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Olivia's p.o.v.


Der Wind schlug mir weiterhin um die Ohren, als ich die Beine gerade ausstreckte und ein bisschen ausschüttelte; die Arme hinter mir abgestützt. Hier oben war es so schön still. Im Gegensatz zu da unten, wo sich vielleicht gerade in diesem Moment irgendwer stritt und anschrie- wo ein Baby weinte oder für jemanden vielleicht gerade die Welt zusammenbrach. Hier oben gab es nur Lynn und mich.
Ich musste unwillkürlich an Noah denken, meinen großen Bruder. An seine Frau Claire und die kleine Fabienne, die gerade erst 20 Monate war. Vielleicht würde er bald sterben und dann würde Claire alleine mit Fabi sein. Es würden so viele Welten zusammenbrechen, so viel würde sich verändern. Auch für mich.
Noah war elf Jahre älter als ich und meine Eltern nicht mehr die Jüngsten. Ich war erst achtzehn und mir dessen vollkommen bewusst, dass ich noch nicht reif genug war um mein Leben zu führen. Ich vermisste es sogar manchmal ein Kind zu sein. Ohne Pflichten, ohne Sorgen. Dafür würde ich all meine Rechte aufgeben.
Ein Schmunzeln legte sich auf meine Lippen, als mein Blick sich ein paar Meter weiter an einem schwarzen Van fest klammerte und eine handvoll Personen ausstieg. Bestimmt wieder solche reichen Schnösel, die hier eincheckten.
„Er ist es nicht wert, dass du dir wegen ihm so den Kopf zerbrichst!“, ich drehte meinen Kopf zu Lynn, wobei mir wieder die blonden Haare ins Gesicht flogen. „Du hast was Besseres verdient. Jemanden, der dich auf Händen trägt und dir die scheiß beschissenen Sterne vom Himmel holt. Du brauchst ihn nicht!“
Ich erinnerte mich noch gut an meine letzte Trennung. Über ein Jahr war vergangen und ich hatte seither niemanden näher als es sein musste an mich heran gelassen.
Jonas und ich waren ein knappes Jahr zusammen gewesen und er war das, was ich mir immer erträumt hatte- zumindest dachte ich das damals. Heute weiß ich, dass er ein Idiot ist.
Ich habe damals Tag und Nacht – wochenlang – geweint. Noah war immer für mich da, bis es ihm auch irgendwann reichte.
„Olivia Ella Mégan Taylor, reiß dich gefälligst zusammen. Die Welt ist nicht untergegangen, nur weil dich dieser Vollhorst verlassen hat. Da draußen läuft irgendwo einer rum, der dich auf Händen tragen wird und dir die scheiß beschissenen Sterne vom Himmel holt. Wieso weinst du einem Jonas nach, wenn du was viel besseres verdient hast? Du brauchst ihn nicht!“
Ich lächelte leicht und ließ meinen Blick verträumt zu den Sternen schweifen, als mir auffiel, dass Noah damals die selben Worte gewählt hatte, wie ich es heute tat. Trotz des Altersunterschiedes und der Tatsache, dass wir Geschwister waren und sich angeblich ja die meisten Geschwister nicht ausstehen können, oder vielleicht auch gerade deswegen, war mein Bruder für mich einer der wenigen Menschen, denen ich mich anvertraute. Außer ihm und Madelyn gab es kaum jemanden, der mich so in- und auswendig kannte und immer zu mir hielt, egal wie falsch es war.
„Es läuft eben nicht alles so wie wir es wollen... so wie es soll. Das Leben ist hart und grausam und ungerecht- aber das interessiert da unten keinen. Da unten sind wir auf uns alleine gestellt. Wer Schwäche zeigt ist ganz schnell unten durch!“, meine Zähne gruben sich vorsichtig in meine Unterlippe, ließen sie los und bisschen wieder darauf. Das tat ich immer, wenn ich mich aufregte. Ryan war ein Arschloch. Genau wie Jonas und der beschissene Blutkrebs von meinem Bruder. Sie alle waren ungerecht, aber das scherte da unten keine Sau. Alle sind auf ihr Geschäft aus. Auf das, was dabei rausspringt, wenn sie etwas tun. Die Gefühle anderer interessieren fast keinen.
Ich muss zugeben, Noah war auch lange Zeit einer dieser karrieregeilen Frauenhelden gewesen. Jede Woche eine Neue, was die andere fühlt und denkt interessierte ihn nicht – das war so, bis er Claire kennen lernte und nicht mal da konnte er das alles ablegen. Wirklich verändert hatte er sich erst, als die Ärzte Leukämie diagnostizierten. Als hätte er gemerkt, dass es im Leben noch um etwas anderes als Ruhm und Reichtum ging.
„Es kann uns nicht immer alles in den Schoß fallen, aber weil einmal etwas anders läuft als wir uns das vorstellen, ist noch lange nicht alles vorbei... wir sind noch viel zu jung, um unser Leben einem Tiefschlag hinzugeben...“