Gratis bloggen bei
myblog.de

Mini Twitter



follow Zwei_Sommer at http://twitter.com


Affiliates



become?


Icon Of The Month

Wettbewerb


Where you can reach us




To say

It's time for you
to see yourself



Madelyn's p.o.v.


Und schon wieder musste ich eingeschlafen sein. Denn als das Unwetter so laut wurde- vielleicht war es auch nur Ellas Geschluchze- schreckte ich zusammen und riss die Augen auf. Das blonde Mädchen saß weinend und zitternd an Chris gelehnt in der Ecke und zuckte bei jedem Donnerschlag zusammen.
„Scheiße“, murmelte ich leise, mit einer gewissen Panik in meiner Stimme und sprang förmlich auf, um zu ihr zu eilen. Meine Bemühungen sie zu Beruhigen brachten gar nichts- im Gegenteil sie schienen sie noch unruhiger und panischer zu machen. Ich kam mir hilflos vor- verdammt hilflos. Mit ihrem Weinen machte Ella nun auch die anderen wach. Chris sah mir kurz in die Augen und schien sofort meine Hilflosigkeit in ihnen zu sehen. Der blonde Junge zog Ella an sich und wog sie sanft hin und her um sie zu beruhigen.
„Setz dich wieder rüber- ich regel das schon“, flüsterte er mir zu.
„Nein, verdammt! Ella nicht hyperventilieren!“ Chris warf mir einen leicht mahnenden Blick zu und veranlasste mich mit diesem, ihm das Beruhigen zu überlassen. Ich setzte mich wieder zurück neben Richie und beobachtete Ella in Chris' Armen.
„Hoffentlich wird sie nicht ohnmächtig“, murmelte Jay und blickte zu Richie. Der Junge neben mir schien die Situation noch nicht ganz begriffen zu haben, denn er kämpfte immer noch damit, seine Augen zu öffnen und gähnte leise.
„Ja ja“, murmelte er. Ich konnte mir trotz der ernsten Situation ein Grinsen nicht verkneifen. Zu süß war der Anblick des blauäugigen Amerikaners neben mir. Ich schloss meine Augen und lehnte meinen Kopf wieder gegen seine Schulter. In meinen Gedanken versuchte ich den Traum von eben zu rekonstruieren, denn entgegen aller Normalität, die sich in den letzten drei Monaten eingespielt hatte, träumte ich dieses Mal nicht von der Szene, in der Ryan mich verließ. Ich wusste, dass ich das nicht geträumt haben konnte, denn das hätte ich gefühlt. Der Schmerz nach dem Wachwerden war dann meist unerträglich.
Ich spürte keinen Schmerz- im Gegenteil- ich spürte Erfüllung und Geborgenheit. Seltsam, so etwas in einer so verdammt bescheuerten Situation zu fühlen. Meine Klamotten waren mittlerweile zum Großteil mehr oder weniger feucht- genau wie mein Haar und im Grunde genommen müsste ich jetzt Zicken machen, aber irgendetwas brachte mich dazu genau das nicht zu tun und einfach nur zufrieden zu sein. Es zauberte mir ein Lächeln auf die Lippen.
„Darf ich mitlachen?“ Ich schreckte auf und öffnete meine Augen, als ich in das Gesicht von Richie sah und dieser mich spitzbübisch angrinste. Sein Lächeln brachte mich kurz zum Strahlen.
„Ich hab nicht von... du weißt schon wem geträumt. Irgendwie bin ich gerade...“ Ich suchte nach dem richtigen Wort: „Glücklich“
Richie musste herzhaft auflachen und legte mir dann einen Arm um die Schultern.
„Das freut mich“, sagte er und lehnte seinen Kopf gegen meinen. Ich vergrub meine Handflächen in der Bauchtasche des Pullis und stimmte ihm zu:
„Mich auch“
Das Schluchzen von Ella musste aufgehört haben, denn außer dem Regen, der laut auf den Vorsprung prasselte konnte ich nichts mehr hören- Jays schweres Atmen ausgenommen.
„Schläfst du?“, flüsterte Richie mir leise und kaum hörbar ins Ohr.
„Nein- und du?“
„Würde ich sonst fragen?“, ich musste wieder lächeln.
„Wahrscheinlich nicht.“
„Soll ich dir mal was verraten?“, fragte der Junge mich, wobei merklich sein amerikanischer Akzent durchkam. Ich nickte und er fuhr fort: „In so einer komischen Situation war ich noch nie!“
„Ich auch nicht“ Wir müssten beide leise lachen. „
Aber soll ich dir noch was verraten?“
„Klar“
„So komisch die Situation auch sein mag- ich bin froh, dass ich sie mit dir verbringen kann“
Wäre es jetzt nicht so dunkel gewesen und hätten wir nicht beide unsere Augen geschlossen, hätte Richie wahrscheinlich gesehen wie rot ich angelaufen war.
„Ich auch. Ich meine man sitzt ja nicht alle Tage mit einem Mädchenschwarm gefangen auf einem Dach mitten in Berlin und wird von einem Regenschauer überrascht, während man auf seine Rettung wartet“
„Schöner hätte ich es jetzt nicht sagen können“ Und wir beide mussten wieder lächeln. „Das Show-Business ist echt ein Arschloch. So Sachen wie hier ziehen einen irgendwie zurück auf den Boden der Tatsachen. Dass es auch noch ein Leben außer dem auf der Bühne gibt, muss ich mir oft stundenlang selbst klar machen“
Das Gespräch schien langsam ernst zu werden. Sicher lebte Richie mit seiner Band einen Traum, aber dass dieser ihn so schlauchen konnte, sah man dem Jungen wirklich nicht an.
„Du scheinst das alles aber gut zu meistern. Auf jeden Fall machst du auf mich keinen eingebildeten oder arroganten Eindruck- im Gegenteil“ Ich öffnete meine Augen und sah zu ihm. Auch er sah mich an und ein leichtes Grinsen zierte seine Lippen.
„Menschen wie dich sollte es viel mehr geben- da draußen in der böse weiten Welt“ Er schloss seine Augen wieder und atmete leise aus. Auch ich schloss meine Augen und lehnte meinen Kopf wieder gegen ihn.
Unwillkürlich musste ich an Ryan denken. „So Menschen wie dich sollte es viel mehr geben- oder warte... Nein! Ich bin froh, dass es dich nur einmal gibt- stell dir vor es hätten noch mehr Jungs das Glück so jemanden wie dich, ihre Freundin nennen zu können- du bist meins“
Das waren die Worte, die er damals lächelnd an einem Strandtag in Kalifornien zu mir sagte. Meine Laune veränderte sich. Mir wurde unbehaglich und flau bei den Gedanken an Ryan. Ich atmete schwer aus.
„Hab ich was falsches gesagt?“, Richie schien meine Gefühlsschwankung bemerkt zu haben.
„Ich musste nur an Ryan denken- der hatte so etwas in der Art auch mal zu mir gesagt“, ich schluckte und kniff die Augen noch ein bisschen fester zu.
„Entschuldigung“, hauchte er nur leise in die dunkle Nacht.
„Nein- das ist nicht deine Schuld- wirklich. Ich weiß, dass ich schon längst hätte loslassen müssen. Aber irgendwie...“, ich stockte.
„Du brauchst dich nicht rechtfertigen“, flüsterte er mir ins Ohr und ich ließ etwas von meiner verkrampften Fassade los und entspannte wieder.
Es war ruhig über den Dächern von Berlin. Kaum Verkehr und der Regen ließ auch allmählich nach. Die Stadt, die nie schläft, schien nun doch ihre Ruhe zu finden. Genau wie ich- in den Armen, eines eigentlich mir total Fremden.
„Darf ich meinen Kopf wieder in deinen Schoß legen?“, fragte ich ihn und öffnete meine Augen.
„Sicher“, sagte er, streckte seine angewinkelten Beine aus, um sie kurz auszuschütteln und sich dann im Schneidersitz hinzusetzen. Ich senkte meinen Oberkörper nieder und bettete meinen Kopf auf seinen Beinen. Ich war immer noch müde- furchtbar müde. Aufgrund all der schlaflosen oder albtraumerfüllten Nächte, der letzten drei Monate, fühlte ich mich im Moment wie ein Wrack. Ein müdes, aber dennoch irgendwie glückliches Wrack. Richie schenkte mir noch ein Lächeln, ehe wir wieder unsere Augen schlossen. Er legte seine beiden Hände auf meinen Kopf, strich mir noch eine Weile lang übers Haar, bis ich dann das Gefühl hatte, dass er eingeschlafen war.
Es kam mir seltsam vor, dass ich mich ihm in einer gewissen Art und Weise anvertraut hatte, wie noch keinem zuvor. Wahrscheinlich war es die unvermeidbare Nähe hier oben, die uns alle so nah zusammenrücken ließ- auch im Sinne.
Ryan sollte mich in dieser Nacht nicht mehr kümmern. Ich schlief sorglos und beruhigt ein.