Gratis bloggen bei
myblog.de

Mini Twitter



follow Zwei_Sommer at http://twitter.com


Affiliates



become?


Icon Of The Month

Wettbewerb


Where you can reach us




To say

It's time for you
to see yourself



Olivia's p.o.v.


Es hatte eine ganze Weile gedauert, bis meine Tränen getrocknet und mein letztes Schluchzen verklungen war. Chris hatte nicht aufgehört mich sanft zu wiegen und mir durch die Haare zu streichen. Manchmal blieb er an meinen Haarspitzen stehen, zupfte sanft daran oder wickelte sie sich mit einer kurzen Umdrehung um den Finger, um sie dann wieder fallen zu lassen.
Die anderen schliefen alle wieder, aber wir verharrten schon seit einer knappen Stunde in dieser Position. Ich war schon lange still und hatte mich wieder auf ein für mich normales Level beruhigt. Meine Gedanken kreisten um vieles, aber vor allem wunderte es mich, dass Chris mich nicht schon längst losgelassen hatte. Er hielt mich noch genauso fest an sich gedrückt wie am Anfang. Und ich wunderte mich auch über mich selbst, denn ich war kein Mensch der schnell Vertrauen fasste oder die körperliche Nähe anderer suchte. Ich blieb sogar eher auf Abstand. Es faszinierte mich, wie schnell Chris es mit kleinen Gesten und wenigen Worten geschafft hatte, dass ich mich so sicher und geborgen bei ihm fühlte, dass sogar das Gewitter- das inzwischen nur noch in der Ferne auftrat – mir kaum noch etwas ausmachte.
„Magst du dich auch hinlegen?“, fragte er irgendwann leise, die Lippen immer noch nah an meinem Ohr.
Ich schüttelte den Kopf leicht, wusste aber, dass das das Kommando für mich war mich wieder aufzurichten.
Ich drückte mich nur leicht von ihm weg, bis ich schließlich wieder aufrecht saß und strich mir die Haare aus dem Gesicht.
„Tut mir Leid...“, flüsterte ich leise und starrte meine Finger an, die ich im Schoß liegen hatte.
Seine Finger strichen mir sanft über die Wange, ehe er mich sanft dazu zwang den Blick zu heben und ihn anzusehen. Widererwartend lächelte er.
„Ist doch kein Problem!“, antwortete er genauso leise.
„Doch... dein T-Shirt ist ganz nass und es ist kalt und regnet und ich hab dich so lange voll geheult und hab auch noch deinen Pullover an...“, mit den Worten zog ich den weißen Pulli über meinen Kopf und reichte ihn Chris, der nur den Kopf schüttelte und mir die Hand wieder entgegen drückte.
„Zieh ihn wieder an. Sonst wirst du wirklich krank!“
Stur schüttelte ich nun meinen Kopf. Ich fühlte mich nicht gut bei dem Gedanken einen mir eigentlich völlig Fremden zugejammert zu haben und wohl auch noch dafür verantwortlich zu werden, dass er krank wurde, weil ich ihm seinen Pullover nicht gab.
„Bitte, Chris... zieh ihn an, sonst komm ich mir so verlogen vor...“
Er musterte mich kurz, dann nahm er den Pullover endlich und zog ihn sich in einer schnellen Bewegung über.
Leichte Gänsehaut bildete sich auf meinen Armen und fuhr mir kalt den Rücken hinunter. Ich wollte mir nichts anmerken lassen, aber der blonde Junge vor mir war nicht blind und auch nicht dumm. Er zog mich sofort wieder an sich.
„Dann lass dich wenigstens warm halten!“, er bat mich nicht darum. Es klang eher wie eine Feststellung, gegen die ich nichts erwidern konnte.
„Wäre die Situation nicht so verworren und hätte ich nicht von Anfang an gewusst wer du bist, dann würde das alles vielleicht ein ganz anderes Ende nehmen!“, murmelte ich. Mein Blick hing an Lynn, die den Kopf wieder auf Richies Beine gelegt hatte, die eigenen an den Körper gezogen, und schlief. Ruhig. Sie träumte also nicht wieder von Ryan.
„Wie wird es denn ausgehen?“, fragte Chris etwas verwundert und amüsiert zugleich und strich mir über die nackten Arme, um mich etwas zu wärmen.
„Naja- irgendwer kommt hier hoch, holt uns runter und wir werden uns nie wieder sehen!“, antwortete ich ihm und seine Finger stoppten kurz.
„Wie kommst du darauf, dass wir uns nie wieder sehen werden?“, ich merkte, wie er den Kopf leicht zurück lehnte um mich besser anzusehen und zuckte dann mit dem Schultern.
„Ihr seid berühmt, Chris. Machen wir uns nichts vor. Wir kommen von diesem Dach und dann geht für euch die Karriere und das stressige Leben weiter und Lynn wird weiterhin Liebeskummer und Angst davor haben schlafen zu gehen und ich werde wieder jeden Tag im Krankenhaus sein und Lynn und ich werden uns weiterhin bei Vollmond hier oben treffen und hoffen, dass nicht irgendwer wieder die Tür zuschmeißt. Wir werden alle unser Leben leben und gar keine Zeit dafür haben den Kontakt aufrecht zu erhalten und außerdem: wieso solltet ihr Interesse haben uns wieder zu sehen? Ihr kennt genug Leute und ihr lernt genug Leute kennen. Die Bekanntschaften von einem Dach sind- eben die Bekanntschaften von einem Dach. Mehr nicht!“, ich fand es traurig, dass das alles so enden sollte, denn gegen meinen Willen mochte ich Chris mehr, als ich es mir selbst zugestand. Ich hatte mich mit dem Gedanken von Anfang an vertraut gemacht, ihn nach dieser Aktion nie wieder zu sehen und trotzdem war es nicht einfach auszusprechen, was ich dachte.
„Das ist doch Unsinn, Oli... wirklich. Natürlich werden wir uns wieder sehen. Wir tauschen unsere Telefonnummern aus und sehen uns ganz sicher bald wieder. Wir haben die ganze Nacht zusammen hier oben verbracht. Und ich mag dich. Sehr gerne sogar.“
Ich war überrascht, dass Chris so dachte, aber wollte mich in nichts hinein steigern. Jetzt euphorisch in die Zukunft zu schauen wäre dumm, schließlich konnte es genauso gut sein, dass er mich morgen schon wieder vergessen hatte und sich irgendwann fragen würde, wer denn diese Olivia in seinem Handyverzeichnis ist.
„Hmm...“, macht eich nur. Zu mehr war ich nicht fähig. Ich konnte ihm ja schlecht widersprechen, schließlich konnte ich nicht in seinen Kopf gucken und außerdem klang er ziemlich überzeugt davon, dass wir uns wieder sehen würden.
Bald darauf ging die Sonne langsam auf und warf einen rötlich-gelben Schimmer auf das Dach. Das Gewitter war vorbei gezogen und der Regen hatte aufgehört. Sogar die Wolken waren vom Himmel verschwunden und zeigten wieder die Sterne.
Ich musste unwillkürlich lächeln. Der Sonnenaufgang hatte etwas Besonderes und nahm in dem Moment für mich auch einen besonderen Platz ein. Fast automatisch verband sich die Szene mit Chris in meinem Kopf. Sie setzte sich für immer dort fest.
Chris drückte mich noch ein Stück an sich und lehnte dabei seinen Kopf an meinen.
Ich saß nun seit über acht Stunden auf diesem Dach fest aber im Moment berührte mich das herzlich wenig. Ich würde wahrscheinlich noch weitere acht Stunden hier aushalten. Gerne sogar, solange ich so sitzen bleiben konnte.