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Olivia's p.o.v.


Verrückter Weise schmiedete ich langsam Pläne, wie ich diesen nervenden Vollidioten loswerden könnte. Nachdem Lynn dann auch endlich wieder wach wurde, kreuzten sich unsere Blicke einen Moment und ich hätte schwören können, in ihrem Kopf spielte sich gerade das gleiche Szenario ab wie in meinem. Zumindest für diesen Moment.
Ich sah praktisch vor meinem inneren Auge, wie wir Jay packten und ihn ohne zu zögern über's Dach nach unten zu seinen kleinen Fans schupsten. Und ja, verdammt- ich liebte den Gedanken. Dann würde er wenigstens endlich den Mund halten.
Aber weil mir bewusst war, dass Lynn und ich zu schwach waren, um das alleine zu tun, und weil wir noch nicht lange genug hier oben waren, um verrückt zu werden, verwarf ich diesen Tagtraum wieder. Dafür war ich doch zu sehr Realistin.
Ich schüttelte nur den Kopf und stand schlussendlich auf, um die kleine Gruppe zu verlassen. Jay machte mich wahnsinnig, Lynn war mit sich selbst beschäftigt, mit Richie war nichts anzufangen und Chris- tja- der stand auch auf und lief mir nach.
Nah am Dachrand ließ ich mich wieder auf den Boden sinken. Es war halb zwölf, die Mädchen saßen tatsächlich noch unten und warteten und Berlin war taghell erleuchtet. Die bunten Lichter der Clubs hier in der Nähe warfen ihr Licht unten auf die Straßen, die Laternen bildeten gelbe Kringel auf den Gehwegen... inzwischen war von den Sternen nicht mehr viel zu sehen. Wolken hatten sich über den Himmel gezogen und verdeckten den Mond gänzlich, womit es auf dem Dach so dunkel war, dass man seine Hand vor Augen kaum sah. Im Treppenhaus war das Licht aus- leider. Die großen Glasfenster waren genauso schwarz wie die Nacht.
Ich weiß nicht genau, wie viele Stockwerke das Hotel hatte. Acht oder Neun. Zumindest war es hoch genug, um einen ganz schönen Blick über einen Teil Berlins zu haben.
So schnell konnte es gehen. Vor einer Stunde noch war die Nacht klar gewesen und jetzt hatten sich dunkle Wolken über die Sterne gezogen. Wenn es jetzt auch noch anfangen würde zu regnen, dann würde dem Pech des heutigen Tages praktisch noch die Krone aufgesetzt werden.
Chris setzte sich neben mich. Auch er blickte über Berlin.
„Du darfst Jay nicht so ernst nehmen. Wir hatten heute einen anstrengenden Tag. Er ist fertig. Weißt du- er versucht immer die Kontrolle zu behalten- er hat so zu sagen die Vaterrolle... und wenn er die Kontrolle dann verliert, dann kann er ganz schön unerträglich werden. Normalerweise ist er nicht so!“, Chris versuchte Jay also in Schutz zu nehmen, denn es war offensichtlich, dass ich nicht sonderlich angetan von ihm war.
Ich nickte nur. Wenn wir hier wieder runter waren, würde ich sowieso nie wieder was von ihnen hören, also warum sollte ich mir den Kopf darüber zerbrechen, ob Jay nun doch netter war, als er sich gab?!
„Hoffentlich fängt es nicht an zu regnen!“, lenkte ich vom Thema ab.
Wie auf Kommando sah Chris in den Himmel. „Es sieht eher danach aus, als würde es gleich Schütten und Blitzen wie verrückt!“, gab er dann von sich und drehte den Kopf zu mir.
„Oh bitte nicht!“, murmelte ich leise und hielt mir die Hände vor's Gesicht. Ich hasste Gewitter. Ich meine- ich liebte es, wenn es regnete- aber sobald der erste Blitz über den Himmel zog, verkroch ich mich unter meine Bettdecke und betete zu Gott – an den ich eigentlich gar nicht glaubte – dass es schnell wieder aufhören würde.
Hier oben – auf dem Dach des Hyatt-Hotels – würde ich wahrscheinlich den schlimmsten Panikanfall meines Lebens bekommen. Verdammt, wir saßen auf einem Dach! Und Blitze schlugen immer in den höchsten Punkt ein!
Ich merkte jetzt schon, wie mein Herz anfing schneller zu schlagen. Angst.
„Hast du Angst?“, Chris grinste, als er mich fragte- zumindest, bis er bemerkte, dass ich zitterte.
Sofort rückte er ein Stück näher an mich ran und zog sanft meine Hände von meinem Gesicht.
„Hey... das war nicht ernst gemeint.“, sagte er aber ich schüttelte nur seine Hände von meinen ab.
„Schon okay. Es fängt sicher nur an zu regnen. Und bevor wir klitschnass sind hat uns schon jemand hier runter geholt!“, ich beruhigte mich damit wahrscheinlich eher selbst. Es war gut sich das einzureden. Es unterdrückte die Angst ein wenig.
„Ist alles okay, Ella?“, rief Lynn von hinten. Als ich meinen Kopf zu ihr rum drehte, versuchte ich zu lächeln und nickte.
„Ja, alles klar!“, rief ich ihr zurück, drehte mich wieder um und sog tief die Luft ein. „Alles bestens!“, flüsterte ich dann wieder zu mir. „Ist dir wirklich nicht kalt?“, fragte ich Chris dann und hob den Blick etwas an.
„Lass den Pullover an, wirklich, Oli!“, jetzt waren wir also schon bei Spitznamen angelangt. Okay. Wunderbar. Leute, die einen mit einem Spitznamen anreden, haben angefangen eine Beziehung aufzubauen. Doch nicht wunderbar. Schlecht. Schließlich war das das letzte Mal, dass wir uns sahen.
„Okay...“, ich nahm mir vor ihn in einer halben Stunde noch einmal zu fragen. Vielleicht war es ihm noch nicht kalt genug.
Ich stützte leicht die Lippen. Ich war ja regelrecht darauf versessen, dass er seinen Pullover wieder anzog. Vielleicht lag es daran, dass ich mich mit jeglichen Mitteln dagegen wehren wollte eine Beziehung aufzubauen. Wenn ich ihn mochte, würde es mir schwerer fallen nie wieder was von ihm zu hören, als wenn er einfach nur irgendeine kurzzeitige Begegnung bleiben würde.
Der erste kleine Blitz zog über den von Wolken bedeckten Himmel und ich zuckte zusammen. Ich spürte Lynn's Blicke in meinem Rücken. Sie wusste, dass ich Angst vor Gewittern hatte und wartete nur noch auf einen spitzen Schrei von mir. Aber er kam nicht. Ich würde mich jetzt zusammenreißen und nicht zum Affen machen vor irgendwelchen fremden Leuten.
Chris Finger legten sich über meine und drückten die Hand leicht.
Es grollte.
Meine Finger kribbelten angenehm. Überraschender Weise war seine Hand warm. Vielleicht war ihm wirklich nicht kalt.
„Wohl doch nicht nur Regen!“, flüsterte er leise und lächelte, obwohl mir absolut nicht zum Lächeln war und ich es auch nicht ansatzweise lustig fand.
„Scheint so...“, war alles, was ich erwidern konnte.
Wieder ein Blitz. Diesmal zuckte ich heftiger zusammen.
Chris legte den seinen Arm um mich und zog mich leicht an sich heran.
„Du brauchst wirklich keine Angst haben. Es passiert schon nichts. Ich versprech's!“, er sprach beruhigend zu mir und vielleicht wirkte es auch ein kleines bisschen, trotzdem spürte ich, wie die Panik in mir aufstieg.
Ich hörte, wie Lynn etwas zu Jay und Richie sagte, dass sich schwer nach „Ich mach mir Sorgen um sie“ anhörte, aber ich war mir nicht ganz sicher, ob ich richtig gehört hatte.
„Und was machst du, wenn doch ein Blitz hier einschlägt? Hast du Superkräfte, von denen niemand weiß?“, Chris lachte auf.
„Blitze schlagen in den höchsten Punkt. Das ist entweder das Treppenhaus oder Jay!“, wieder lachte er.
„Oh- die zweite Möglichkeit gefällt mir besser!“, ich musste grinsen. Eins musste man Chris also lassen. Er war ganz gut darin mich davon abzuhalten in Panik zu verfallen.