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Olivia's p.o.v.


Im Gegensatz zu Lynn war ich emotional fähig mich im Moment auf einen kleinen Flirt einzulassen, was ich aber nicht tat. Ich mochte Chris. Er hatte etwas beruhigendes – etwas, dass mich davon abhielt schreiend auf dem Dach Amok zu laufen. Ich mochte ihn jetzt schon viel zu sehr für eine Bekanntschaft, aber einen Freund zu verlieren tat weh, also redete ich mir ein, dass er einfach nur irgendein Typ war, mit dem ich jetzt hier oben fest saß und es klappte auch ganz gut.
Auf dem Dach war es still geworden. Es regnete wie verrückt und auch der kleine Vorsprung unter dem wir saßen, konnte uns nicht davor schützen ein paar Tropfen abzukriegen und doch nass zu werden.
Chris war wahrscheinlich schon eingeschlafen und auch Jay gab außer seinem Atmen keine weiteren Geräusche von sich. Richie und Lynn waren auch irgendwann plötzlich still gewesen und seither hatte ich das Gefühl die einzige zu sein, die bei dieser Scheißkälte und dem verdammten Gewitter noch wach war.
Ich hatte die Ärmel des Pullovers wieder über meine Handflächen gezogen. So kam die kühle Luft nicht an meine Finger. Hatte also doch was Gutes so klein zu sein, dass die Ärmel fremder Pullis viel zu lang waren.
Chris hatte seine Hand schon längst wieder von meinem Rücken genommen und in seinen Schoß gelegt. Würde wahrscheinlich keiner mitbekommen, wenn ich jetzt einfach springen würde.
Seufzend zog ich die Kapuze des weißen Pullovers über meinen Kopf. Links und rechts fielen meine Haare heraus und wahrscheinlich sah ich total bescheuert aus – aber es schliefen ja alle.
Gerade als ich das Gefühl hatte das Wetter würde sich verbessern, zuckten im Abstand von wenigen Sekunden vier Blitze über den Himmel und hinterließen ein einziges, ziemlich heftiges Grollen.
Ich hielt mir die Ohren zu und kniff die Augen zusammen. Nicht schreien. Nicht schreien. Bloß jetzt nicht schreien.
Ich merkte, wie meine Augen feucht wurden. Und nicht anfangen zu heulen. Bitte. Nicht auch noch heulen.
Der Regen wurde wieder stärker, so stark, dass wir bald alle in einer riesigen Wasserpfütze saßen. Ich hätte schwören können, dass die Fans jetzt auch nicht mehr unten auf dem Boden saßen.
Erneut zuckte ein Blitz über den Himmel – wieder einer und wieder einer. Der Himmel war pechschwarz und ich sah meine eigene Hand kaum vor Augen, aber jedes mal, wenn es blitze, war es eine kurze Sekunde lang taghell und ich konnte meine eigenen Beine zittern sehen.
Ich schluchzte leise auf, hielt mir die vom Pulloverärmel bedeckte Hand vor den Mund und sah auf, fast schon ängstlich, dass ich jemanden aufgeweckt hätte – aber sie blieben still und zuckten nicht mit der Wimper.
Ich war allein mit meinen Ängsten. Ganz allein. Und das Wetter wurde immer schlechter. Keiner würde versuchen mich zu beruhigen, was vielleicht auch besser war, denn ich kannte mich. Dann würde ich erst recht anfangen zu weinen.
Ich atmete schwerer als normal, zwang mich aber selbst ruhig zu bleiben und tief die Luft in meine Lungen zu ziehen um nicht panisch zu werden, was wirklich schwer war, denn mir war sehr nach schreien zu mute.
„Es regnet nur ein bisschen. Mir passiert hier oben nichts. Die Wolken entladen sich nur.“, murmelte ich so leise, dass es völlig unverständlich war. Aber es brachte nichts und das nächste Schluchzen bahnte sich seinen Weg nach draußen.
Das war's. Alle Dämme brachen, ich konnte die Tränen nicht mehr zurückhalten. Wieder hielt ich mir die Hände vor die Augen. Mein ganzer Körper erbebte unter dem nächsten Schluchzen und erschreckte mich selbst.
Ich war froh, dass keiner aufwachte. Bloß keine Aufmerksamkeit erregen. Schon gar nicht vor Fremden. Die dachten wahrscheinlich eh schon, dass ich nicht mehr ganz beisammen war. Ich versuchte auch krampfhaft still zu sein und das Zittern zu unterdrücken aber – no way.
Die nächsten zwei Blitze waren sofort gefolgt von unheimlich lautem Donner. Schließlich weinte ich wie verrückt und ohne ein sichtbares Ende und weckte sie damit alle mit einem Schlag auf.
Ich konnte mir regelrecht vorstellen wie Lynn aufsprang und durch den Regen auf mich zugeeilt kam und tatsächlich schlang sie keine Sekunde später – schneller als Chris registrieren konnte, was überhaupt los war – beschützend ihre Arme um mich.
„Oh Gott, Ella. Beruhig' dich. Bitte, beruhige dich.“, sie drückte mich fest an sich und strich mir über den Rücken, aber das machte es – wie vorausgesagt – nur schlimmer und ich verlor jegliche Kontrolle über mich.
Lynn wurde hektisch – ich kannte sie. Ihre Bewegungen wurden schneller, ebenso ihr Atem. Sie wurde abgehackter, drehte ständig den Kopf – wahrscheinlich suchte sie irgendwie Hilfe bei den drei jungen Männern, die das Dach „mit uns teilten“.
Sogar mein Schluchzen überschlugen sich, mein Herz raste, ich merkte überhaupt nicht mehr wirklich, was um mich herum geschah. Ich nahm nur die Blitze wahr.
„Ella- Ella bitte. Oh Gott. Ella!“, ja. Sie war eindeutig hektisch. Aber das war für mich nebensächlich und sponn nur irgendwo im hintersten meines Kopfes umher.
Plötzlich verließen mich Lynns dünne Arme und ich wurde nach Links gezogen. Chris' Duft stieg mir in die Nase. Sein Pulli roch auch so. Er schlang die Arme fest um mich, eine Hand an meiner Schulter, eine an meinem Hinterkopf und drückte mich fest an sich.
Mein Schluchzen überschlug sich erneut, ich rang nach Atem und hörte nur, wie Lynn immer und immer wieder murmelte, ich würde hyperventilieren. Dann Blitze und Donnerte es erneut. Das Gewitter war schon so lange genau über uns.
„Schhhhhhhh...“, Lippen drängten sich an mein Ohr. Chris wiegte mich wie ein kleines Kind sanft hin und her und wäre ich nicht so panisch gewesen hätte ich sicherlich darüber gelächelt, dass Chris ohne mich wirklich zu kennen genau wusste, dass mich das normal immer beruhigte.
Ich beruhigte mich nicht. Meine Finger klammerten sich fest in sein Shirt während mein Gesicht sich irgendwo an seiner Brust vergrub und ich weiterhin nach Atem rang. Aber er gab nicht auf.
„Hoffentlich wird sie nicht ohnmächtig...“, hörte ich Jay sagen. Komischer Weise klang er nicht so, als würde ihn die Tatsache, dass ich nach Luft rang amüsieren. Eher so, als würde er sich aufrichtig Sorgen machen und sich endlich zusammen reißen – nicht so wie ich.
„Hat sie wirklich solche Angst vor Gewitter?“, fragte Richie Lynn und diese seufzte laut auf.
„Schon seit ich sie kenne- also praktisch schon seit immer. Keine Ahnung woher das kam. Sogar wenn sie in einem geschlossenen, sicheren Raum ist und draußen ein Gewitter... sie verkriecht sich unter ihre Bettdecke und hofft, dass es schnell zu Ende ist. Einmal war sie so panisch, dass sie umgekippt ist... oh Gott, hoffentlich passiert das jetzt nicht schon wieder.“
Lynn's Stimme war weiter weg. Sie stand bestimmt am anderen Ende des Vorsprungs.
Chris' Hin- und Hergewiege lullte mich fast schon ein, ebenso wie sein „Schh“ und auch, wenn es eine ganze Zeit lang dauerte, beruhigte sich meine Atmung tatsächlich irgendwann, obwohl das Unwetter bei weitem keine Besserung zu sich nahm.
Sanft zogen seine Finger die Kapuze des Pullovers von meinen Haaren weg. Stattdessen gruben sich seine Fingerkuppen durch die blonden Strähnen und strichen mir sanft über den Kopf. Die Hand an meiner Schulter hielt mich nur an ihn gepresst.
Das erste Mal seit einiger Zeit, dass ich mich wieder sicher fühlte. Wirklich sicher.
Ich durfte keine Bindung zu ihm aufbauen.