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Madelyn's p.o.v.


Noch etwas benebelt von dem Traum, stieg ich aus dem Bett, zog den Rollladen nach oben und blinzelte der Sonne entgegen. Ich seufzte leicht auf und ging aus meinem Zimmer. Im Wohnzimmer lief der Fernseher und es roch stark nach Fertigpizza.
„Ben?“, rief ich und gähnte kurz auf.
„In der Küche“, rief mir mein Bruder entgegen.
Vor einem Jahr war ich zu ihm gezogen, da sein damaliger Mitbewohner sich einfach aus dem Staub gemacht hatte und für ihn allein die Miete zu hoch war. Da ich mich zu dieser Zeit sowieso nicht sonderlich gut mit meinen Eltern und meiner Schwester verstanden hatte, packte ich meine sieben Sachen und zog hier ein.
Ich ging in die Küche und setzte mich an den kleinen runden Tisch in der Mitte des Raumes. Mein Bruder holte sich gerade die Pizza aus dem Ofen, setzte sie auf einen Teller und drehte sich um. Als er mich sah, fiel im beinahe der Teller aus der Hand. Ich sah ihn nichts verstehend an. Schnell setzte Ben den Teller auf dem Tisch ab, murmelte etwas von : „Scheiße- wer war das denn?“ und setzte sich direkt mir gegenüber. „Wer hat dich denn so zugerichtet?“, sprach mein großer Bruder mit großen Augen und griff vorsichtig mit seiner Hand an meine Stirn. Ich zuckte kurz zusammen, da ein Schmerz meinen Kopf durchzog.
„Ach das...“, murmelte ich und verdeckte die Wunde mit meiner Hand. „Wer war das?“, fragte er mit einem bestimmten Ton in seiner Stimme.
Oh nein- jetzt kam wieder sein 'Großes Bruder'- Syndrom durch, wie Ella es gerne nannte. In letzter Zeit war das nur zu oft passiert. Als Ben davon Wind bekommen hatte, dass Ryan mich wegen Ashley sitzen gelassen hatte, regte er sich drei Tage lang, non-stop über meinen Ex Freund auf und mindestens jeder dritte Satz von ihm begann mit: „Und wenn ich diesen Scheißkerl in die Finger kriege- dann...“
„Ich bin hingefallen, Ben! Daran hab nur ich Schuld!“, erklärte ich. Dass diese Erklärung nur zur Hälfte stimmte, hatte ihn nicht zu interessieren. Er entspannte sich leicht und lehnte seinen Oberkörper dann zurück.
„Soll ich dich nachher zum Arzt bringen? Das sieht nicht gerade harmlos aus!“, säuselte er und nahm sich das größte Stück der Pizza.
„Das wäre nett... Ich hatte sowieso vor den Arzt aufzusuchen“, sagte ich nickend.
„Wie lange bist du gestern Nacht eigentlich noch um die Häuser gezogen?“, fragte er weiter. Um die Häuser gezogen? Eigentlich saß ich ja mehr auf einem Haus fest, aber das musste er auch nicht unbedingt wissen.
„Ich war so gegen 23:00 Uhr bei Ella und hab die Nacht dort verbracht“, reimte ich mir auf die Schnelle zusammen. Eigentlich war ich ein miserabler Lügner und besonders Menschen die mir nah standen, merkten mir sofort an, wenn etwas nicht stimmte, doch Ben war einfach so sehr mit seiner Pizza beschäftigt, dass er darauf nicht weiter einging und nur nickte. „Ich mach mich schnell fertig und dann können wir fahren“, sagte ich, stand von dem Stuhl auf und ging in mein Zimmer. Dort zog ich mir eine frische Bluse und meine Jeans an, steckte mein Haar nach hinten und ging ins Bad, um mir nochmal die Zähne zu putzen und mich frisch zu machen. Die Wunde an meiner Stirn war ca. drei Zentimeter lang und sah wirklich nicht nett aus.
„Schönes Andenken“, murmelte ich, knippste das Licht im Badezimmer aus und ging mit Ben runter zum Auto. Mein Bruder setzte mich beim Arzt ab, bei welchem ich dann nach Betreten der Praxis eine geschlagene Stunde warten durfte. Ich vertrieb mir die Zeit mit Nachdenken. So dumm das auch klingen mochte, aber die gestrige Nacht musste ich automatisch mit einem Grinsen verbinden. Es war einfach das Gefühl der Geborgenheit, das ich nach gefühlten Jahrzehnten endlich wieder spüren konnte- oder besser gesagt zuließ. Wahrscheinlich hatte es etwas damit zu tun, dass mich so vieles von Richie in gewisser Weise an Ryan erinnerte. Sein unglaublich süßer amerikanischer Akzent, sein gutes Aussehen, der Humor- doch in Sachen Charakter unterschieden sie sich doch sehr. Die wahrscheinlich größte Ähnlichkeit der beiden war aber die Unerreichbarkeit. Ryan, weil er jetzt irgendwo glücklich mit Ashley war und sein Leben in vollen Zügen genoss und Richie, weil er einfach der Teeniestar schlechthin war, für den die Mädchen einfach alles tun würden. Ich seufzte auf. Ella hatte wohl doch Recht gehabt, mit ihrer pessimistischeren Denkweise. Sehen würden wir diese Kerle eh nicht mehr.
„Frau Parker, bitte“, riss mich die Arzthelferin aus meinem Gedankengang.
„Ja“, seufzte ich und folgte ihr in das Behandlungszimmer. Dem Arzt erklärte ich kurz, wie es zu der Wunde an meinem Kopf gekommen war, ehe er sie untersuchte und mir eine Creme verschrieb. Ich bedankte mich, verließ die Praxis mit meinem Rezept und holte es mir in der nahe gelegenen Apotheke ab. Jetzt noch einmal nach Hause zu fahren, würde sich nicht lohnen- also nahm ich den nächsten Bus und fuhr mit diesem zur Arbeit.
Ich betrat das Gebäude, ging hoch in die Studios und setzte mich an meinen Arbeitsplatz. Da ich jetzt genug Zeit hatte bis meine Schicht anfing, beschloss ich meinen Platz ein bisschen aufzuräumen und zu sortieren. In einer der Schubladen fand ich ein altes Bild. Ich musste kurz Schlucken und mich zusammenreißen, um den Tränen zu entkommen. Es zeigte Ryan und mich an einem wunderschönen Sommertag auf der Skatepipeline, auf der wir oft mit seinen Freunden abhingen.
„Scheißkerl“, murmelte ich, als mir ein glückliches Bild von ihm und Ashley in den Sinn kam und ich zerknüllte das unsere, um es in den Müll zu schmeißen. Ryan sollte endlich aus meinem Leben. Es war so richtig und doch so falsch. Wie die ganze Zeit in den letzten 3 Monaten fühlte ich mich total hin und her gerissen. Das Beste in dieser Situation war wohl, sich in Arbeit zu ertränken und genau das tat ich auch.
Ich fing an die ungeliebte Ablage zu sortieren, las mir E-Mails durch und hörte mich durch Newcomer Songs, um zu entscheiden, ob wir sie mit ins Programm aufnehmen würden. Als meine richtige Schicht dann endlich im Studio begann, konnte ich keinen einzigen Gedanken mehr an einen der beiden Jungs verschwenden. Am Mikrofon zu arbeiten, sie Songs auszusuchen, mit Hörern zu telefonieren, all das lenkte mich glücklicherweise genug ab- zumindest für diese Nacht.