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Olivia's p.o.v.


19:57 Uhr. Noch drei Minuten.
Ich muss ehrlich sagen, ich wusste nicht so recht, ob ich aufgeregt sein sollte oder nicht. Ich wollte es zumindest nicht sein- war es aber trotzdem.
Ich kannte Chris überhaupt nicht richtig und es war auch nicht normal für mich ein Date zu haben. Hatte man so etwas in Deutschland überhaupt oder war das nicht einfach nur die Art und Weiße in den Staaten eine missglückende Beziehung zu führen? Und von missglückenden Beziehungen hatte ich genug.
Ich rief mir immer wieder Noahs Worte in den Kopf. „Genieße es. Wenn du dich bei ihm gut fühlst, und ich sehe dir an, dass du das tust, dann genieße es solange du kannst.“
Genießen. Das war ja schön gesagt und ich würde es wirklich gerne auch tun- aber meine Prinzipien sprachen dagegen. Ich war einfach nicht der Typ Mensch, der sich schnell auf Gefühle einließ und Beziehungen aufbaute. Man musste geduldig sein und Stück für Stück die Mauer um mich herum zerlegen, um an mich heran zu kommen.
„Vielleicht ist es nicht für immer- aber was ist das schon?“, ich hätte Noah in dem Moment wirklich gerne den Mund verboten, denn ich wollt nichts darüber hören. Nicht über Verluste reden oder über irgendetwas, das zu Ende ging. Davon hatte ich in meinem Leben schon genug gehabt und ich hatte die Schnauze gestrichen voll. Ich brauchte nicht noch jemanden, der mich verließ und mir das Herz brach. Wirklich nicht. Nicht schon wieder. Lieber blieb ich gleich alleine. Dann hatte ich das Problem nicht und schlug mich nur damit rum einsam zu sein.
„Halt den Mund, Noah, ich kann es nicht mehr hören. Mich haben genug Menschen verlassen und es werden noch mehr gehen. Da muss nicht noch ein Chris daherkommen und dann wieder aus meinem Leben verschwinden – und das wird er!“, hatte ich stur geantwortet und mir wie ein kleines Kind die Hände an die Ohren gepresst und laut gesummt, um nicht zu hören, was er antwortete. Also hatte er nur gelacht, wie er es eben immer tat und mir sanft die Hände von den Ohren gezogen.
„Dumme Nudel!“, hatte er gesagt, „Wenn du dich so verkriechst bleibst du alleine und dann sorgt keiner für dich, wenn ich mal nicht mehr da bin!“, er war ernster geworden und in dem Moment, in dem mir die Ernsthaftigkeit seiner Worte klar wurde, hatte ich angefangen hemmungslos zu weinen und mich an seine Brust geworfen.
Bevor ich anfangen konnte wieder zu weinen, klingelte es an der Tür. 19:59 Uhr. Bis ich an der Tür war läutete die Uhr im Wohnzimmer Punkt acht.
Chris stand vor mir, in Jeans und einem normalen weißen Shirt und trotzdem schien es einen Moment, als würde ich zerschmelzen. In der Hand hielt er drei weiße Lilien, den kleinen Strauß direkt vor dem Gesicht. Meine Lieblingsblumen.
Ein Lächeln zauberte sich auf meine Lippen, als er ihn ein Stück nach unten nahm und mich angrinste. Dann streckte er mir die Blumen entgegen.
„Du bist genau pünktlich!“, sagte ich und versuchte es zu unterdrücken, dass sich meine Wangen rosa färbten – mit Erfolg.
Sein Grinsen wurde nur noch breiter. „Die sind für dich!“, sagte er dann. „Aber ich glaube sie brauchen dringend Wasser!“
Ich trat demonstrativ zur Seite und nahm gleichzeitig die Blumen entgegen.
„Komm doch rein, dann such ich eine Vase.“ In meinem Bauch kribbelte es. Verdammt. Keine Beziehung aufbauen. Ich durfte keine Bindung eingehen.
Das Wasser lief langsam in die Vase und ich warf einen verstohlenen Blick auf den blonden jungen Mann, der an die Küchentheke gelehnt neben mir stand.
„Die sind wunderschön. Danke...“, durchbrach ich schließlich die kurz entstandene Stille und er lächelt triumphierend.
„Bitte... ich hoffe du magst Lilien!“
Langsam stellte ich die drei blütenweißen Blumen in die Vase und auf den Tisch.
„Sie sind meine Lieblingsblumen...“, sagte ich leise, fast verträumt und zupfte sie zurecht.
„Dann hab ich ja genau die richtigen Blumen ausgesucht. Du siehst übrigens toll aus...“
Ich unterdrückte das Seufzen, dass in mir aufstieg. Erst trocknete er auf dem verdammten Dach meine Tränen und gab mir das Gefühl mich zu beschützen, dann zeigte er ganz offensichtlich, dass er mich mochte, schenkte mir meine Lieblingsblumen, als hätte er den perfekten Instinkt dafür mir mein Herz zu stehlen und jetzt machte er mir auch noch Komplimente. Ich sollte es wirklich genießen. Stattdessen bekam ich Angst.
„Dankeschön...“, antwortete ich kaum hörbar und drehte mich leicht von ihm weg. „Also- was hattest du vor?“, wechselte ich schnell das Thema, bevor er noch auf die Idee kam nachzufragen, was ich hatte.
Einen Moment musterte er mich – ich konnte seine Blicke im Rücken spüren, dann stieß er sich von der Theke ab und kam zwei Schritte auf mich zu.
„Ich hab doch gesagt, ich hol' dich zum Essen ab...“, seine Finger legten sich an meine Schulter. „Bist du fertig?“
Ich sah an mir runter, dann drehte ich mich zu ihm um. „Ich denke schon... kommt drauf an wo wir hingehen!“, ich setzte eine Unschuldsmiene auf und sah zu ihm auf, dabei zuckte ich mit den Schultern.
„Sei nicht so neugierig!“, lachte er. „Das wirst du schon noch sehen!“
Ich verlagerte mein Gewicht auf ein Bein, sodass sich das schwarze Kleid um meine Beine schmeichelte und sich das weiße Muster leicht daran hinauf schlang und an meiner Hüfte endete.
„Na gut- aber nur ausnahmsweise!“, ich grinste und nahm im Vorbeigehen die lange Hemdjacke von der Stuhllehne.

Ich hatte keine großen Erwartungen in den Abend gesetzt. Das wollte ich gar nicht. Desto überraschter war ich von Anfang an. Und ich musste feststellen, dass Chris sich von Minute zu Minute noch steigerte.
Mein Herz hatte am Mittag, als Chris mich gefragt hatte, ob ich mit ihm essen gehen wollte, einen kurzen Moment aufgehört zu schlagen und ich hatte mir beim Fertigmachen ausgemalt, wie der Abend werden würde, aber es kam ja bekanntlich immer anders als man dachte, weswegen ich auch schnell wieder aufgehört hatte damit.
Die Nachtluft war ziemlich warm, weswegen ich mir die Jacke über den Arm legte und neben Chris langsam zu Auto lief.
„Und du willst mir wirklich nicht sagen, wo wir hingehen?“, fragte ich, als er am Autoschlüssel den Knopf drückte und die Rückleuchten des Autos kurz aufblinkten. Offen.
„Ich bin mir ganz sicher, dass ich das nicht will. Dann ist es ja keine Überraschung mehr!“, in seinem Unterton lag etwas Geheimnisvolles und die verbotenen Schmetterlinge in meinem Bauch drehten eine kurze Ehrenrunde.
Innerlich seufzte ich laut auf, als er mir auch noch die Beifahrertür aufhielt und dann um das Auto lief um selbst einzusteigen. Es waren die Kleinigkeiten, die mich dazu brachten jemanden zu mögen. Die Kleinigkeiten waren es, die eine Beziehung – egal welcher Art – aufrecht erhielt. Und Chris war so verdammt aufmerksam, dass er es mir ziemlich schwierig machte einen gewissen Sicherheitsabstand zu ihm zu halten. Ich musste mich schützen. Mein Herz. Und er tat anscheinend alles dafür diesen Selbstschutz zu brechen. Auch wenn er es vielleicht unbewusst tat – wahrscheinlich... er tat es.
Als er nach kurzem auf die Autobahn auffuhr, zog ich leicht die Augenbrauen zusammen.
„Wenn du vor hast mich zu entführen hoffe ich, dass du starke Nerven hast- und was zum Anziehen. Ich werde nicht länger als nötig in diesem Kleid rumlaufen!“, die Sonne ging vor uns unter und Chris warf einen kurzen Blick auf mich – lächelnd.
„Keine Angst. Ich werde dich schon heil wieder heimbringen. Lynn braucht dich ja schließlich!“
Ich schnaubte leise und schüttelte den Kopf. Ich brauchte sie mehr als sie mich, da war ich mir sehr sehr sicher.
„Magst du Chinesisch? Sonst muss ich meine Pläne über den Haufen werfen und schnell kreativ werden!“, ich lachte leise, als er erneut einen Blick auf mich warf und die nächste Ausfahrt nahm.
„Hast du Lynn heimlich über mich ausgequetscht? Ich liebe chinesisch! Langsam wirst du mir unheimlich!“
„Ich spioniere dir schon Ewigkeiten hinterher, hast du das etwa nie mitbekommen?“
„Alter Spanner, was?“, fragte ich frech und zog eine Augenbraue hoch.
Chris schnaubte leise auf, dann lachte er. „Sicher. Ich habe ja genug Zeit stundenlang vor deinem Badezimmerfenster zu stehen!“
„Das Bad ist im ersten Stock!“, kicherte ich. „du hättest auch einfach Bescheid sagen können, dann hätte ich dich reingelassen. Das war bestimmt so eine blöde Idee von dir, die Tür auf dem Dach zuzuwerfen!“
„Verdammt! Erwischt!“, seine Mundwinkel zogen sich zu einem undefinierbaren aber absolut hinreißenden Grinsen und ich sog scharf die Luft ein und sah schnell wieder aus dem Fenster.
„Ich bin eine gute Detektivin...“
„Scheint so!“, sogar seine Stimme klang nach einem Lächeln.
„Die Übung macht's!“