ich in meiner Schublade gefunden hatte, als mein Handy vibrierte.
„SMS“, erklärte ich schnell, legte das Telefon bei Seite und nahm das Handy aus meiner Tasche.
Ich las den Namen des Absenders und musste stark schlucken.