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Olivia's p.o.v.


Madelyn übertrieb immer etwas. Ich sagte zwar selbst auch von mir, dass ich zwar Auto fahren DURFTE, es aber nicht KONNTE, was allerdings nicht unbedingt den Tatsachen entsprach, genauso wenig wie das ständige Abwürgen, von dem Lynn oft sprach. Ich fuhr seit einem knappen Jahr unfallfrei und das nicht nur, weil ich dem Volksmund nach als Sonntagskind ein Glückskind war.
Das Auto meiner Eltern, mit dem ich auch fuhr, war schon über 16 Jahre alt, die Bremse konnte man bis zum Anschlag durch drücken, bis sie langsam anfing auch ihren Job zu tun, genau das selbe Spiel gab es mit dem Gas und die Kupplung war im Grunde nicht zu gebrauchen, denn entweder ließ man sie ziemlich lange schleifen und ging damit das Risiko ein, dass das Auto ziemlich schlimme Geräusche von sich gab, oder man ließ sie zu schnell nach oben kommen und hatte abgewürgt. Es lag also nicht nur an mir, dass die Kiste nicht das tat, was ich wollte.

Nachdem ich Lynn abgesetzt hatte fuhr ich nicht sofort nach Hause. Ich stellte die alte Schrottkiste im Parkhaus ab und lief in die Innenstadt in mein Lieblingscafé. Ich liebte die Croissants dort. Genau das war es auch, was ich mir dort zusammen mit einem Orangensaft bestellte. Nach der ganzen Aufregung der letzten Nacht brauchte ich einfach ein bisschen Ruhe. Ich würde sowieso nicht zum Schlafen kommen, obwohl ich mich nicht unbedingt fit fühlte.
Meine Eltern hatten die letzte Nacht bei Claire und der kleinen Fabienne verbracht und würden sicher gleich mit ihnen zu Noah ins Krankenhaus fahren. Und genau das war auch der Weg, den ich nach einer ausgiebigen Dusche aufnehmen würde. Ich musste mit Noah reden. Dringend.
Ein leises Seufzen entrann meiner Kehle, als ich an ihn dachte. Ich hatte nicht mehr genug Tränen um ständig zu weinen. Noah würde sterben, dessen war ich mir sicher, auch wenn die Ärzte versprachen, sie würden ihm helfen. Ich glaubte nicht mehr daran.
Noah war stark, genauso wie sein Lebenswille, aber die Krankheit war stärker. Er wollte Leben. Er wollte sehen, wie Fabi aufwuchs, er wollte ein Teil von ihr sein. Er wollte mit Claire zusammen sein. Er wollte Abenteuer erleben. Aber das alles war so unwahrscheinlich geworden.
Es verging tatsächlich eine Stunde in der ich nur diesem Gedanken nachhing, an meinem Croissant knabberte und am O-Saft nippte. Als ich mich dann doch auf den Heimweg begab begleitete mich die Angst Noah früher zu verlieren, als ich bereit war ihn herzugeben.

Unter der Dusche sah die Welt schon wieder ganz anders aus. Ich freute mich auf Noah und Claire und vor allem auf Fabienne, die ich schon seit Wochen nicht mehr gesehen hatte, dabei war ich ihre Tante. Und ich dachte an Chris.
Das heiße Wasser prasselte mir auf den Kopf, ein paar Tropfen tropften von meiner Nasenspitze und ich konnte es mir nicht verkneifen zu grinsen, als sich Chris vor meinem geistigen Augen den Pulli über den Kopf zog.
Benimm dich, Ella. Ungezogenes Mädchen., dachte ich mir und lachte fast los. Ich war absolut nicht der Typ für One-Night-Stands. Nichtmal für Beziehungen nach einem Monat, geschweige denn einem Tag. Ich musste die Person wirklich gut kennen, bevor ich eine Beziehung einging. Egal wie verliebt ich von Anfang an war. Das war sowas wie ein Selbstrettungsmechanismus, den ich mir nach der letzten Trennung angeeignet hatte. Ich wollte nicht verletzt werden. Sogar Leute, von denen ich gar nichts wollte und mit denen ich mich nur anfreunden sollte, bissen sich teilweise die Zähne an mir aus. Wem ich nicht vertraute, der erfuhr auch so gut wie nichts über mich. Für solche Menschen war ich ein Buch mit sieben Siegeln. Und die, denen ich mich öffnete, kannten mich in und auswendig. Jeden Fehler, jede Macke- Lynn roch auf zehn Kilometer gegen den Wind, wie meine nächste Reaktion endete.

Eine knappe Stunde später stand ich mit Fabi auf den Armen vor der Zimmertür meines Bruders. Sie hatte vor einigen Wochen angefangen zu laufen, jetzt fing sie an zu reden. Ihr Lieblingswort war „Ente“, aber bei ihr klang es mehr nach „Ände“. Wenn man sie fragte, was die Ente machte, antwortete sie in einem zum anbeißen süßen Ton „Quack Quack“, grinste dabei ihr Puppen-Grinsen und spielte mit den kleinen Fingern.
Jetzt durchbohrten mich ihre blauen Augen und sie deutete mit dem Finger auf die Tür, von der sie wusste, dass ihre Eltern dahinter waren.
„Da rein willst du? Wir sind doch gerade eben erst gegangen. Schon vergessen? Wir wollten nach den Enten gucken gehen!“, ich rückte sie auf meiner Hüfte etwas gemütlicher und legte dann den Kopf schief, um sie zu mustern.
„Quack Quack“, machte sie und klatschte lachend in die Hände, was ich als ein ziemlich eindeutiges Zeichen dafür deutete, dass sie nun doch lieber an den Teich wollte als zurück zu Mama und Papa.
Also lief ich mit ihr auf dem Arm die Treppe nach unten, setzte sie im Park auf den Boden ab und ließ sie ein Stück allein laufen, wobei sie zweimal fast hinfiel.
Ich sah den Teich schon, da klingelte mein Handy. Auf dem Display stand „Chris Dach“ und ich lächelte leicht, als ich an das Telefongespräch von heute Morgen denken musste:

„Ich hab doch gesagt, ich melde mich!“, war das erste, was er sagte und zauberte damit unwillkürlich ein Lächeln auf meine Lippen.
„Ja...“, flüsterte ich leise. „... das hast du allerdings!“
„Seid ihr heil unten angekommen?“, fragte er weiter und klang etwas amüsiert.
„Musst du dich nicht fertig machen?“, fragte ich dagegen und lächelte, wobei Lynn mich schief ansah und ich mit den Lippen seinen Namen formte. Wissend nickte sie.
„Ja- schon... das hat noch etwas Zeit!“, er klang wirklich so, als würde es ihn amüsieren.
„Ihr müsst in einer halben Stunde los, Chris- und du riechst wahrscheinlich nach kalter Dach-Luft und Mädchen!“
„Hm... warte kurz...“, es rappelte am Telefon und eine Sekunde später antwortete er leise lachend, „Ich rieche wirklich nicht besonders berauschend.“
„Dann geh duschen. Sonst schreiben sie über dich, dass du stinkst!“, Lynn lachte neben mir und auch ich kicherte kurz.
„Lieber nicht... dann muss ich jetzt wieder auflegen, aber wenn du nichts dagegen hast, dann ruf ich dich nachher noch einmal an... nach dem Interview.“
„Klar. Ich komm heute sowieso nicht mehr dazu zu schlafen!“
„Ich frag dich nachher aus. Bis dann!“
„Ciao...“, und aufgelegt.


„Hey!“, ging ich ran und fing automatisch an verträumt zu lächeln.
„Hey. Und, kamst du wirklich nicht zum Schlafen?“, fragte er sofort.
„Nein. Nicht wirklich.“, antwortete ich ihm. „Fabienne, pass' auf, da kannst du nicht langlaufen!“, ich kicherte leicht, eilte Fabi etwas schneller noch und hielt sie dann unter den Armen, das Telefon zwischen Schulter und Ohr geklemmt, davor zurück über die Abgrenzung auf die Wiese zu laufen.
„Fabienne?“, fragte Chris und ich hätte schwören können, dass er eine Augenbraue hochzog.
„Fabi ist meine Nichte. Sie wollte gerade hier im Park auf die Wiese laufen. Das ist nur leider verboten!“, erklärte ich ihm und das kleine blonde Mädchen grinste mich breit an, als ihr Name erklang. Also grinste ich zurück.
„Wie alt ist sie denn?“, fragte Chris und es raschelte im Hintergrund.
„Zwanzig Monate.“
„Änden, Änden!“, rief sie aufgeregt und deutete mit dem Finger auf den Teich.
„Ja, Enten, Schätzchen, wir sind ja gleich da.“
„Sie klingt süß!“, ich lächelte.
„Sie ist ja auch die Tochter meines Bruders. Das liegt in der Familie!“, sagte ich und lachte, während ich nach Fabi's Hand griff. Chris lachte am anderen Ende schon wieder, was mich dazu brachte den Kopf kurz zu schütteln.
„Wie war das Interview?“, fragte ich schließlich um das Thema zu wechseln und er seufzte kurz.
„Wie jedes andere auch. Sie fragen immer das Gleiche. Was ist deine Lieblingsmusik? Magst du die Songs, die ihr singt? Wann kommt die neue Single auf den Markt?“, dabei veränderte er die Stimme. „Aber der Termin war wichtig... die Zeitschrift ist ziemlich beliebt!“
„Wart ihr bei der BRAVO?“, lachte ich auf. Warum sagte er nicht einfach den Namen?
Und auch er lachte wieder. „Die BRAVO war bei uns, um es genau zu nehmen!“
„Alles klar!“, wieder schüttelte ich den Kopf. Aus meiner Tasche zog ich einen Beutel mit Brotkrümeln.
„Guck mal, Fabi... das kannst du den Enten geben!“, ich streute ein paar Brotkrümel auf den Boden und sofort kamen die Enten angerannt. Fabi hingegen warf die Krümel mit aller Kraft einen halben Meter von sich weg und lachte dabei. Das Krümelwerfen zog ihr Interesse inzwischen mehr an als die Enten.
„Machst du heute Abend noch etwas Besonderes?“, fragte Chris dann plötzlich und einen Moment schien mein Kopf wie leer gefegt, weswegen ich ihm auch nicht antwortete. „Bist du noch da?“
„Uhm- ja, ich bin noch da... nein... ich- mache heute Abend noch nichts...“
„Wenn du mir sagst, wo du wohnst, dann hol' ich dich um acht zum Essen ab!“