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Olivia's p.o.v.


Wir saßen in der hintersten Ecke an einem der riesigen Fenster, trotz dessen war das Licht in dem Restaurant gedämpft und auch von draußen wurde es hier drin nicht wirklich heller, denn die Sonne war fast gänzlich untergegangen. Dafür stand der Mond am Himmel.
Ich hatte die Hände auf dem weißen Tischtuch gefaltet und mich ein Stück zu Chris gegenüber von mir gelehnt, um mich besser mit ihm zu unterhalten. Er hatte sich zwar im Stuhl zurück gelehnt, dafür saß er aber nah am Tisch.
„Und- wie war euer Tag heute noch, außer dass die BRAVO bei euch war?“, fragte ich und konnte mir ein kleines Lächeln nicht verkneifen, als ich seine Wortwahl wiederholte. Auch Chris lächelte.
„Als ich dich angerufen habe hatten wir gerade Pause, wenn man es so sagen will. Danach hatten wir noch ein Radiointerview und waren beim Offenen Kanal... Ich hätte es eigentlich nicht geschafft rechtzeitig bei dir zu sein...“
„Und wieso warst du dann doch auf die Minute genau pünktlich?“, ich beugte mich noch ein Stück weiter vor und zog eine Augenbraue hoch, während ich ihn genau musterte.
„Das mit dem Offenen Kanal haben wir dann weitergehend auf morgen verschoben...“, er lächelte standhaft weiter, aber meine Augenbraue zog sich noch höher.
„Hoffentlich nicht wegen mir!“, sagte ich trocken aber bestimmt und ich hätte wetten können einen kurzen Augenblick Enttäuschung in seinen Augen zu lesen, dann zuckte er mit den Schultern.
„Sagen wir, du warst der Auslöser!“, ich setzte an etwas darauf zu erwidern, aber Chris hängte noch schnell ein: „Aber die Jungs waren auch froh früher zurück ins Hotel zu kommen!“ an.
„Du solltest das wirklich nicht wegen mir machen...“, ich meinte es ernst, und so klang ich auch, als ich den Blick kurz auf meine Hände senkte. Meine Finger verkreuzten sich ineinander, dann sah ich Chris wieder an und schüttelte den Kopf leicht.
„Na mach dir mal keine Sorgen um meinen Job!“, er lachte leise auf. „Obwohl ich's süß finde!“, auch er beugte sich jetzt nach vorne über den Tisch und umschloss mit seiner Hand meine.
Ich schluckte schwer, leckte mir nervös über die plötzlich trockenen Lippen und wollte gerade meine Hände zurückziehen, da kam die Bedienung und stellte sich übertrieben freundlich lächelnd neben uns an den Tisch.
Chris rückte von mir ab und lehnte sich wieder zurück in seinen Stuhl. Glück Gehabt.
Die schwarzhaarige junge Frau reicht uns die Karten und zupfte dann einen Notizblock aus ihrem Gürtel.
„Wissen Sie schon, was Sie trinken möchten?“, fragte sie und verschwand dann mit federnden Schritten wieder, nachdem wir bestellt hatten.
Ich blätterte durch die Seiten, obwohl ich eigentlich schon wusste, was ich essen wollte und legte die Karte erst dann bei Seite, als auch Chris seine schloss.
„Warst du den ganzen Tag mit deiner Nichte im Park?“, fragte Chris nach einer kurzen Stillepause und ich schüttelte leicht den Kopf.
„Nein... eigentlich war ich bei meinem Bruder im Krankenhaus.“, antwortete ich dann und verschränkte wieder die Finger.
Die Bedienung kam, nahm die Karten und die Bestellung an sich und schwebte erneut davon.
„Hoffentlich hat er nichts schlimmes...“, Chris musterte mich kurz und ich seufzte.
„Können wir- über etwas anderes reden?“, fragte ich dann und strich mir die Haare aus dem Gesicht. „Das ist wirklich nicht mein Lieblingsthema und-“, ich konnte meinen Satz nicht zu ende sprechen, denn Chris schob schon verstehend eine Hand zu mir rüber.
„Schon gut, reden wir über etwas anderes...“
Ich nickte, warf dann einen kurzen Blick aus dem großen Fenster in die Dunkelheit und sah dann wieder zu dem blonden jungen Mann mir gegenüber.
„Also- hast du überhaupt schon geschlafen?“, fragte er und ich schüttelte den Kopf.
„Nein... seit wir heute morgen von dem Dach runter gekommen sind, hab ich kein Auge zugetan!“, antwortete ich ehrlich und in dem Moment wurde mir bewusst, dass ich eigentlich schon den ganzen Tag irgendwie schwächelte. Ich würde heute wohl nicht mehr zu Topformen auflaufen.
„Bist du müde?“, er legte den Kopf leicht schief und es schien einen Moment, als wolle er mir am Gesicht ablesen, wie es mir geht.
„Ein bisschen... bist du nicht müde?“, auch ich legte meinen Kopf etwas schief, und da griff er erneut nach meiner Hand.
„Es geht... ich bin es gewöhnt wenig Schlaf zu haben... die ein oder andere Nacht ohne Schlaf haut mich schon nicht um!“, er grinste leicht und ich entzog ihm meine Hand wieder, unter dem Vorwand mein Handy in meiner Tasche zu suchen und einen kurzen Blick auf den Display zu erhaschen.
„Es ist ja auch erst viertel vor neun...“, sagte ich dann und faltete die Hände unter dem Tisch im Schoß zusammen.
Während er offensichtlich versuchte mit mir zu flirten, wich ich ihm aus.
Die Bedienung brachte das Essen und warf Chris einen vielsagenden Blick zu, bevor sie wieder mit ihren tanzenden Schritten verschwand und noch einen Blick über die Schulter warf.
Ich grinste und griff nach meiner Gabel.
„Ich glaube da steht jemand auf dich...“, sagte ich dann leise und warf einen kurzen blick zu der Bedienung, die inzwischen am nächsten Tisch stand und die Bestellung aufnahm.
Chris lachte leise auf.
„Sie ist nicht mein Typ!“, war alles, was er darauf erwiderte.
„Guten Appetit!“, in meinem Ton schwang etwas beendendes mit. Das Thema war gegessen- obwohl es recht amüsant hätte werden können.
„Ja, guten Appetit!“
Ich stocherte ein wenig in meinem Essen rum und rechnete eigentlich nicht damit, dass mich heute Abend noch etwas aus der Ruhe bringen könnte, denn bis jetzt hatte ich alles ganz gut gemeistert. Ich hielt sowohl emotional als auch körperlichen Abstand von Chris. So war das Risiko, das er mir weh tat ziemlich gering gehalten – dachte ich zumindest. Im Grunde war es vom ersten Moment an unabsehbar gewesen, dass irgendwann der Moment kommen sollte, an dem es Abschied nehmen hieß.
„Vermisst du manchmal deine Familie?“, griff ich das Wort auf und Chris kaute zu ende, bevor er ruhig antwortete.
„Am Anfang hab ich sie ständig vermisst... aber irgendwann gewöhnt man sich an alles. Es gehört nun mal zum Job, dass wir ständig unterwegs sind und wenig Zeit haben. Damit müssen sowohl die Menschen in meiner Umgebung, als auch ich klar kommen. Sagen wir: Es ist erträglich geworden.“
Ich nickte. Obwohl ich mir nicht vorstellen konnte die Leute, die ich liebe, nicht sehen zu können wann ich wollte.
„Was machst du eigentlich momentan? Ich meine- gehst du noch zur Schule?“
Wieder nickte ich.
„Ich mache momentan mein Abitur... nächsten Sommer werde ich dann wohl studieren gehen!“, ich stocherte weiter in meinem Essen herum.
„Und was willst du studieren?“
„Hm- ich weiß noch nicht... Schauspiel, Psychologie, Management, Amerikanistik... ich kann mich noch nicht ganz entscheiden!“, ich lachte leise. Die Fachbereiche für die ich mich interessierte, hatten miteinander absolut nichts zu tun und waren so vielfältig, dass mir die Entscheidung nicht leicht fiel.
Chris lächelte. „Scheint eine schwere Entscheidung zu werden!“
„Ja, scheint so...“
„Und was hattest du vor, bevor du in die Band kamst?“, ich nahm die nächste Gabel in den Mund und sah den Blonden interessiert an.
„Eigentlich wollte ich erst mal mein Abitur machen... Tanzen hat mich immer interessiert... und das Singen auch – dementsprechend wollte ich auch etwas damit machen... ehrlich gesagt hatte ich nie wirklich konkrete Vorstellungen, was ich nach dem Abitur machen sollte.“, er machte eine kurze Pause. „Bitte sag mir jetzt nicht, ich würde in Interviews immer etwas anderes behaupten...“
Ich lachte auf. „Ich glaube, das kann ich gar nicht beurteilen. Ich meine- ich weiß, dass du in einer international bekannten Band bist und kleine, zwölfjährige, hysterische Mädchen dir hinterherrennen und dir ihre Liebe gestehen... aber das war es auch schon. Ich weiß nicht mal wie alt du bist!“, gestand ich dann und schob den halb leeren Teller von mir.
„Ich werde nächsten Monat 20.“, platze er raus und irgendwie sah er erleichtert aus. Fast so, als hätte er gehofft, dass ich nicht schon alles von ihm wusste. „Und was ist mit dir?“
„Ich bin 18... die 19 muss noch drei Monate warten!“, auch Chris schob nun seinen Teller von sich weg und ich nahm einen Schluck von meinem Eistee.
Er machte ein überlegendes Gesicht , lachte dann und sagte mit einer besserwisserischen Stimme: „Dann hast du also im Oktober Geburtstag!“
„100 Gummipunkte für den Kandidaten. Bei 101 Punkt gibt’s eine Waschmaschine gratis!“, stimmte ich mit ein.
„Verdammt, wo kriege ich denn den einen Punkt her?“
„Da kann ich dir auch nicht weiter helfen!“, ich schüttelte den Kopf lachend über die Kindlichkeid von uns beiden. Es war auf jeden Fall sehr unterhaltend mit ihm.
„Hat's geschmeckt?“, holte mich die asiatische Schönheit alias nervige Bedienung aus meinen Gedanken und ich lächelte ihr freundlich entgegen.
„Ja, dankeschön!“, ich reichte ihr meinen immer noch halb vollen Teller.
„Kann ich Ihnen noch etwas bringen?“, fragte sie dann weiter.
„Die Rechnung, bitte...“, antwortete Chris.
Und wieder war sie weg. Und kam einen kurzen Moment später wieder mit der Rechnung angeschwebt.
„Geht das zusammen oder getrennt?“, fragte sie und beugte sich ein Stück nach vorne, während sie die Rechnung auf dem Tisch ablegte.
„Zusammen!“, antwortete Chris sofort.
„Getrennt!“, platzte ich gleichzeitig heraus.
Wir sahen uns beide ernst an.
„Ich bezahle das. Das ist doch Unsinn, ich habe dich doch eingel-“, wand Chris ein, aber ich redete ihm sofort dazwischen.
„Vergiss es. Du bezahlst das nicht für mich. Wie viel macht das?“, ich achtete gar nicht mehr auf den jungen Mann und sah die Bedienung erwartend an.
Sie zog die Augenbrauen hoch und schien nicht ganz zu verstehen, wieso ich mich dagegen sträubte, da legte ihr Chris das Geld auf den Tisch.
„Stimmt so!“, sagte er und stand auf.
„14,30 €“, sagte die Schwarzhaarige trotzdem an mich gerichtet und ich steckte Chris wortlos 15 Euro zu.
„Und ich will jetzt weder etwas darüber hören noch das Geld zurück, klar?“, ich schob meinen Stuhl zurück und stand ebenfalls auf.
„Schönen Abend noch!“, wünschte uns die Bedienung, ich bedankte mich und lief schon mal zum Ausgang – Chris Blicke im Rücken, ehe er mir nachlief.
Er holte Luft um etwas zu sagen, aber ich drehte mich um und sah zu ihm auf, während ich rückwärts weiter lief.
„Halt die Klappe, Chris!“, lachte ich nur.
Er ließ die Luft entweichen und seufzte dann schwer. Dann holte er die Autoschlüssel raus.
„Wie Prinzessin wünschen!“, sagte er nur und ich hackte mich bei ihm ein.
„Ach komm schon. Bist du jetzt in deinem männlichen Stolz gekränkt, weil ich selbst für mich bezahlen wollte?“, fragte ich scherzhaft und er öffnete die Autotüren.
„Ein bisschen!“, gestand er dann und ich grinste leicht, bevor ich ihn wieder losließ und mich auf den Beifahrersitz setzte.
„Glaubst du, du wirst es überleben?“, fragte ich weiter.
„Vielleicht... Ich kann es noch nicht genau beurteilen- sowas hab ich ja noch nie erlebt!“
Ich zog misstrauisch die Augenbrauen zusammen und spitzte die Lippen.
„Dann hattest du es wahrscheinlich mit den falschen Frauen zu tun!“, stellte ich nüchtern fest und er startete das Auto.
„Kann schon gut möglich sein!“, war alles was er darauf antwortete.
Die nächsten zwanzig Minuten kamen mir viel zu kurz und gleichzeitig viel zu lang vor und als er vor meiner Haustür parkte war ich enttäuscht und erleichtert zugleich. Verdammte Zwiespältigkeit aber auch.
„Danke für den schönen Abend...“, wisperte ich leise, als er mich noch zur Haustür brachte und steckte den Schlüssel schon mal ins Schloss und drehte ihn um.
„Kein Problem... aber das nächste Mal lässt du mich bezahlen!“, Chris trat einen Schritt auf mich zu, was das Licht am Nachbarhaus anspringen ließ. Es leuchtete nur sanft auf uns.
„Wahrscheinlich nicht...“, lächelte ich verlegen, erhob aber den Kopf.
Er seufzte nur gespielt verzweifelt, dann legte sich seine Hand an meine Wange.
Bevor er auf dumme Ideen kam drehte ich mich schnell um.
„Also- uhm... gute Nacht dann?“, fragte ich und setzte einen Schritt ins Haus.
Er war einen Moment zu lange still, dann wünschte auch er mir eine gute Nacht.
„Du bist wirklich nicht einfach...“, murmelte er leise und brachte mich damit zum Lächeln.
„Du bist nicht der Erste, der mir das sagt. Gute Nacht, Chris!“, damit schloss ich die Tür hinter mir.
22:18 Uhr.